Typen im Online-Meeting | 1

Lass uns mal über verschiedene Menschen in unseren Online-Meetings sprechen - denn da haben wir inzwischen allerhand "Typen" erlebt. Verhalten, was der Eine von uns für vollkommen normal hält, kann andere Teilnehmende zur Raserei bringen. Daher macht es Sinn, sich einmal selbst zu hinterfragen, wie ich mich selbst im Online-Meeting benehme. Und auch zu überlegen: Wie gehe ich eigentlich clever mit diesen Typen um, wenn ich sie in einem Online-Meeting antreffe, welches ist möglicherweise sogar moderieren "darf"....

Ich habe insgesamt 9 Typen identifiziert

Nach einiger Überlegung bin ich auf neun verschiedene Typen im Business-Kontext gekommen. Typen, die ich Dir in diesem und weiteren Blogposts vorstellen werde. Beginnen werde ich mit einem als meist eher unangenehm empfundenen Typen: Dominik Darknet.
Damit wir uns richtig verstehen: Es kann sich dabei auch um eine Frau handeln. Dieser Typ Teilnehmender kommt auch in nahezu allen Altersschichten vor, mit denen wir im Business zu tun haben. 

Online-Typen: Dominik Darknet

Typ 1 | Dominik Darknet

Dieser Typ von Teilnehmendem bringt viele Moderatoren und Teilnehmerinnen zur Verzweiflung - denn diese Persönlichkeiten verweigern schlichtweg die Nutzung der Webcam. Aus verschiedensten Gründen. Alle anderen schauen daher also dauerhaft auf eine schwarze Videokachel. Oft nicht einmal mit einem vorab eingestellten Foto. Sondern einfach nur ...schwarz. Das ist unerquicklich. Nach inzwischen gut 2,5 Jahren Online muss ich gestehen: Es nervt hart. Denn inzwischen sollte sich jeder, der beruflich im Netz agiert, in der neuen Situation angemessen eingerichtet haben.

Ein schwarzes Video ist sowohl für den Moderierenden als auch für die anderen Teilnehmenden sehr unangenehm. Denn niemand weiß, ob da wirklich jemand vor der Webcam sitzt, wie dieser Mensch aussieht und was er oder sie gerade wirklich tut. Ob er alleine dort sitzt oder vielleicht sogar ganz jemand anderes uns zuschaut ...

Zudem fehlt dem Moderierenden das Feedback aus der Mimik und Gestik, ob seine Inhalte "ankommen" oder ob Unklarheiten bleiben. Auch bei Teilnehmer-Aktivierungen bleiben diese Menschen oft komplett unbeteiligt. Insgesamt schadet die Kameralosigkeit der Gruppe - und die Dominik Darknets oft auch sich selbst. Denn Personen ohne Kamera können seitens der Anderen auf manchen Plattformen komplett unsichtbar geschaltet werden. Schwarze Bildschirme sorgen dafür, dass Teilnehmende mental auch schon mal in Vergessenheit geraten.

Wie gehe ich als Moderator damit um?

Dominiks Datenleitung

Bitte den Teilnehmenden, sich mindestens zu Beginn, zum Ende und auch mal mittendrin mit Bild zu zeigen. Damit die anderen Teilnehmerinnen wenigstens ein Gefühl für die Person bekommen, die den Rest der Zeit als schwarze Kachel erscheint.

Zudem gebe ich den Hinweis, einfach mal Kontakt zum entsprechenden Provider der Datenleitung aufzunehmen und nach einer Option zu fragen, wie die Leitung leistungsstärker werden könnte.

Ich selbst habe bereits wiederholt die Erfahrung gemacht, dass ich bei Anfragen einen deutlich besseren Leistungsumfang angeboten bekam - bei GÜNSTIGER werdenden Kosten. Kein Scherz. Fragen lohnt also.

Dominik hat heute Bad Hair-Day

Hier braucht es klare Worte, denn die Person würde sich auch im Livemeeting wohl keineswegs mit ungewaschenen Haaren präsentieren. Menschen sitzen doch in Konferenz- und Seminarräumen keineswegs mit der braunen Packpapiertüte über dem Kopf im Raum! Da sollte es online im Business-Kontext ebenso selbstverständlich sein, sich mindestens "obenrum schön" vorzubereiten.

