Ausweichen: Ich ärgere mich… #nicht

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Vorgestern fuhr ich zum Bauernhof bei uns um die Ecke. Mein Ziel war, dort ein paar frische Eier für uns zu besorgen. Zum Kuchenbacken. Nun handelt es sich um einen richtigen Bauernhof mit einer doch eher dörflichen Zufahrt. Also schmal. Rechts und links der huckeligen Straße von Schotter gesäumt. Daneben Apfelbäume... (nein, ich habe kein Bild von der Original-Szenerie, dieser Smart ist nur stellvertretend für die Situation...)

Rudi an seinem letzten Tag

Ich fuhr also auf den Hof und erledigte meinen Eierkauf. Um dann wieder nach Hause zu starten...

Wer gibt nach?

Es kam, wie es kommen musste: Auf den 200 Metern enger Zufahrt kamen mir gleich zwei Fahrzeuge entgegen. Das erste, ein sicher über zehn Jahre altes und ziemlich ungepflegt wirkendes japanisches Fabrikat. Der Fahrer blieb stoisch in der Mitte der Straße und zwang mich so in den wenig lackfreundlichen Schotter. Denn auch an Geschwindigkeit ließ er nicht nach.

In der Theoriestunde, in der wir alle mal "Bergauf hat Vorfahrt!" gelernt haben, hatte er wohl gefehlt. Dieser Mann am Steuer nahm sich sein "Recht" und sein Gegenüber war ihm spürbar egal. Er starrte grimmig auf die Straße vor sich - kein Kopfnicken, kein Gruß, kein Blickkontakt. 

Ganz anders seine Nachfolgerin. Eine jüngere Frau mit einem ziemlich neuen Minicooper. Wie selbstverständlich fuhr sie langsamer. Und wich dann mit einer Fahrzeugseite ... in den Schotter aus. Ich fuhr - ebenfalls mit einer Fahrzeugseite im Schotter - an ihr vorbei. Wir grüßten uns freundlich.

Danke - an Miss Minicooper

Wie schön, dass es noch Menschen wie diese junge Frau im Minicooper gibt. Die die Situation erkennt - und ihren Teil zu einer freundlichen Lösung im Miteinander beiträgt. Und dann noch mit einem Lächeln grüßt - auch wenn unser beider Fahrzeuge jetzt vielleicht einen kleinen Lackplatzer mehr haben.

Doch worauf kommt es an im Leben? Auf einen perfekten Autolack - also eine glänzende Fassade? Oder auf das, was "drin" ist? 

  • auf den Menschen 
  • auf das Miteinander 
  • auf den achtsamen und fürsorglichen Umgang
  • auf das Hinschauen

Ich wünsche mir mehr FahrzeuglenkerInnen auf unseren Straßen, die offen im verkehrstechnischen Begegnungsverkehr unterwegs sind. Menschen, die uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Gerne auch außerhalb des Straßenverkehrs.

Ausweichen ist Wertschätzung

Für ein geschmeidigeres Miteinander ist ein - mittels Gesten abgestimmtes - "Ausweichen" allemal besser, als ein egoistisches Spurhalten. Doch auch eine Portion Nachsicht für den vermeintlichen Egoisten am Steuer sollte keineswegs zu kurz kommen.

Wir wissen eben oft nicht, was unser Gegenüber zu seinem Verhalten führt. Ein unangenehmes Gespräch mit der Beifahrerin? Ein Defekt am Fahrzeug? Oder einfach ein schlechter Tag bisher? 

Auch hier kann ein freiwilliges Ausweichen für beide Seiten angenehmer sein. Oder wollen Sie sich mit so jemandem streiten? Nein. Es heißt ja aus gutem Grund: "Ich ärgere mich!"

Es ist (M)EINE Entscheidung

Ich alleine entscheide darüber, ob ich mich über so etwas ärgere - oder versuche, die gute Seite darin zu sehen. Immerhin gab es keinen Unfall. Es ist auch kein Fahrzeug zu Schaden gekommen. Lohnt es also, sich über solche Menschen aufzuregen?

Ich meine: Nein.

Lernprozess

Auch wenn ich - wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin - genau an dieser Stelle mitten in einem langen Lernprozess stecke. Denn ich kann mich über sowas nämlich trefflich ärgern. Derartige Rücksichtslosigkeit kann mich auf die Palme bringen.  Doch zunehmend entscheide ich mich, das Positive zu sehen und meine Nerven zu schützen. Und so bleibt mir diesmal eben das Lächeln der Mini-Fahrerin in Erinnerung....

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