2021 – ohne Rückblick

Gerade haben wir den 31.12.2020, es ist 12:16 am Mittag. Ehrlicherweise sitze ich gerade hier und habe den Blues. Seit gestern hat er mich gepackt. So ein typischer Jahresend-Blues. Denn mit so einem Jahreswechsel sind immer wieder einige Dinge verbunden, mit denen umzugehen ich mich schwer tue.

Krankenkasse

Begonnen hat es mit einem Brief meiner Krankenkasse, in dem es um die immer wieder halbjährlich erfolgende Übermittlungspflicht meiner Daten und Zahlen geht. Damit sie auch ja den richtigen Beitrag kassieren können. Zustellung dieses Jahr - am Heiligabend. 

Gerne als Ergebnis natürlich immer wieder ein höherer Beitrag. Obwohl vermutlich kaum jemand so selten zum Arzt geht, wie wir Solounternehmer. Wir verursachen also in der Regel eher niedrige Kosten, solange wir nicht chronisch krank sind. Nun gut, sie sollen ja auch bekommen, was ihnen zusteht. Doch warum bitte muss so ein Brief am Heiligabend in der Post sein? Hätte das vielleicht auch Zeit bis zum neuen Jahr? Wenn der Kopf wieder auf Business steht?

Finanzamt

Das Gleiche gilt für die Finanzbehörden. Wann immer es wirklich unangenehme Post gibt, dann kommt sie mit Beginn des neuen Jahres bei uns an. Hier bin ich besonders gekniffen, denn diese fiese Post bekomme ich gerne am 05.01. - pünktlich zu meinem Geburtstag. Ich freue mich schon jetzt darauf, was sie denn diesmal von mir wollen werden. DASS ein Brief kommt, erscheint mir inzwischen so sicher, wie das Amen in der Kirche. Leider.

Nun wirst Du anmerken, dass so eine Behörde ja keine Rücksicht auf individuelle Geburtstage nehmen könne. Das stimmt natürlich. Doch vielleicht mal nicht direkt mit Jahresbeginn ... wäre verträglicher. Warum muss ein neues Jahr behördlich bedingt gleich mal unangenehm starten? Oder hast Du da schon mal angenehme Post mit guten Nachrichten erhalten?

Plätzchenteller

Planung 

Immer zum Jahresende ploppen in eMails und Social Media die Nachrichten auf, sich über die Planung des Folgejahres doch bitte ordentlich Gedanken zu machen. Da gibt es Online-Kurse, Workshops und Challenges. Wer mehrere Social Media-Plattformen bedient und im Netz aktiv ist, der entkommt diesen "Angeboten" kaum. Und ich merke - gerade in diesem ohnehin herausfordernden Jahr - wie es mir gerade ein wenig die Luft nimmt.  Zu viel Angebot. Das hemmt die Motivation. Vernebelt mir die Sinne und ist am Ende ... für mich ungesund.

Immerhin wissen wir spätestens seit 2020, dass jegliche Planung gerne auch mal "für die Katz" ist. Weil im Ende eben doch alles anders kommt. Klar macht es Sinn, sich darüber zu verständigen, was ich mir fürs nächste Jahr vornehmen und was ich erreichen möchte. Doch aktuell übt das alles unfassbar viel Druck aus. Ich möchte einfach nur mal zur Ruhe kommen. Durchatmen. Das Hirn lüften...

Doch kaum ist das Weihnachtsfest inhaltlich "abgearbeitet", werde ich schon mit Verve in die Vorbereitungen für das neue Jahr geschubst. Dabei habe ich noch keine Sekunde mal das Gefühl von "stader/ stiller Zeit" entwickeln können. 

Das Jahr 2020 war ein sehr spannendes Jahr. Nein, es war keineswegs alles nur schlecht. Ich habe gaaanz viel gestemmt, eine riesige Lernkurve gemacht und bin über mich selbst hinausgewachsen. Ich habe eine Menge Neuland betreten, mich bewiesen und das Jahr auch wirtschaftlich recht gut überlebt. Doch der Preis ist, dass ich gen Jahresende einfach vollkommen erschöpft bin. So richtig zutiefst erschöpft.

Meine Lebensfreude, meine Kreativität und mein Mut leiden gerade heftig ... denn auch der entspannte Austausch mit lieben Menschen kam am Ende an vielen Punkten einfach zu kurz.  