Ich bitte solche Teilnehmenden per Privatchat (also direkt angeschrieben, ohne dass alle anderen mitlesen können!) freundlich und doch bestimmt, sich in der nächsten Pause frisch zu machen und danach bitte MIT Kamerabild zu präsentieren.

Dominik hat im Hintergrund Chaos

Hier dürfen wir nach laaangen Monaten in Online-Meeting schlichtweg erwarten, dass die Teilnehmenden inzwischen einen Ort gefunden oder sich geschaffen haben, wo sie sich ordentlich präsentieren können. Ohne zu viel Privates zu zeigen.

Einen Ort, der aufgeräumt aussieht (auch wenn drumherum das Chaos regiert). Auch hier spreche ich die teilnehmende Person höflich und doch klar an. Ich gebe in solchen Fällen gerne budgetfreundliche und praktikable Tipps für Paravents, Roll up-Displays, Vorhanglösungen oder Stellwände. Oft reicht allerdings ein einfaches Aufräumen und einmalig ordentliches Gestalten.

Kamera (angeblich) kaputt

Hier hilft (m)ein schneller Griff zum Smartphone: Ich zeige es in die Webcam - und bitte diese Teilnehmenden mit der defekten Kamera dann, hier im Online-Meeting aktiv zu bleiben. Und sich fürs Video-Bild eben zusätzlich noch mit dem Smartphone einzuloggen. Denn die Kamera am Smartphone ist im Grunde NIE kaputt. Damit wird ja schließlich fleißig fotografiert 😉

Erstaunlich oft funktioniert die eigentliche Webcam dann von Zauberhand doch wieder... 😉

Dominik will unsichtbar bleiben...

Hier braucht es Ermutigung. Diese Menschen würden doch auch im Präsenzmeeting körperlich sichtbar dabei sein. Wenn sich der Moderierende locker gibt, sinkt meist die Hürde, sich zu zeigen.

Oft ist es allerdings auch das eigene Videobild, welches Menschen irritiert - schließlich säßen sie in Präsenz auch nicht ständig vor dem Spiegel und könnten sich selbst bei ihrer Wirkung beobachten. Diesen Persönlichkeiten hilft es sehr, dass sie auf manchen Plattformen das eigene Videobild abschalten können. Dann fühlt es sich für sie eher an, wie in einem Präsenzmeeting, in dem wir auch nicht ständig unsere Sitzposition oder den Sitz unserer Frisur beobachten können.

Ich lade solche Persönlichkeiten einfach freundlich ein, sich zu trauen und dabei ihre Komfortzone zu erweitern - und begleite sie gerne mit Hinweisen oder Impulsen. Ich präsentiere mich zudem selber oft verletzlich und imperfekt vor der Webcam. Damit mache ich deutlich, dass es online eigentlich genauso locker zugeht, wie offline. Wenn dann auch noch andere Teilnehmende sich menschlich nahbar zeigen, ist das Eis oft schnell gebrochen. Mit einer kleinen Teilnehmeraktivierung, für die es die Kamera braucht, habe ich schon so manchen vor die Linse locken können. Und wenn die Kamera erst einmal an war, dann bleibt sie es oft auch - weil die Hürde überwunden wurde.

Dominik will was anderes tun können

Wenn es um private Meetings geht, ist das durchaus okay - doch in Business-Meetings, in denen es um mehr geht, als nur um Zuhören, sollten wir die Teilnehmenden auch geistig "an Bord holen und halten".

Wenn Menschen sich mit anderen Dingen befassen wollen (online wie offline), dann ist das ehrlicherweise ziemlich respektlos gegenüber den anderen Teilnehmenden und Moderierenden. Das sollten wir auch durchaus mal kommunizieren - immer höflich und mit einem Lächeln, doch eben auch klar.

Manchmal ist es allerdings auch ein Zeichen, dass diese Person sich unausgelastet fühlt. Dann hat der Moderierende einen schlechten Job gemacht - was wiederum respektlos gegenüber Teilnehmenden ist.

Es bedeutet, dass sich der Moderierende deutlich mehr Vorarbeit machen darf. Damit er die Menschen aktiv zum Mitmachen und Dabeisein motiviert. Wer online richtig gut moderiert, lässt den Teilnehmenden kaum Freiraum, sich anderweitig zu beschäftigen. Es hat schließlich niemand gesagt, dass "dieses Online" für Moderierende und Teilnehmende zum Pausenraum wird...

