Leben – braucht MUT

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"Leben ist, was passiert - während Du Deine Pläne machst..."
Aus inzwischen gut 54 Jahren aktiven Lebens kann ich sagen: Stimmt genau. Denn erstens kommt es anders - und zweitens, als man denkt. Das Leben überrascht uns gerne mal. Wenn wir Glück haben, dann fällt diese Überraschung positiv aus. Im anderen Fall auch schon mal richtig, richtig negativ. Beispielsweise mit einer fiesen Krankheit. Die im schlimmsten Fall auch noch chronisch oder tödlich enden kann. Oder auch mit Existenzangst, Scheitern oder Enttäuschung.

Warum gerade ich?

Wenn Dich ein Schicksalsschlag trifft, ist DAS so ziemlich die dämlichste Frage, die Du Dir stellen kannst. Denn dann ... steckst Du sofort in der Opfer-Haltung. Du begibst Dich in die Passivität und lässt zu, dass Andere - Partner, Ärzte oder Schicksal - Dein Leben bestimmen.

Besser wäre die Frage: Was ist das GUTE daran?

Ich weiß, das ist erstmal mordsmäßig schwer, etwas Gutes ist einer verdammt miesen Situation zu erkennen. Eigentlich willst Du Dich hinsetzen, jammern und bedauert werden. Blöd nur, dass das ... an Deiner Situation nichts, aber auch gar nix, ändert. Du rutschst nur tiefer in die Krise.

Das Gute im Schlechten

Keine Bange - niemand will Dir diese Phase des Selbstmitleids, Heulens und Zähneknirschens verbieten. Darfst Du machen. Tut auch oft einfach erstmal gut. Wichtig ist allerdings, dass Du dann auch wieder auftauchst aus dem Tränenmeer - und nach vorne schaust:
Was ist das Gute an meiner neuen Situation?
Was will das Leben mich damit lehren?
Wo liegt der (noch versteckte) Vorteil?

Und ja - den gibt es. Immer. Auch wenn das zunächst unglaublich klingt.

Einer meiner harten Schicksalsschläge ...

Jedes Leben hat Höhen und Tiefen - und jeder erlebt Krisen. Das hat auch seinen Sinn - denn Höhepunkte kann nur erleben, wer auch die andere Seite kennt. Und erst wer das Tal der Tränen kennt, kann befreit Lachtränen vergießen, wenn er mal auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs ist.

In meinem Leben gab es zwei sehr wesentliche Einschnitte, die mir den Boden unter den Füßen weggezogen haben. Vom ersten möchte ich Dir heute berichten. Es war 1993. Ich arbeitete erfolgreich in meinem Job als Wertpapierspezialistin in Frankfurt, war frisch verliebt und alles war ganz wunderbar. Volle Sonnenseite.

Dann ... starb von jetzt auf gleich mein Vater. Mit nur 59 Jahren. An einer auf einen Spritzenabszess folgenden Blutvergiftung. In einem deutschen Krankenhaus. Unfassbar.

Meine Mutter saß plötzlich mit 51 Jahren ohne Mann und Perspektive allein in meinem Elternhaus in Mettmann. Ich habe damals furchtbar gehadert, denn mein Vater war mein Ein und Alles. Wir waren uns so ähnlich und ich konnte mir kaum vorstellen, auch nur einen Tag ohne ihn zu leben. Doch nun ... gab es keine Alternative.

Ich habe damals in Frankfurt meine geplante Zukunft "aufgegeben" und bin nach Mettmann zurückgekehrt. Habe den elterlichen Verlag als Herausgeberin und Journalistin übernommen und mich in vollkommen neue Gefilde eingearbeitet. Eine unfassbare Herausforderung.   

Darin soll was Gutes stecken?

