11 Impulse für Deine Alltags-Bühnen

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Eigentlich hast Du überlegt, ob Du diesen Blogpost überhaupt lesen sollst - denn Du trittst gar nicht auf Bühnen auf. Gut dass Du hier bist, denn DAS ist (D)ein Irrtum. Wir alle treten ständig auf Bühnen auf. Eine Bühne ist keineswegs immer groß, hat ein Mikro und einen schweren Samtvorhang!

Deine Bühnen ... sind überall

Unser Alltag besteht aus vielen kleinen Bühnen: Das erste Date mit einem potentiellen Partner, die Reklamation des kalten Kaffees in Deinem Stammcafé, das Meeting mit Kollegen, der Besuch eines Netzwerkabends oder das Familientreffen. Und auch Dein Spruch auf der Mobilbox, Dein Facebook-Live-Video oder Dein Webminar: Alles Bühnen, auf denen Du auftrittst und Deine Wirkung entfaltest. Sobald Du sprichst, hört die in diesen Momenten mindestens eine Person zu.

Damit Du auf Deinen persönlichen Bühnen optimal und souverän rüberkommst, habe ich in diesem Blogpost elf Impulse für Dich.

1. Sprich´ zu Menschen

Je nachdem, mit mit oder zu wem wir reden, sprechen wir durchaus unterschiedlich. Klar, denkst Du - meinen Chef kann ich wohl kaum duzen. Meine Tante versteht kein Englisch. Meine Mutter hat keine Ahnung von Volkswirtschaft. Mein Vater versteht nix von Instagram. Und meine Oma Gertrud ... ist schwerhörig. Wir bemühen uns meist, hierauf Rücksicht zu nehmen.

Im beruflichen Umfeld benutzen wir oft eine andere "Sprache". Klar, wir wollen professionell wirken. Deshalb setzen wir auf Fachbegriffe, verwenden themenrelevante Abkürzungen und reden eher ... gestelzt. Wir wollen uns keine Blöße geben und keiner unserer Teilnehmer soll das Gefühl bekommen, wir hielten ihn für "doof".

Ein fataler Irrtum.

Impuls #1
Immer redest Du zu Menschen. Egal, ob Pförtner oder Vorstandschef. Beide kennen DEIN spezielles Thema oft viel zu wenig, um Dir entspannt folgen zu können. Je mehr Du über Deinen Gesprächspartner weißt, desto besser kannst Du Dich sprachlich auf ihn einstellen. Die Mühe lohnt sich, sich zu fragen: Was braucht dieser Mensch genau, damit er meine Botschaft versteht, das gewünschte Verhalten zeigt oder sich zum Thema äußert?

Ich habe vor vielen Jahren als Wirtschafts- und Automobil-Journalistin gearbeitet. Mein Chefredakteur ermahnte uns oft: "Schreibt bitte verständlich für Omma Gertud aus Korschenbroich!"

Jahre später hießt es in meiner Zeit im Marketing der Postbank: "Erstellen Sie die Präsentation bitte für Hausfrauen und Vorstände!" - was ziemlich genau dasselbe meint. Denn der Finanzvorstand kennt sich im Metier des Personalvorstandes ebenso wenig aus, wie der Technik-Chef im Bereich des Inhabers. Sie alle wollen inhaltlich "abgeholt werden". Je leichter wir es ihnen machen, desto größere Chancen haben wir, verstanden zu werden..

2. Artikuliere deutlich

Du hast etwas zu sagen und möchtest gehört werden. Woran scheitert es häufig, dass wir unverstanden bleiben? Weil wir zu undeutlich sprechen. Niemand braucht eine Sprecherausbildung, um gehört zu werden - doch ein Mindestmaß an Artikulation hilft ungemein, um Deine volle Wirkung zu entfalten. Verhaltenes, leises Nuscheln ist ein echter Kommunikationskiller.

Impuls #2
Nimm´ einen Korken und stecken ihn Dir zwischen die Zähne. Dann lies´ einen komplexeren Text laut vor. Versuche dabei, so sauber wie möglich zu artikulieren. Solltest Du keinen Zuhörer haben, dann nimm´ das Gesprochene mit der Diktatfunktion Deines Smartphone, dem Anrufbeantworter oder der Webcam auf.