Bei Dominik sind andere Menschen im Hintergrund

Das Thema Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) spielt auch online eine große Rolle. Jeder Mensch hat da ein Recht am eigenen Bild. Das gilt für Kollegen, Familie und ja, auch für Kinder. Daher ist es eine klare Aufgabe des Gastgebenden im Online-Meeting, seine Gäste darauf hinzuweisen, dass das Umfeld idealerweise vorab informiert werden sollte.

Ein Zettel an der Türe mit dem Hinweis "Bin im Online-Meeting bis XX Uhr", ein entsprechender Aufsteller auf dem Schreibtisch oder ein paar Worte vorab zu möglichen "Durchsbildläufern" sind daher zielführend.

Wer seine Kinder vor die Kamera läßt, sollte sich bewusst machen, dass das juristisch bedenklich ist. Kinder haben eigene Persönlichkeitsrechte und sind sich über die langfristigen Konsequenzen einer Videoaufnahme oft unklar. Doch diese steht eben auch noch im Netz, wenn sie inzwischen erwachsen sind und ihnen das frühere Video peinlich sein könnte.

Zudem ist zu betrachten, dass die Aufmerksamkeit, die kleine und große "Überraschungsgäste" auf sich ziehen, keineswegs jedem anderen Teilnehmenden angenehm ist. Ein kurzes Hallo kann nett und auflockernd sein, doch bitte keine längeren Sequenzen, wenn nicht beispielsweise Kinder oder Familie Kernthemen des Online-Meetings sind.

Dominik will keinesfalls in Aufzeichnungen zu sehen sein

Das ist in der Tat ein brisantes Thema. Denn auch wenn Moderierende sich vor der Aufzeichnung eines Online-Meetings eine Zustimmung der Teilnehmenden holen, so wissen wir inzwischen, dass sich der eine oder andere die Online-Meetings mittels einer Screencast-Software auch schon mal unerlaubt mitschneidet.

Das KANN der Moderierende bedauerlicherweise in keiner Form unterbinden, weil es für ihn unsichtbar und unmerklich passiert. Doch wenn, dann passiert es eher in richtig großen, deutlich anonymeren Webinaren, als in kleinen Gruppen-Meetings, wo sich Vertrauen aufbaut. Daher will wohlüberlegt sein, für welche Online-Meetings Dominik Darknet eigentlich seine Anmeldung absendet.

Dies ist übrigens der einzige Grund, warum ich in meinen Online-Workshops - in begründeten Ausnahmefällen - einen Verzicht auf die Kameranutzung akzeptiere. Bisher konnte ich jedoch alle meine Online-Gäste für die Nutzung der Kamera gewinnen.

Da ich inzwischen weiß, dass viele Menschen oft halbe Tage und mehr vor der Kamera verbringen, lade ich inzwischen auch immer häufiger dazu ein, die Kamera auch ganz bewusst phasenweise auszustellen.  

Impuls vom Profi

Es gibt einen letzten und sehr wirksamen Weg, scheue oder "bockige" Menschen vor die Kameralinse zu kriegen: Mit coolen Aufgabenstellungen und Teilnehmer-Aktivierungen. Wenn es darum geht, in kleineren Teams in Breakout-Rooms zu arbeiten, gemeinsam etwas auf dem Whiteboard zu zeichnen oder auch Bewegungsübungen vor der Kamera zu machen, braucht es in manchen Momenten einfach die Webcam.

Ich habe für solche Momente immer ein paar Aufgaben (gerne aus unserem Online-Burger Kartenset) in petto. Beispielsweise lasse ich die Teilnehmenden gleich zu Beginn als Selbstvorstellung einen Gegenstand in die Kamera halten, anhand dessen sie sich der Gruppe vorstellen sollen. Das bewirkt, dass sich Menschen ohne Webcam nahezu ausgeschlossen fühlen. Und dann eben oft doch - wenigstens kurz - die Kamera anmachen. Sobald die Kamera dann erstmal "an" ist, bleibt sie es meistens auch. Es ist oft wirklich nur der erste Schritt, der die Menschen kamerascheu agieren lässt.

Hast Du solche "Dominik Darknets" in Deinen Online-Meetings schon mal erlebt? Wie gehst Du mit ihnen um? Teile gerne Deine Tipps mit uns in den Kommentaren.



  • Veröffentlicht in: Allgemein

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