Ja, das tut es. Ich bin heute 54 Jahre alt und merke, was das Älterwerden mit mir macht. Und wie sehr ich dabei mit mir und der Welt hadere. Das wäre meinem Vater ebenso ergangen. Er wäre wahrscheinlich mit zunehmendem Alter immer unleidlicher geworden. Für sich selbst und seine Umwelt schwer erträglich. Denn er war ein dynamischer und aktiver Mensch. Unglaublich belesen (wird mit Brille schwerer), Golfer und Skifahrer (ohhh, die knackenden Knochen...) und begeisterter Lerner. Das Internet hätte er als Wirtschaftsjournalist geliebt - doch dieses Technik-Gefrickel mit Kabeln und Anschlüssen, Smartphones und Zeug...hätte ihn in Rage gebracht.

Für ihn war es GUT, dass er so früh und mitten aus dem Leben gehen durfte. Er hat intensiv gelebt. Mich hat die wunderbare Jutta Bernsdorff am Strand von Hallendale/ Florida getröstet, zu der ich nach der Beerdigung eine Woche gereist bin, um Abstand zu gewinnen. Sie sagte liebevoll zu mir: "Dein Vater hat seine Aufgabe auf der Erde erfüllt. Er durfte gehen." 

Das ... fand ich einen sehr passenden und trostvollen Gedanken. 

Meine Positiv-Faktoren darin...

Doch die Situation hat noch mehr Gutes: Sie hat mich vor gänzlich neue Herausforderungen gestellt. An denen ich wachsen durfte. Auf einmal hatte ich einen kleinen Verlag. War Geschäftsführerin und Verlegerin. Journalistin und Assistentin. Macherin und Entscheiderin. Ich lernte, mit dem Gegenwind, der mich - mit damals 28 Jahren - hart in die Kurve warf, umzugehen. Denn in der Automobil- und Energiebranche als junge Frau ohne "offizielle" Berufserfahrung und ohne journalistische Ausbildung, sondern nur mit ererbtem Talent zu bestehen, war kein Spaß. Ich habe es geschafft.

Wieder war ich in einer reinen Männerdomäne aktiv. Dafür war ich aus meiner Zeit als eine der ersten Börsenhändlerinnen in Deutschland allerdings bereits gut gewappnet. So konnte ich die sexuellen Anzüglichkeiten der Kerle souverän parieren. Ich war technisch interessiert und fit genug, um den Männern auch mal einen Reifen zu wechseln oder die Vorteile eines McPherson-Federbeins zu erläutern. Weil mein Dad mich immer hat machen lassen. Denn er selbst hatte technisch echt zwei linke Hände. Und so musste ich alles selbst lernen - und das ... zahlte sich jetzt aus.

Kurzum: Ich wäre heute nicht die, die ich bin. Mit allen meinen Licht- und Schattenseiten - wäre damals mein Vater nicht so plötzlich verstorben. Ich stehe heute noch im Kontakt mit ihm. Wenn ich ihn wirklich brauche, halten wir Zwiegespräche. Dann ... rät er mir, wie ich mich verhalten soll. Oder er tröstet mich. Und manchmal ... tritt er mich auch böse in den Hintern. Wenn ich zu viel jammere, nörgele und einfach mal nur faul sein will.

Noch mehr Schicksalsschläge...

In 54 Lebensjahre passt noch einiges mehr, als nur EIN solcher Schicksalsschlag. Ich könnte von einer Menge weiterer mieser Zeiten berichten. Meiner Depression. Dem Scheitern von Liebes- und anderen Beziehungen. Hartz IV. Existenzangst. Verzweiflung. Doch gehört das alles untrennbar zu meinem Leben dazu. 

Erst diese Krisen haben mich die werden lassen, die heute hier am Feiertag vor dem Rechner sitzt und diesen Blogpost im Rahmen der Blogparade Lebensmutivations-Flashmob von Andrea Heckmann schreibt.

Auch heute noch gibt es Momente, wo es in meinem Leben anders läuft, als ich es mir wünsche. In denen ich von Menschen enttäuscht werde. In denen mir gesundheitliche Krisen das Leben erschweren. Doch dann schaue ich auf zwei ganz besondere Menschen in meinem Leben. Mit denen mich inzwischen weit mehr verbindet, als Kollegialität. Sie sind meine Vorbilder im Umgang mit wirklich harten Momenten.

