5 ½ Tipps für überzeugende Wirkung vor der Webcam

Wenn Du Dich vor einer Webcam präsentiert, gibst Du viel von Dir preis. Meist mehr, als Dir selber in dem Moment bewusst ist. Und doch erleben wir aktuell, wie unbedacht manche Mitmenschen vor einer Videokamera sitzen. Gerne auch in einem Business-Meeting....

Was zu Beginn der coronabedingten Fast-Food-Digitalisierungswelle noch stillschweigend akzeptiert wurde, weil wir alle noch Lernende waren, wird inzwischen deutlich kritischer beäugt. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen, worauf es ankommt, um angemessen zu wirken

Tipp 1 | Wie viel willst Du zeigen?

Im Videomeeting gibt es drei Rollen: Moderator, Co-Host und Teilnehmer. Je nach Rolle, die Du einnimmst, wirst Du Dich unterschiedlich vor der Kamera präsentieren. Als Teilnehmender kannst Du dabei deutlich lässiger rangehen, als als Moderator. Dennoch solltest Du Dir Gedanken machen, wie Du Deinen Bildausschnitt für die Webcam geschickt gestaltest. 

Vertrauen in eine Person entsteht, wenn die Kamera nah genug dran ist, dass wir die Mimik noch und die Gestik schon erkennen können. Das bedeutet, dass Du idealerweise ab Bauchhöhe zu sehen bist. Dann sind die - hoffentlich bewegten - Hände sichtbar und der Kopf dennoch nah genug dran, um das Gesichtskino (= Mimik) erkennen zu lassen.

Webcam = Querformat

Was nett gedacht ist, funktioniert im Alltag allerdings schwer. Denn die typischen Webcams sind dem Format der Computerbildschirme angepasst: im Querformat. Das heißt, dass wir sehr weit weg von der Kameralinse sitzen müssten, um ausreichend sichtbar zu sein. Das geht oft schon alleine aus Platzgründen nicht.

Versuche dennoch, so weit weg zu sitzen, dass Dein Kopf in der Webcam am oberen Bildrand - mit etwas "Luft darüber" - und darunter noch ein Stück Körper zu sehen sind. Damit Deine Hände wenigstens hin und wieder ins Blickfeld der Webcam kommen. Das stärkt das Vertrauen in Deine Person und in das, was Du sagst.

Oder Du wählst eine externe Kamera auf einem Stativ und arbeitest in stehender Position. Doch Achtung: Was fürs Video und in social media oft wunderbar klappt, funktioniert im Videomeeting nicht, weil dort einheitlich alle Videos im Querformat dargestellt werden.

Kurzum: Es gibt kein "richtig" oder "falsch", sondern ein "wofür" oder ein "wo geht was"? Wenn Du Dir dazu Gedanken machst, wird Dein Ergebnis schon deutlich besser ausfallen. 

Eine externe Webcam liefert fast immer ein deutlich besseres Bild, als die eingebaute Webcam Deines Laptops. Manche haben auch ein eingebautes und durchaus akzeptables Mikrofon an Bord.

Zudem kannst Du die externe Webcam besser auf Augenhöhe positionieren und so einen besseren Bildausschnitt kreieren.

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Tipp 2 | Wie ist Dein Mindset zur Webcam?

Gefühlt betrachten viele Mitmenschen diese "Webcam" als echtes Feindbild. Doch warum? Sie bietet uns eine Menge positiver Dinge. Denn aktuell tickt unsere Business-Welt ja doch ein ganzes Stück anders, als noch zu Beginn des Jahres. 

Was ich persönlich daran total schätze: Ich sitze jetzt - mitten am Arbeitstag - in einer Hausanzug-Hose und mit Schlappen vor dem Rechner. Doch jederzeit kann mich jemand zu einem Onlinemeeting mit Webcam auffordern. Denn ich folge Webverbesserin Mira Giesen, die auf der Podcasthelden-Konferenz 2018 den Onliner-Wahlspruch prägte "obenrum schön". Ich liebe dieses lässigere Arbeiten im Home-Office.

