Was Kunden abschreckt…

Chef brüllt Azubi an

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Vor einigen Tagen ein Telefonat mit einem geschätzten Netzwerkkontakt. Im Hintergrund ziemlicher Lärm. Mein Telefonpartner entschuldigt sich – er habe Handwerker im Haus, die ein undichtes Rohr im Bad austauschen.

Plötzlich ist im Hintergrund lautes Stimmengewirr zu hören. Was ist das? Mein Gesprächspartner klärt mich auf: Es ist der Installateur-Meister, der lautstark seine Auszubildende “zur Schnecke” macht. Wohl schon zum wiederholten Mal. Nach dem Motto: Ich Chef, Du doofer Lehrling. Na, da hat doch einer verpennt, dass die Welt sich weiterdreht. Die Zeiten, in denen der Lehrherr seinen “Stift” angebrüllt und schlecht behandelt hat, sind ja wohl vorbei. Auch Lehrlinge sind Menschen, die eine wertschätzende Behandlung verdienen. Klar können sie zum Ausbildungsbeginn noch längst nicht alles können und auch nicht so “mitdenken”, wie es sich der Handwerksmeister wünscht. Doch ist das ein Grund, im Haus des Kunden so laut zu werden, dass es sogar durchs Telefon hörbar wird? Wohl kaum.

Der Kunde spürt die innere Haltung des Chefs

Ein respektvoller Chef, der seine Auszubildenden für den Beruf begeistern und zu guten Mitarbeitern machen möchte, der klärt Unstimmigkeiten keinesfalls vor den Ohren des Kunden. Sondern in stiller und wertschätzender Weise unter vier Augen. Er markiert nicht “den großen Max” und holt sich sein Ansehen aus der Herabsetzung eines anderen Menschen.

Ein guter Ausbilder nimmt in einer solchen Situation vor allem auch wahr: Wie wirkt mein Verhalten auf meinen Kunden? Was löst es bei ihm aus?
Mein Gesprächspartner jedenfalls sagte mir, dass er diesen Handwerker ganz sicher nie mehr beschäftigen wird. Und keinesfalls eine Weiterempfehlung aussprechen möchte – egal, wie gut die ausgeführte Arbeit am Ende sei. Denn wer seine Mitarbeiter so behandelt, der schüchtert auch seine Kunden ein. Kein Kunde möchte in dieser Form mit dem Handwerker kommunizieren.

Wer also als Ausbilder motivierte und engagierte Auszubildende für sein Unternehmen gewinnen möchte, der hat die Nase vorn, indem er die jungen Nachwuchskräfte von vorneherein als wichtigen Unternehmensbestandteil betrachtet. Indem er Menschen – Kunden wie Auszubildende – mit Wertschätzung behandelt. Wenn über Fehlverhalten auf Augenhöhe geredet und gemeinsam eine Lösung gesucht wird. Ohne dabei zu vergessen, dass ein Lehrling eben noch nicht alles können und wissen kann. Zu oft vergessen Profis ihres Fachs, dass diesen jungen Menschen die Grundlagen fehlen: Warum bedeuten Pünktlichkeit und Ehrlichkeit für einen Arbeitgeber so viel? Warum legt mein Chef Wert auf ordentliche Kleidung und Sauberkeit – vor Ort beim Kunden? Der Übergang aus der Schule ins Berufsleben ist heute viel härter, als Sie es vermutlich selbst erlebt haben. Heute bringen Jugendliche aus Elternhaus und Schule einfach weniger gute Voraussetzungen mit. Doch das ist selten Schuld der Jugendlichen.

Andere Anforderungen an Ausbilder, als früher

Es ist eine wichtige Aufgabe des Ausbilders, dem Nachwuchs zu erklären, warum Dinge im Berufsleben so sind, wie sie sind (hierzu biete ich Ihnen gerne mein Training ”Azubis als Visitenkarte Ihres Unternehmens“ an).  Der Chef unterstützt den Lehrling, indem er ihm die Scheu vor den ersten Kundenkontakten nimmt und ihm beibringt, wie er mit Konfliktsituationen umzugehen hat.

Anstatt die junge Dame aus unserem Beispiel so einzuschüchtern, dass diese vermutlich nie wirklich Spaß an ihrem Beruf entwickeln wird. Und sich seinen Kunden “mit Anlauf” zu verprellen. Wer so arbeitet, wird es in den nächsten Jahren schwer haben. Er wird kaum noch Auszubildende zu finden und den Bestand seines Unternehmens riskieren.

Denn nur aus Wertschätzung entsteht Wertschöpfung.

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