Ein eMail-Austausch oder Telefonat mit ihnen holt mich ganz schnell auf den Boden der Tatsachen und in die sachliche Überlegung zurück. Beide haben wirklich harte Schicksale zu verpacken - und tun dies mit unendlicher Stärke, bewundernswertem Mut und schonungsloser Ehrlichkeit:

1. Sabine Dinkel - mit ihrer Diagnose Eierstockkrebs. Die Frau, die ihre Erkrankung #Schnieptröte nennt und zwei absolut großartige und hilfreiche Bücher (Ratgeber: Krebs ist, wenn man trotzdem lacht + Comic-Biographie: Arschbombe in die Untiefen des Lebens) über ihre Krankheit geschrieben hat.

Bücher, die anderen wirklich helfen - weil sie eben NICHT die Betroffenheitsschiene abradeln, sondern sich auf der Humorebene bewegen. Und so der Krankheit ein Stück Schrecken nehmen. Ihr Blog ist übrigens unfassbar lesenswert. Und am 10.07. kommt ihr nächstes Buch...es geht um Müll am Strand und wird wieder unfassbar lustig.

2. Katja Kerschgens - "dank" Multipler Sklerose (MS) inzwischen im Rollstuhl und dennoch als Rednerin begeisternd unterwegs. Sie macht Menschen in ihrem Blog und auf Bühnen MUT zu ihrem "Trotzdem" zu kommen. Sie sagt: ich bin nicht krank. Ich habe eine Krankheit - was ein ganz anderes Mindset bedeutet.

Auch sie hat Bücher zur ErMUTigung in vielen Lebenslagen geschrieben. Sie überzeugt mich immer wieder mit ihrer gnadenlosen Klarheit. Sie gestattet mir lein langes Jammern, sondern lenkt mich immer schnell und sehr gezielt dahin, wo es weh tut. Und hilft mir dann über die Hürde, ins TUN zu kommen. DAS macht mein Leben besser.

Das GUTE in den Schicksalsschlägen dieser beiden Frauen?

Sie sind Mega-Mutmacher für andere. Sie gehen sehr souverän mit den Einschränkungen um, die das Leben ihnen bietet. Sie lehren uns Dankbarkeit für alles das, was wir haben und als selbstverständlich nehmen. Was es oft ganz sicher NICHT ist.

Sie lenken den Blick für sich und andere immer auf das Gute im Schlechten.

Engel und Teufel auf meinen Schultern

Diese beiden Frauen sind meine Engel, wenn der Teufel auf der anderen Schulter mich wieder in den Jammermodus quatschen will. Inzwischen habe ich eines ganz sicher gelernt: Im Jammermodus ändert sich NIX. Erst wenn ich wieder zum Entscheider im eigenen Leben werde, bekomme ich neue Perspektiven, Klarheit und MUT.

Meine Frage an Dich ist nun:

Wer sind Deine Engel, wenn der Teufel mal wieder Unsinn redet?
Wer holt Dich aus dem Jammersumpf?
Und wer oder was gibt Dir Kraft und Mut?

Schenke diesen Menschen Deine Beachtung und Wertschätzung. Sie sind Dein größter Schatz im Leben. Denn wir brauchen beide - Teufel und Engel.

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dank der Blogparade habe ich deinen Blog entdeckt 🙂
    Was für ein wunderbarer, tiefer, bereichernder Beitrag, liebe Bettina! Vielen Dank für klare Worte, den Einblick – und Ausblick!
    herzlich, Vera

    • Was für eine wertschätzende Rückmeldung – sei umärmelt. Ich habe in meinem Leben auch lange gebraucht, um da hin zu kommen, wo ich heute bin. Und ich versuche, Menschen zu ermutigen, den Jammersumpf zu verlassen und den See der Möglichkeiten zu entdecken 😉

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