Auch wunderbar: Ich muss weniger reisen. So gerne ich im Grunde unterwegs bin, so ist es auch mühsam, anstrengend und belastend. Wer schläft schon in der ersten Hotelnacht gut und erholsam? Ich habe jetzt weniger Reisekilometer und schone zudem die Umwelt. Meine eigene Lebensqualität ist durch die Webcam-Nutzung höher.

Wenn ich vor der Webcam präsentiere, rede, trainiere, zeige ich nur einen von mir bestimmbaren Ausschnitt von mir und meiner Welt. Über den ich bestimmen kann.

Ob und welche Unterlagen ich ins Onlinemeeting mitgebracht habe? Kann keiner sehen. Ich kann sogar noch schnell auf meinem Rechner "holen", was ich gerade gerne zeigen würde. Das ist doch extrem luxuriös, oder?

Ob ich Wasser, Cola oder Kaffee trinke, sieht niemand. Ich kann sogar die Kaffeesorte selbst bestimmen. Und so viel Kekse vom Tellerchen naschen, wie ich will.

Ob ich mit Interessenten, Kunden und Kollegen vor der Kamera oder live rede - ich muss mich in jedem Fall "zeigen". Ich persönlich finde es wenig wertschätzend, wenn mein Gegenüber seine Kamera ausgeschaltet lässt - denn gelingende Kommunikation braucht immer ein "Gegenüber". Wenigstens in einem netten Kameraausschnitt, wenn schon nicht in Gänze.


Getränke vor der Webcam idealerweise vor Meetingbeginn in eine Keramik-Tasse füllen. Wenn diese mit Deinem Unternehmenslogo bedruckt ist, machst Du Zusatzwerbung für Dein Unternehmen. Wenn sie nicht ganz frisch gespült ist, sieht das Dein Gegenüber - im Gegensatz zu einem Glas - nicht. 


Fun-Fact (natürlich erst nach 18 Uhr!): Auch Wein oder Bier sind darin nicht als Alkohol erkennbar. Notfalls eine abgeschnittene Teebeutelfahne am Faden auf der für Teilnehmende sichtbaren Seite innen an den Tassenrand kleben 😉

Tipp 3 | Wie willst Du wirken?

Werde Dir über Deine Wirkfaktoren bewusst! Du bist Deine eigene (Personen)Marke. Das bedeutet, dass alles, was Du für andere sichtbar tust, "wirkt". Es sind weit mehr als Kleidung und Worte, die Deine Wirkung auf andere beeinflussen.

Doch bevor wir da ins Detail gehen, möchte ich Dich bitten, Dir jetzt Zettel und Stift zu nehmen. Schenke Dir flotte fünf Minuten, um darüber nachzudenken, wie genau Du eigentlich auf andere wirken möchtest. Schreibe alles auf eine Liste, was Dir wichtig ist. Und dann arbeite die für Dich fünf wichtigsten Punkte heraus. Wähle weise - denn es geht nicht nur um professionelle Darstellung. Sondern auch um Deine Werte und Ziele. 

Was soll beim Teilnehmer "ankommen"?

Was kannst Du aktuell tun, um Deine Wirkung im Videomeeting so zu beeinflussen, dass Du die von Dir erwünschte Wirkung erzielst?

Hier sind Themen wie Gestaltung des Hintergrundes, wohlwollende Ausleuchtung, hochwertige Tonqualität, Dein Lächeln von der ersten Sekunde an und mehr weit vorne im Rennen. Wenn Deine Zuschauer und
-hörer Dich gut verstehen und sehen können, kommst Deine Botschaft einfach besser rüber. Wenn Du dann auch noch echte Begeisterung ausstrahlst, gewinnst Du ihr Vertrauen und ihre Aufnahmebereitschaft. Denn wir alle lernen viel lieber von Menschen, die wir mögen.

