Wie Sie respektvoll Reden halten

Arbeitsplatz für die Vorbereitung von Reden und Präsentationen

Um eine gute Rede zu halten, reicht ein einfacher Tipp:  Halten Sie die Rede so, als wären Sie selbst Ihr Zuhörer. Stellen Sie sich in die Schuhe Ihrer „Gehör-Gäste“ und finden Sie so heraus, was diese von Ihnen erwarten. Dass dieser Tipp bei der Umsetzung ordentliche Vorarbeit voraussetzt, versteht sich allerdings von selbst.

Sprechen Sie MIT den Menschen, statt VOR ihnen zu reden

Beziehen Sie Ihre Zuhörer ein – in Ihre Beispiele, Emotionen und Wahrnehmungen. Lassen Sie Bilder in den Köpfen der Menschen entstehen, machen Sie Geräusche hörbar. Sprechen Sie mehr an, als nur den Hör-Sinn. Um die Menschen zu erreichen ist es von Bedeutung, möglichst anschaulich zu formulieren, statt sich auf abstraktes Wissen zurückzuziehen.

Sie wollen wissen, was ich meine? Ganz einfach – lesen Sie selbst…

Variante 1
Für diesen Kuchen brauchen Sie 2 Bio-Zitronen und 120 g Paniermehl. Zitronen abreiben, auspressen und mit dem Paniermehl vermischen.

Variante 2
Um Ihren Gästen diese schmackhafte französische Kuchenvariante zuzubereiten, wählen Sie bitte zwei glänzende Zitronen (der Glanz macht die Frische erkennbar!) – am besten vom Biobauern Ihres Vertrauens – und waschen sie die sonnengelben Früchte gründlich unter lauwarmem Wasser ab. Danach reiben Sie die Schale vorsichtig über 120 g Paniermehl, welches Sie zuvor selbst aus altbackenen Brötchen gerieben haben. Pressen Sie den sauer-fruchtigen Saft dieser duftenden Zitronen gefühlvoll aus und geben Sie ihn darüber. Vermengen Sie alles gefühlvoll mit ihren gewaschenen Händen.

Klar, Variante 2 braucht mehr Zeit – doch die Geschichte bleibt besser in den Köpfen der Menschen hängen. Sie sehen die von Ihnen „gemalten“ Bilder der Zitrone, schmecken den sauren Saft auf der Zunge und riechen den Duft. Mit den Händen spüren sie den Teig.

Sorgen Sie für Abwechslung in Ihrer Rede

Ihre Wortwahl kann dabei ebenso faszinieren, wie Ihre Stimm-Modulation. Sprechen Sie abwechselnd lauter und leiser, schneller und langsamer. So, wie es ein guter Geschichtenerzähler auch tut. Zitieren Sie aus wörtlicher Rede, dabei dürfen Sie auch mal die Stimme verstellen und den Sprecher nachahmen. Wechseln Sie den Standort – kaum etwas ist schlimmer, als ein Redner, der sich hinter einem Rednerpult „verschanzt“.

Reden Sie für Oma Gertrud aus Korschenbroich

Diese alte Dame begegnete mir in meinem Volontariat. Mein Chefredakteur vermittelte uns anhand dieser eher einfach denkenden Seniorin, dass wir niemals zu viel voraussetzen dürfen, wenn wir Texte verfassen. Das gilt auch für Ihre Rede: Formulieren Sie sie so, dass auch Ihre eigene „Oma Gertrud“ Ihnen folgen könnte. Wählen Sie einfache, deutsche Begriffe. Bilden Sie kurze Sätze. Erklären Sie Fachtermini und benutzen Sie nur Abkürzungen, deren Bedeutung Sie auch umgehend erklären.

Erzählen Sie Geschichten

Jeder von uns hat es geliebt, wenn ihm als Kind eine spannende Geschichte erzählt wurde. Das ändert sich auch bei erwachsenen Menschen kaum. Allerdings sind die Geschichten eine Märchen mehr, sondern charmant verpackte fachliche Inhalte. Im Rahmen der Rednerausbildung spricht man vom „Storytelling“ als modernste Form guter Vorträge. Und wenn Sie genau hinhören, dann finden Sie eine Menge guter Story-Teller. Vor allem unter Ihren eigenen Kindern. Auch diese wollen uns mit ihren blumigen Geschichten oft etwas „zwischen den Zeilen“ erzählen.

Eine gute Geschichte – Sie kennen das gewiss noch aus der Schule – lebt von Einleitung, Hauptteil und Schluss. Besonders elegant ist es, wenn die Einleitung neugierig macht und die eigentliche Auflösung erst am Schluss erfolgt. Wenn Sie das einmal am praktischen Beispiel sehen wollen, dann empfehle ich Ihnen www.ted.com. Ich persönlich mag besonders Ken Robinson in seiner Rede „Schule tötet Kreativität“ (school kills creativity).

Sprechen Sie frei – möglichst ganz ohne Manuskript

Auch das ist ein Vorteil eines Vortrags, der eine Geschichte erzählt: Sie können ihn sich selbst viel besser merken. Denn er ist mehr, als eine Aneinanderreihung von Fakten. Ihre Rede lebt von dem Kontakt, den Sie zum Publikum halten. Das gelingt Ihnen umso besser, je weniger Sie auf Karten, Manuskript oder Präsentation schauen müssen. Schauen Sie Menschen direkt an oder leicht über deren Köpfen hinweg. Lassen Sie den Blick schweifen, so dass sich jeder im Publikum hin und wieder einmal direkt angesprochen fühlt. Lächeln Sie und zeigen Sie Emotionen auf Ihrem Gesicht. Bewegen Sie sich – in Maßen und stellen Sie sich bitte nie hinter ein Rednerpult. Das erzeugt nämlich automatisch einen Abstand, eine Barriere und mindert den Erfolg Ihrer Worte.

Reden Sie angemessen

Seien Sie authentisch. Sprechen Sie Ihre Sprache – doch nehmen Sie dabei eben auch angemessene Rücksicht auf Ihre Zuhörer. Lassen Sie den Gastgeber in einem guten Licht erscheinen und fallen Sie niemals aus der Rolle. Lassen Sie sich in keiner Form provozieren, sondern reagieren Sie souverän und ruhig. Überlegen Sie sich vorab, wie Sie mit Zwischenfragen, Einwürfen oder Angriffen umgehen werden. Und achten Sie auf Ihr Zeitmanagement: Nichts ich schlimmer, als eine Rede, deren Dauer mit 5 Minuten angekündigt wurde und die das 15 Minuten dauert. Das ist respektlos gegenüber dem Publikum.

Üben Sie daher Ihre Rede vorher mehrfach – dann wissen Sie, wie viel Zeit Sie wirklich benötigen und wie Sie Ihre Höhepunkte am besten präsentieren. Bringen Sie die Menschen zum Lachen und bitte…bleiben Sie bitte immer ein wenig un-perfekt. Denn eine perfekte Rede ist aalglatt, eine „eckige“ hingegen verankert sich in den Köpfen der Menschen.

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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