Höre es Dir an. Übe, bis Du auch mit Korken sauber verständlich bist. Was meinst Du, wie sauber Du dann erst ohne den Korken artikulierst?

3. Sprich´ laut genug

Du hast in einem Restaurant ein Essen serviert bekommen, welches eiskalt statt heiß zum Tisch kam. Viele würden das gar nicht erst reklamieren. 

Falsch. Der Wirt hat für Dein hart verdientes Geld eine Minderleistung erbracht, die Dich enttäuscht. Bitte direkt nach der Feststellung, dass da etwas nicht stimmt, einen Kellner höflich an den Tisch. Trage Deine Reklamation in freundlichen, aber klaren Worten - und dabei laut und deutlich (= selbstbewusst) - vor. Bitte um Nachbesserung. Meist wird diese ohne Murren erfolgen. Damit die anderen Gäste, die das ja oft durchaus mitbekommen, merken: Hier wird der Gast ernst genommen. Das Restaurant hat schließlich ein Interesse daran, dass Du wiederkommst und gut über es sprichst. Es gibt also keinen Grund für falsche Scham.

Das gilt für die meisten Bühnen. Stell´ Dir vor, ein Wissenschaftler hat eine phantastische neue Entdeckung gemacht. Und stellt sie im Hörsaal mit einem Fistelstimmchen vor. Wie überzeugt wird sein Auditorium sein? 

Impuls #3
Sprich´ laut und deutlich. Übe das im Alltag. Eine selbstbewusst-laute Stimme verschafft Dir Gehör und lässt Dich kompetent wirken. Egal, auf welcher Bühne. Wann "laut" zu laut ist? Das erkennst Du sofort in den Augen Deiner Gesprächspartner und Teilnehmer, wetten?


4. Achte auf Dein Sprechtempo

Ich persönlich gehöre eher zu den Schnellsprechern - und darf mich immer wieder ermahnen, langsamer zu sprechen. Das klappt super, wenn ich auf meine Artikulation achte. Denn dann werde ich automatisch bewusster und fahre mein Tempo etwas runter.

Doch es gibt auch Menschen, die eher sehr langsam sprechen. Das ist für Zuhörer mit schnellem Hirn schon mal schwierig - weil das Hirn vermeintlich zu wenig Input pro Minute bekommt. Doch das ist keinesfalls wirklich so, denn unser Gehirn braucht Zeit zur Verarbeitung der erhaltenen Informationen. Wenn jemand langsam, aber "interessant" (inhaltlich und in Sachen Sprache) redet, kann das sehr wirksam sein.

Impuls #4
Frage Menschen in Deinem Umfeld, wie sie Dein Sprechtempo empfinden. Achte dabei auch darauf, wie schnell diese Personen selbst reden - denn das eigene Sprechtempo bildet oft die Basis dafür, wie schnell wir andere empfinden. Übe im Alltag mal bewusst schneller oder langsamer zu sprechen und fühle nach, wie sich das für Dich selbst anfühlt - und wie andere darauf reagieren.

Doch dafür gilt es, die nächsten Tipps zu beachten: 

5. Moduliere Deine Stimme

Computerstimmen sind eintönig. Das wirkt schnell einschläfernd. Daher ist eine gute Stimm-Modulation auf Deinen Bühnen sehr wertvoll für Deine Zuhörer. Dazu gehören eine wechselnde Tonhöhe ebenso, wie ein variierierendes Sprechtempo, eine zu- und abnehmende Lautstärke und auch eine flexible Tonhöhe. Unsere Stimme hat meist mehrere Oktaven Umfang. Also kannst Du von kieksig bis sonor ruhig Deine volle stimmliche Bandbreite nutzen. Du findest Deine Stimme generell zu hoch? Da kann Dir ein Sprechtrainer sehr leicht weiterhelfen - denn Stimme ist kein Schicksal!

Impuls #5
Zu diesem Thema gibt es meine Podcast-Episode mit Steffi Schwarzack. Die Sprechtrainerin weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht ... und erzählt im Podcast ganz offen darüber. Inklusive hilfreicher Tipps vom Profi.

