Storytelling – unsere Eltern haben´s schon gewusst!

Nasser Schuh voller Lehm

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Mein Beitrag zur Blogparade
“Are we all storytellers?”
von Caroline Kliemt – die Reichweite…

Seit Tagen kribbelt es mir in den Fingern, bei dieser Blogparade dabei zu sein. Doch irgendwie war der rechte Zeitpunkt noch unerreicht und der Aufhänger ließ sich suchen. Eben, sozusagen “kurz vor knapp”, fuhr ich zum Einkaufen. Und auf einmal fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mein Auto ist mein Aufhänger.

Soso – wie kriegt die denn jetzt die Kurve zum Storytelling, fragen Sie sich jetzt? Nun, so schwer ist´s nun auch wieder nicht. Haben Sie schon mal in einem deutschen Autohaus ein nigelnagelneues Auto gekauft? Sollte jeder mal machen, denn dabei kann man(n) wie frau viel zum Thema “wie ich mit Geschichten überzeuge” lernen. Seien wir doch mal ehrlich: Klar, wir haben eine Idee, wie unser nächster Wagen aussehen und was er so mitbringen solle – an Pferdestärken, Lackfarbe, Ausstattung und Image. Meist ist unsere Vorstellung da allerdings nur bedingt deckungsgleich mit dem verfügbaren Budget. Unser Traumauto ist irgendwie immer deutlich teurer, als der Kreditbetrag, den unsere Hausbank zu bewilligen bereit ist.

Warum wir gerne auf Autoverkäufer “hereinfallen”…

Und da kommt der Autoverkäufer ins Spiel. Er will uns überzeugen, doch das bessere – weil teurere und damit für ihn provisionär deutlich attraktivere – Fahrzeug zu erwerben. Und schwupps steigt er ein ins Storytelling. Er beschreibt das Fahrzeug in emotionalen Bildern statt uns mit hartem Faktenwissen über Ausmaße, Füllmengen und Kofferraumvolumen zuzuballern. Er erzählt uns Geschichten, die wir mit diesem tollen Auto erleben werden. Er führt und durch seinen Ausstellungsraum und lässt uns mit fünf Sinnen erleben, dass unser Traumwagen einfach einen besseren Türsound (Sie wissen schon, wenn man mit in schickem Anzug und mit elegantem Schwung die Türe vor dem hippen Café zuwirft), den cooleren Auspuffsound, das haptisch (= mit den Fingern begreifbare) ansprechendere Material für das Armaturenbrett besitzt. Und erst das Lenkrad. er fordert uns auf: “Greifen Sie mit den Händen mal zum Volant (= Lenkrad) und fühlen Sie dieses edle Leder – handvernäht natürlich (von schlanken Blondinen mit großer Oberweite…okay, das war jetzt ein Tagtraum männlicher Autokäufer…)!”

Er begleitet uns mit seinen Worten auf die erste Ausfahrt mit dem neuen chrom-glänzenden Automobil, dessen Lack die Sonne spiegelt. Bei dem “Carglass” an der Frontscheibe auch mit dem Spezialharz HPX3 keinerlei Angriffspunkt für nervige Werbung fände. Und bei dem der Arbeitskollege/ Nachbar/ die Zweitfreundin höchst begehrliche Blicke aussendet.

Er (ver-)führt uns geschickt und bestens geschult in die Welt des “habeichschongekauft”. Und wir? Wir fühlen genau, wie es ist, in diesem neuen Auto zu sitzen. Das empfinden wir als so angenehm und begehrenswert, dass wir lieber den Dispo bis ins letzte ausreizen, als auf dieses Wohlgefühl künftig verzichten zu müssen. Kurzum: Wir kaufen dem schmierigen Typ das (für uns zu) teure Auto ab. Weil er uns auf der Ebene von Emotion, Begierde und mit fünf Sinnen “abgeholt” hat. Weil er unser Belohnungszentrum im Gehirn erreicht hat.

Tja – und genau das passiert auch bei gutem Storytelling. Statt Menschen mit langweiligen Präsentationen zu quälen, die vor Faktenwissen überquellen, erzählen gute Redner gute Geschichten. Und lassen die Zuhörer das Erzählte miterleben. Sie lassen sie durch Höhen und Tiefen gehen und so – quasi nebenbei – etwas “lernen”:

Das haben unsere Eltern auch schon mit uns gemacht. Denn Sie haben unterbewusst wahrgenommen: Kinder verstehen Geschichten besser, als Worte. Kommen dann noch Emotionen hinzu, erreiche ich mein Ziel viel leichter und nachhaltiger.

“Lernen” funktioniert umso besser, desto mehr Sinne aktiv angesprochen werden

“Iss nicht so viel von dem Eis, das gibt nachher böses Bauchweh! Und dann musst Du heute Abend früh ins Bett, damit Du morgen fit für Fußballtraining/ Tanzkurs/ Kindergeburtstag bist”. Jedes Kind kennt das Gefühl von Bauchweh und weiß, dass das höchst unangenehm ist. Früh ins Bett müssen, ebenfalls. Und am Folgetag auf etwas verzichten, was man gerne möchte? Total blöd.

Dabei haben die Eltern “nur” eine Geschichte erzählt. Diese wirkt allerdings langfristig. Kaum jemand bestellt heute mehr als vier große Kugeln Eis auf einmal und futtert sie in sich hinein.

Geschichten wie diese sind also quasi die Entstehungsgeschichte unserer “Glaubenssätze”. Wir übernehmen – oft sogar ohne Überprüfung – das vermeintliche Wissen anderer in unseren Wissensspeicher. Der Grund ist einfach: Unser Gehirn, das wissen wir dank moderner Hirnforschung heute, nimmt Bilder (= Geschichten) viel leichter auf, als Worte. Denn unser Bildergehirn existierte schon lange, bevor wir uns mittels Sprache verständigten. Wenn uns also jemand Zahlen und Fakten zeigt oder aufzählt, müssen diese auf dem Weg ins Hirn erst noch “übersetzt” werden, bevor sie am richtigen Ort abgelegt werden. Bilder hingegen finden viel schneller ihren Ablagekorb und können auch in höherem Tempo dort wieder abgefragt werden. In Verbindung mit Emotionen, Geräuschen und weiteren “merkwürdigen” Details bleiben sie sogar noch besser haften.

Glaubenssätze können Leben prägen – und verändern!

Dabei kann es sogar sein, dass so eine Geschichte aus gutem “Storytelling” inhaltlich falsch ist. Wir wollen sie eben nur glauben, weil sie so gut vorgebracht wird: Ich jedenfalls habe auch nach fünf Kugeln Eis bis heute niemals Bauchschmerzen bekommen. Und gehe danach am nächsten Tag – ohne frühen Gang ins Bett – noch zum Tanzen. Manchmal ist es daher sinnvoll, eigene “Grenzen” zu hinterfragen und neu zu formulieren. Und damit unsere Komfortzone mutig zu erweitern.

Gut erzählte Geschichten können also nachweislich faszinieren, überzeugen, motivieren, begeistern und uns neue Wege bereiten. Lassen Sie in Ihren Worten Bilder sprechen!

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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