Tipp 4 | Was willst Du erreichen?

Bevor Du ins Onlinemeeting gehst, gilt das Gleiche, wie ein einem Präsenzmeeting: Nur wer ein Ziel hat, wird auch einen Weg dorthin finden ... und gehen.

Wenn Du also in ein Videomeeting startest, dann denke vorher zumindest kurz darüber nach, welches Ziel Du erreichen/ welchen Nutzen Du haben willst. Denn das ermöglicht Dir, gezielter auf die für Dich wichtigen Punkte einzugehen. Die richtigen Fragen zu stellen. Die passenden Teilnehmenden einzuladen oder Experten dazuzuholen.

Das lässt Dich in Deiner Außenwirkung kompetenter wirken und zielgerichteter sprechen, fragen und handeln. So stärkst Du Deine Personenmarke ebenfalls weiter. Wer aktuell vor der Webcam einen guten Job macht, hat eben auch gute Chancen, dem Chef oder potentiellen Kunden positiv aufzufallen und sich in Sachen nächster Entwicklungsschritt frisch zu positionieren.  

Sprich Dich gegebenenfalls vorher mit Anderen - beispielsweise einem Co-Moderator - ab. Klärt Eure Konflikte dann, wenn die Kamera aus ist. Vor oder nach dem Meeting.

Bitte Deine Teilnehmenden freundlich-nachdrücklich, Ihre Webcam auch aktiv zu schalten - und sich mit Bild und Ton zu beteiligen. Denn dann bleiben sie wirklich mit dabei. Und Du hast ein sichtbares Feedback in den Gesichtern Deiner Teilnehmenden, auf welches Du auch reagieren kannst. Das verbessert Eure Kommunikation extrem.

Auch Deine "Performance" wird dann deutlich erfolgreicher ausfallen. Kommunikation braucht einfach ein "Gegenüber". Wer nur ins schwarze Loch der Webcam-Linse redet, wirkt weit schwächer und uninspirierter. Erkläre es den Teilnehmenden, dass Du ein "Gegenüber" brauchst, damit das Videomeeting für alle erfolgreich verlaufen kann. Das steigert die Bereitschaft vieler, tatsächlich ihre Webcam zu aktivieren...

Wenn Du souverän in die Köpfe Deiner Teilnehmenden kommen willst, dann setze von der ersten Sekunde an - also noch bevor die Webcam wirklich aktiv wird (!!!) - Dein strahlendes Lächeln auf. 

Denn oft sind wir schon Sekundenbruchteile vorher für andere sichtbar - und schauen dann noch sehr ernst-konzentriert drein. Das wirkt deutlich weniger sympathisch, denn unser "unbewusstes" Gesicht wirkt gerne mal leicht grimmig und abweisend. 

Tipp 5 | Wähle Deine Worte weise...

Konflikte entstehen vor der Webcam leichter, als im Live-Meeting. Ganz einfach, weil eben doch ein paar Teile unserer gewohnten und hilfreichen Kommunikationskanäle fehlen. 

Außerdem ist die Aufmerksamkeitsspanne online noch kürzer, als live. Das sorgt dafür, dass Menschen oft nur Teile des Gesagten aufnehmen. Weil sie - hinter der Kamera - kurz abgelenkt waren.

Wenn Du zu einer gemischten Zielgruppe redest, dann tue es auf einer einfachen Basis. Erkläre Dinge so einfach, wie Du sie Deiner Oma oder einem Kleinkind erklären würdest. Hintergrund: Alles Teilnehmenden kommen von einer unterschiedlichen Wissensbasis. Du darfst sie dort abholen, wo sie stehen.

Und weil fast immer eine Person "so gar keine Ahnung" hat, fange an der Basis an. Dann hast Du schnell alle im Boot und kannst das Niveau steigern.