6. Halte Blickkontakt

Du kennst das: Du gehst auf eine Veranstaltung. Ein Bekannter entdeckt Dich, kommt auf Dich zu, begrüßt Dich ... und schaut derweil schon über die Schulter zum nächsten potentiellen Kontakt. Wie fühlst Du Dich? Wohl eher wenig wertgeschätzt. Gleiches gilt für Dein Publikum.

Wenn Du überzeugend und souverän wirken willst, dann stelle Augenkontakt her. Immer wieder. Lasse den Blick schweifen, wenn Du großes Publikum hast.

Impuls #6
Ist es Dir zu peinlich, Menschen  direkt in die Augen zu schauen, dann schaue ihnen auf die Nasenwurzel. Also den Punkt genau zwischen den Augen.

Bei großen Auditorien kannst Du niemals Augenkontakt mit allen halten. Doch dann kannst Du den Blick langsam schweifen lassen und so immer wieder andere Personen das Gefühl geben, sie anzusehen. Dazu ganz einfach etwa 15 cm über die Köpfe schauen - auf Entfernung wirkt das wie ein direkter Blickkontakt.

7. Pausen machen glücklich

Du möchtest Deine Botschaft unbedingt ans Publikum bringen - also redest Du schnell. Oft auch ohne Pausen. Irgendwann realisierst Du, wie Dir die Luft knapp wird. Weil Du nur noch oberflächlich atmest und Dein Gehirn nach Sauerstoff lechzt. 

Gönne Dir und Deinem Publikum Pausen. Dir selbst, um tief durchzuatmen und in Ruhe die nächsten Sätze zu überlegen. Deinem Publikum, um das Gesagte entspannt zu verarbeiten. Doch wie lang sollte eine Pause sein?

Nun - im persönlichen Gespräch gilt etwas anderes, als auf der großen Bühne. Denn im direkten Gespräch "droht" bei einer zu langen Pause, dass andere die Chance nutzen und Dir ... ins Wort fallen. Oder das Gespräch gleich ganz an sich reißen.

Doch mal ehrlich: Wäre es nicht in der Tat eine bessere Gesprächskultur, wenn wir uns allesamt deutlich kürzere Redesequenzen gestatten würden und anderen so auch Rede-Freiraum gönnen? Ich gestehe, es fällt auch mir schwer. Ja, ich rede gerne. Doch ich nehme mir oft bewusst vor: Maximal drei Sätze oder eine Minute. Dann versuche ich, dem anderen die Chance zu lassen, aktiv ins Gespräch einzusteigen. Wer mich kennt: Ja, ich übe das auch noch.... 

Dir fällt sicher sofort einer dieser Kandidaten ein, die 30 Minuten ohne Punkt und Komma reden können. Weil ihnen endlich mal jemand zuhört. Das ist absolut respektlos. Dann ist "unterbrechen" auch gesellschaftlich durchaus erlaubt. Ich habe sogar mal jemanden offen gefragt, ob er auch mal atmen und andere zu Wort kommen lassen möchte. Doch das war wirklich ein ganz harter Brocken...

Impuls #7
Auf der großen Bühne kann eine Pause deutlich länger ausfallen. Probiere es einmal aus: Beende den Satz und starte eine Pause. Und zwar genau so lange, bis Du das Gefühl hast, dass Du es kaum mehr aushältst. Bis es sich für Dich unangenehm anfühlt. Du kannst davon ausgehen, dass es dann für Dein Publikum genau richtig ist.

8. LMAA - lächele mehr, als andere

Egal, ob Du eine höchst erfreuliche oder eine unangenehme Botschaft hast: ein angedeutetes Lächeln lässt Dich sympathischer wirken. Klar solltest Du keinesfalls den Tod eines Kollegen mit einem breiten Grinsen verkünden - doch nach der schlechten Nachricht darfst Du wieder die Mundwinkel nach oben bewegen. Das macht es Deinem Gegenüber leichter, die schlechte Nachricht zu verdauen.

Ist Dir schon mal aufgefallen, dass viele Menschen mit einem eher grimmigen Gesichtsausdruck durch die Welt gehen? Nein, sie sind nicht sauer oder schlecht gelaunt - sondern entspannt. Wenn unsere Gesichtsmuskeln Pause haben, hängen die Mundwinkel eben gerne merkelesk gen Süden. 