Mindset

Wer mich kennt weiß, dass ich eine Powerfrau bin. Die immer einen Weg sucht, statt Hürden zu bejammern. Und doch ... bin auch ich nur begrenzt belastbar. Auch ich messe mich logischerweise immer wieder an meinen Kollegen in meiner Filterblase. Heraus kommt, dass ich ja noch weit mehr hätte können/ schaffen/ tun müssen, um in diesen veränderten Rahmenbedingungen erfolgreich zu sein.

Wie - ich habe noch keine zehn blitzfrischen und brandaktuellen Onlinekurse gemäß professioneller "Produkttreppe"?

Ich habe keine E-Mail-Serien, die die Kunden, natürlich perfekt segmentiert, bei Laune halten?

Ich nutze keinen High-End-eMail-Funnel zur Füllung meiner Newsletterliste?

Ich habe keine fünf Freebies für verschiedene Zielgruppen, die anhand von Facebook-Pixeln und Analysen meiner Besucherdaten perfekt abgestimmt sind?

Ich bearbeite das komplexe Thema SEO (= Suchmachinenoptimierung) nur mit Widerstand?

Ich bearbeite akquisetechnisch nicht immer wieder meine vorhandenen Bestandskunden?

Pfui - Schande über mich!

Vermutlich bin ich noch nicht so erfolgreich, wie manche KollegInnen. Weil ich das alles noch (!!!) nicht habe. Da sind mir einige doch sehr, sehr weit voraus. Ja, ich schaue mit Ehrfurcht auf Menschen wie Claudia Kauscheder, Birgit Schultz, Frank Katzer, Alex Wiethaus, Jonas Tietgen, Martin Sänger, Nadine Krachten oder Birgit Quirchmayr und reichlich andere.

Diese Menschen haben für mich Vorbildfunktion. Doch ihr Tempo überfordert mich gerade kollossal. Sie hauen Angebote raus, die ich großartig finde - und doch in meinem Alltag nicht gewuppt kriege. Ich wollte 2020 am 15.12. für dieses Jahr in Winterpause gehen. Geworden ist es der 23.12. um 16:30 Uhr.

Spielplatz der Öffentlichkeitsarbeit

To Do-Liste

Ich habe am 23.12. den PC ausgemacht und mir - als letzte Tat - eine Sketchnote gezeichnet mit den Aufgaben, für die ich mir in meinen Ferien (!!!) endlich mal in Ruhe Zeit nehmen möchte.
Darunter sind einige Schwergewichte wie beispielsweise:

  • Bilderordner auf meinen verschiedenen Devices aufräumen - das betrifft auch alle meine Zeichnungen. Das sind inzwischen mehrere tausend Dateien. Ungetaggt...
  • Online-Kurs(e) entwickeln (Online-Business, Redementorin + Businesszeichnen - also mindestens drei Stück...)
  • Offene Onlinekurse endlich mal zu Ende bearbeiten - ob .gif-Kurs + Procreate-Kurs von Studio Umi, Design-Challenge von Elopage, Membership-Kongress-Inhalte von Digitalfrei und mehr
  • Das Buch Handlettering mit Procreate von Pavo Ivkovic lesen, bearbeiten und dann endlich angemessen rezensieren... (ich habe schon viel reingeschaut, es ist so toll, dass ich einfach Zeit dafür brauche...)
  • Neue Software kennenlernen und sinnvoll einrichten - ich habe noch ungenutzt Book like a boss, Wishlist Member, Genial.ly und Designrr "herumliegen" - die zum Herumliegen einfach zu wertvoll sind...
  • Mein Sketchbook für das "The Sketchbook-Project" der  Brooklynartlibrary.com mit Leben füllen - Termin für die letzte Einsendung ist Ende Februar. Ich will mein Sketchbook in New York wiederfinden - und im Internet. Nenn´ es Spinnerei - ich liebe diese Idee einfach.
  • Rückwand in meinem Büro streichen (übrigens der einzige Punkt, den ich bisher wirklich geschafft habe.... - und auch das nur unzureichend, weil ich am Ende dann etwas zu wenig Farbe hatte, um alles sauber zu streichen.)
  • Inhaltliche Überarbeitung und clevere Zusammenführung meiner Websites (hatte ich schon Ende 2019 auf meiner Agenda stehen....schwitz...)
  • ...und noch einiges mehr.

Fällt Dir was auf? Klar - Du erkennst sofort, dass diese Aufgabenliste verdammt wenig mit Ferien und Erholung zu tun hat. Kurzum: ich laufe meiner To Do-Liste schon jetzt wieder so sehr her, dass ich da verdammt nochmal keinen Platz für Neues habe. Das ist alles andere als gut. Doch so richtig von der Liste streichen lässt sich da auch nix.