Verstecke Dich niemals hinter Fachtermini, aufwändigen Grafiken oder zu vielen Fremdwörtern. Denke auch bei gebräuchlichen Abkürzungen daran, diese wenigstens einmal zu erklären. Denn was für Dich selbstverständlich ist, ist es längst nicht für alle Teilnehmenden.

Tipp 5 ½ | Was habe ich heute gelernt?

Halte nach Deinem Videomeeting kurz inne und reflektiere: Was ist heute gut gelaufen - und wo kann ich noch optimieren? Habe ich mein Ziel erreicht? Welcher Weg hat sich als erfolgreich erwiesen, welcher Teilnehmende war womit hilfreich? Wo könnte ich die Teilnehmenden noch mehr aktiv einbeziehen - beispielsweise mit Chat oder aktivierenden Methoden.

Lerne aus Deinem Meeting. Frage die Teilnehmenden - gerne auch in Einzelgesprächen - im Nachgang, wie sie Dich wahrgenommen haben. Denn da hat jeder andere Ansprüche und Vorstellungen. Du entscheidest, welchen Teil des Feedbacks Du für Dich annehmen und umsetzen willst.

Übe Dich vorher im Umgang mit der Technik, die Du einsetzen willst. Ob Whiteboard oder Breakout-Rooms, Umfragen oder Bildschirmteilung: Als Moderator solltest Du Dich damit so gut wie möglich auskennen. Doch es ändert sich aktuell ständig etwas. Daher hat (noch) nahezu jeder Verständnis, wenn mal etwas schief läuft. Deine Teilnehmer übrigens oft deutlich mehr, als Du selbst...
Wenn was schief lief, arbeite das hinterher nochmal auf und finde heraus, wie es beim nächsten Mal besser klappt.

Bei allem Feedback behalte immer in Hinterkopf: Es gibt kein "richtig" oder "falsch". Besser? Geht immer. Doch lobe Dich auch selbst für das, was gut gelaufen ist. Wende Deinen Blick auf das Gute und das Wirkungsvolle. Sei stolz, dass Du Dich getraut hast und wieder ein Stück wachsen durftest...

Was Kamera-Technik, Ton, Licht, Hintergrund, Bildausschnitt und Inhalte angeht, so habe ich einen Merksatz, der an vielen Stellen auch für Dich eine wirksame Entscheidungshilfe sein kann:

So wenig, wie möglich, darf den Teilnehmenden "stören". 

Das meint: Optimiere Dein Video-Setting vor der Webcam so, dass Du damit gut parat kommst und Deine Teilnehmenden Dich störungsfrei sehen, hören und verstehen können. Nicht mehr - aber eben auch nicht weniger. 

Dann machst Du einen seriösen und guten Job, der sich sehr positiv auf Deine Persönlichkeits- oder Unternehmensmarke auswirkt.

Tipp 6 | #IMPERFEKTIONrockt

Das Webcam-Gesetz für Videomeetings
§1 Es geht IMMER etwas schief
§2 Bereite Dich bestmöglich vor - doch lebe entspannt mit §1
§3 Keiner der Teilnehmenden ist Dir grundsätzlich böse gesonnen - verstehe sie als wertschätzende Unterstützer
§4 Niemand weiß, was Du vergessen hast, zu sagen ... also vergiss es
§5 Kenne und beherrsche Deine Technik!  
§6 Sorge für eine gute Bandbreite - also alles ausschalten, was Deine Leitungskapazität anfrisst. Oder mit Hilfe Deines Anbieters optimieren...
§7 Gestatte Dir eine gute Portion Imperfektion und habe so viel Spaß  wie möglich bei dem, was Du vor der Webcam tust! Und dahinter auch.... 😉

Mentorin für bemerkenswerten Auftritte mit Mikrofon, Marker und Deinem individuellen #WOW-Faktor.

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