Impuls #8
Halte eine leichte Spannung in Deinen Mundwinkeln. Was sich für Dich schon wie ein kleines Lächeln anfühlt, lässt Deine Mundwinkel freundlicher wirken. Für ein echtes Lächeln musst Du schon mehr "ziehen". Und dann ...lächeln auch die Augen mit.

9. Dein Körper spricht für sich

Es ist wie es ist: Unser Körper hat eine eigene Sprache. Gestik, Mimik und unsere Körpersprache verraten verdammt viel. Sie sagen, was wir wirklich denken - und zwar auch dann, wenn wir alles daran setzen, diese Informationen vor anderen zu verbergen. 

Fakt ist: Körpersprache lässt sich selbst von Profis kaum überlisten. Wir verraten uns selbst. Das wissen Profiler und Körpersprachler nur zu gut. Sie können oft sofort erkennen, ob ihr Gegenüber lügt oder welche Gefühle ihn gerade bewegen. Also versuche gar nicht erst, Dir eine andere Körpersprache angewöhnen zu wollen. Doch auf ein paar Kleinigkeiten kannst Du im Alltag natürlich achten ...

Impuls #9
Ein faszinierendes Buch zum Thema ist Menschen lesen von Joe Navarro. Hier wirst Du sehr viel erfahren, was Dich auch beim eigenen Auftritt wirklich weiter bringt, wenn es darum geht, das Verhalten Deines Gegenübers richtig zu werten. Auch der YouTube-Kanal von Stefan Verra ist für mich ein Quell spannenden Wissens.

10. Wenn Du unterbrochen wirst...

Du bist mit einer Aufgabe beschäftigt. Intensiv. Plötzlich schellt das Telefon und jemand hat eine Frage oder Bitte an Dich. Wie klingst Du? Gestresst oder entspannt? Genervt oder freundlich? Abweisend oder offen?

Wie genau meldest Du Dich? Mit einem freundlichen "Guten Tag, hier ist Firma XY, mein Name ist Nina Namenlos" oder mit einem eher gerotzten "Namenlos, ja bitte"?

Impuls #10
Achte einmal darauf, mit welcher inneren "Haltung" Du Deinen Gesprächspartnern in solchen Situationen begegnest. Sei ehrlich: Würdest Du in diesem Moment gerne selbst mit Dir reden wollen?

Sobald Du Dich einem anderen zuwendest - egal ob persönlich oder am Telefon - bist Du sofort auf Deiner Bühne. Deine Professionalität zeigst Du, indem Du dann direkt in den Profi-Modus schaltest. Kein Kollege oder Anrufer kann etwas dafür, dass Du gerade genervt, traurig oder wütend bist. Also lass ihn das nach Möglichkeit nie spüren. Das ist professionell. Das bedeutet allerdings nicht, dass Du Dich nie menschlich zeigen darfst. Wenn Du wirklich erschüttert oder übelst gelaunt ist, dann gehe anderen menschen möglichst aus dem Weg oder weise sie freundlich darauf hin, dass Du heute "anders" bist und dass es nichts mit ihnen zu tun hat. Das gilt, wenn Du nah am Wasser gebaut, besonders empfindsam oder ungeduldig bist. 

Hier ein älterer Blogpost von mir zu Guter Ton am Telefon, der unverändert Gültigkeit hat. Ach - und wie viel Lust macht Dein Vorspruch auf Deiner Mobilbox oder Deinem Anrufbeantworter, Dich anzurufen und da drauf zu sprechen?

11. Imperfektion rockt

Wenn Du heute aus diesem Blogpost auch nur einen einzigen Impuls mit nimmst, ist alles fein. Niemand kann das alles in Perfektion beherrschen und umsetzen. Wir sind Menschen und dürfen Fehler machen. #IMPERFEKTIONrockt ist ja mein Credo.

Bei jedem Verbesserungsprozess gibt es auch immer wieder Rückschritte. Sieh´ sie als Deine Chance, Anlauf für die nächste Verbesserung zu nehmen.

Gestatte Dir Fehler und menschliche Imperfektion - denn das wirkt nahbar und sympathisch. Außerdem ist das zeitsparend und macht Dir das Leben wirklich leichter.

Mentorin für bemerkenswerten Auftritte mit Mikrofon, Marker und Deinem individuellen #WOW-Faktor.

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