Ach - und dann ist da ja auch noch mein Privatleben. Meine inzwischen weniger fitte Mutter, mein Mann, meine alte Kaninchendame, der Haushalt ....und...und...und. Kurzum: Ich habe zu viel Inhalt für zu wenig Lebenszeit. Ich schaue mit Schrecken auf diese Liste und fühle: Ich arbeite nur noch. Und wenn es auch unfassbar viel Spaß macht, so ist es aktuell eben doch ... zu viel.

Denn schon nach Urlaubsende (geplant war der 10.01.2021, doch ich verlängere jetzt aus guten Gründen bis 15.01.2021) warten wieder diverse Kundenprojekte und Aufgaben . Denn neben den vielen großen Themen gibt es für uns Solisten ja auch täglich noch gefühlt 100.000 kleine Aufgaben. Telefonate, E-Mails, Überarbeitungen oder auch nur ein Update einer Software....

Ach - und heute ist ja auch noch Silvester. Verdammt! Ich habe noch keinen Hefeteig angesetzt, damit wir morgen früh frische Neujährchen auf dem Tisch haben. Ohne die wäre es für mich aber kein Silvester. Also muss ich jetzt wohl mal zum Ende kommen...

Silvester 2020

Okay, Du hast ja Recht: ich bin selber für meine To Do-Liste verantwortlich. Deshalb werde ich in den nächsten Tagen weiter Zeit nutzen, um Dinge - darunter auf Aufgaben - aufzuräumen. Und mich von dem einen oder anderen einfach vorerst zu verabschieden. 

Doch vor allem eines nehme ich  - die ich NIE gute Vorsätze fürs neue Jahr gemacht habe ...doch dieses Jahr ist alles etwas anders - mir vor: Ich höre auf, mich selbst ständig (von anderen) unter Druck setzen zu lassen. Weder von der Krankenkasse, noch dem Finanzamt (deren Briefe schaue ich mir also erst NACH dem 15.01. an...), noch von den sehr professionellen Kollegen, denen ich folge. Denn es sind in keiner Weise andere Menschen, die mir Druck machen. Ich bin es selbst. Weil ich denke: DA müsstest Du längst auch stehen. DAS müsstest Du schon lange auch können. DIESES will ich auch. DAS sollte längst erledigt sein.

Ich nehme mir vor, 2021 zum "Jahr des Neins" zu machen. Ich werde nur noch Aufgaben annehmen, die mich weiterbringen und die mir - manchmal auch erst auf Sicht - Freude bringen. Und ... tadaaa ... ich gestehe mir ab sofort einen halben Tag pro Woche zu, an dem ich nur Dinge tue, auf die ich gerade Bock habe. Das kann was Privates sein, doch auch eine berufliche Aufgabe.  

MeinMontagMorgen

Wenn Du Dich also ab sofort wunderst, warum ich am Montagvormittag künftig das Telefon schellen oder eMails unbearbeitet lasse, dann ist es, weil der Montagvormittag bis 14 Uhr ab sofort nur noch MIR gehört. Meine Woche beginnt so immer mit etwas, was mich gut tut, mich voranbringt oder meinen Zielen dient. Was das ist, darf ich am MeinMontagMorgen entscheiden. Denn so kann ich meine To Do-Liste nach und nach ausdünnen (Neues kommt da eh von selbst wieder dazu...) und mir mein Leben erleichtern. Meine Kunden können den halben Tag  gut auf mich verzichten, wenn ich den rest der Woche sturkturiert arbeite.

Ich gönne mir 2021 das Bewusstsein, dass viele KollegInnen auch mich für meine Arbeit und meine Inhalte sehr wohlwollend beäugen. Dass sie auch mein Tempo gigantisch finden und denken: So weit würde ich gerne schon sein. Das würde ich gerne schon können oder haben.

Ja, ich habe verdammt viel geschafft und kann stolz auf mein Jahr 2020 sein.  

Danke

Danke 2020 - ich bin gesund, mir geht es gut und ich werde geliebt. Das ist verdammt viel, wofür ich heute einfach nur dankbar bin. Mit diesem Blogpost habe ich mich gerade von meinem Jahresend-Blues befreit. Und jetzt? Jetzt gehe ich Neujährchen backen. Und wünsche Dir für heute Nacht viel innere Klarheit, wie sich 2021 für Dich entwickeln darf und wofür Du 2020 dankbar bist. Komm´ gut rüber - wir hören, sehen oder lesen und im neuen Jahr. Mach´ was draus.


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