Selbstoptimierung – Wahn oder Sinn?

Auszeit

Also ehrlich – die Strandfigur ist schon bald wieder gefragt!

Bei Ihren Inneren Werten sehe ich ebenfalls Handlungsbedarf. Wie beliebt sind Sie bei Ihren Kollegen? Wie hoch ist die Wertschätzung durch Ihren Chef? Wann haben Sie zuletzt Ihrem Partner „Ich liebe Dich!“ gesagt – und dabei tief in die Augen geschaut? Die Leistungen Ihrer Kinder anerkannt? Der Nachbarin geholfen?

So, jetzt haben Sie vermutlich erst einmal kein so wirklich gutes Gefühl. Sie fühlen sich „betroffen“. Weil Sie meinen, dass Sie mehr für sich tun oder besser an sich arbeiten könnten.

Wertschätzung für das, was da ist…

Na, dann komme ich Ihnen jetzt mal mit einer guten Nachricht: Es geht auch ohne Selbstoptimierung. Generationen vor uns haben eine Welt geschaffen, die uns in weiten Teilen lebenswert erscheint. Ohne Computer sind große Konzerne zu Weltruhm gelangt. Es gab Plakatwerbung. Wir gingen in den Sportverein oder „um den Block“, statt in ein hippes „Gym“. Unsere Autos haben wir selbst geparkt, gebremst und gelenkt.

War die Welt schlechter? Auf gar keinen Fall. Wir haben uns an dem gefreut, was wir hatten – statt uns nach immer mehr, immer besser, immer teurer zu sehnen.

Computer machen uns schneller

Technischer Fortschritt hatdafür gesorgt, dass wir zunehmend danach gieren, alles perfekt zu machen. Computer machen unsere Arbeit schneller, hieß es. Doch es stellte sich heraus: Sie machen sie optisch schöner – doch schneller? Nein. Zu Beginn erlebten wir Abstürze, technische Pannen und Nachschubprobleme. Die später dann eingesparte Zeit haben wir umgehend investiert, die Dinge „schöner“ zu machen. Farben, Bilder, Grafik – die Optik bekam eine immer stärkere Rolle. Tja – und das auch in Bezug auf uns Menschen. Alles muss immer schöner werden….- also her mit der Selbstoptimierung.

Machen, was machbar ist

Mit Excel & Co. können Ergebnisse – und Menschen – optimal geplant, gemessen, kontrolliert und überwacht werden. Wir erstellen Unmengen Tabellen, Grafiken und Vorstandsvorlagen, ohne deren wirklichen Nutzen in Frage zu stellen. Weil wir es KÖNNEN, TUN wir es auch.

Die Medizin macht mittels bildgebender Verfahren vieles sichtbar. Ja, wir sind früher auch früher gestorben – doch eben oft auch mit mehr Würde. Heute transplantieren wir neben Lunge und Herzen eben auch mal flugs ganze Hüften oder gar Gesichter. Von Botox, Lidstraffung und Zahnbleaching mal abgesehen. Wir lassen uns einreden, dass wir „perfekt“ sein könnten. Und optimiert werden müssen.

Druck-Medien + Medien-Druck

Mittlerweile gibt es eine nahezu unüberschaubare Medienlandschaft. Die ständig den „Druck“ auf uns erhöht. Denn die Werbung arbeitet längst auf unterbewusster Ebene mit allen Tricks, unser Gehirn zu manipulieren. Damit wir mehr konsumieren. Um die an anderer Stelle entstandene Leere zu kompensieren.

Ich saß vor Jahren mal beim im Wartezimmer bei meinem Augenarzt. Ich konnte zwei älteren Damen – sicher um die 75 Jahre alt – lauschen. Die sich darüber unterhielten, wie die „Frauenzeitschriften“ seit ihrem Erscheinen beständig den Druck auf junge Frauen erhöhen, ihr Aussehen zu optimieren. Schnell musste ich ihnen Recht geben: Im Frühjahr die Diäten, im Sommer die Strandfrisur, im Herbst die Erhaltung der Sommerbräune und im Winter die richtige Pflege wintergeplagter Füße. In allen Jahreszeiten natürlich ergänzt um das vorgegebene Modediktat. Dazu Rezepte für perfekte Backwaren, Dekorationen für die perfekten Parties und jede Menge Tests zur Feststellung unserer eigenen „Perfektion“. Überall dort empfinden wir die eigene Unzulänglichkeit…und den Zwang zur Selbstoptimierung.

Selbstoptimierungs-Falle

Wir tappen in die Selbstoptimierungs-Falle. Weil uns im Alltag überall Perfektion begegnet. Längst sind die Models auf Plakaten „gephotoshoppt“ und Menschen in Filmen so perfekt geschminkt, dass sie beim Gang zur Mülltonne kaum mehr erkannt werden können. Und wir? Wir fühlen uns unzulänglich. Wir haben das Gefühl, den Trends hinterherzuhecheln – und doch nie die gerade gefragte Perfektionsstufe zu erreichen. Wir empfinden unglaublichen Druck, immer schön, vermögend, erfolgreich und beliebt sein zu müssen. Und opfern unsere wertvolle Lebenszeit der Selbstoptimierung.

Loslassen schafft Erleichterung

Darf ich Sie motivieren? Gestehen Sie anderen Menschen in keiner Weise zu, über Sie zu urteilen. Diese leben ihr eigenes Leben – und haben daher einen ganz anderen Blickwinkel. Nur Sie selbst sind dafür verantwortlich, was Sie aus Ihrem Leben machen. Dafür, was Sie zulassen.

Ich möchte Sie einladen, loszulassen. Sie sind ein toller Mensch. Sie sind perfekt – auf Ihre ganz eigene Art. Sie haben einen ganz besonderen Platz in dieser Welt – und genau da sind Sie richtig. Ob mit Übergewicht, Pubertätspickeln, Hornhaut an den Füßen oder einem ganz speziellen Musikgeschmack.

Klar dürfen wir Dinge an uns verändern. Das macht Sinn. Doch bitte nur dann, wenn wir es auch wirklich selbst als zielführend erachten. Sich zu verbessern ist gut, denn es geschieht von unten (besser als jetzt) nach oben (perfekt). Sich zu optimieren ist hingegen doof. Denn da orientieren wir uns von oben (perfekt) nach unten (kann ich das überhaupt schaffen?).

Ändern Sie sich niemals, weil andere es Ihnen aufdrängen. Denn Ihre Mitmenschen verfolgen dabei ein egomanes Ziel: Wir sollen uns schlechter fühlen. Und deswegen mehr um sie buhlen. Oder schlicht: Mehr einkaufen – für ein…

…kurzes Glücksgefühl

Es macht viel glücklicher, bei sich selbst zu bleiben. Sich an dem zu freuen, was DA ist. Statt sich nach mehr zu sehnen. Ich selbst sein, statt Energie in sinnlose Selbstoptimierung zu stecken.

Ganz ehrlich: Sie sind viel liebenswerter, wenn Sie sich mit wonnigem Lächeln einen Riegel Schokolade auf die Hüften zaubern, statt hungerharkig in einem Salat zu stochern. Sie wirken viel anziehender, wenn Sie laut loslachen, statt verschämt zu kichern. Und wenn Sie auch mal Dinge wagen, die Ihre eigene Komfortzone über ihre Grenzen bringen. Denn daraus entsteht pure Lebensfreude.

Mut macht glücklich. Zum „Anders-„Sein gehört Mut. Fazit: Anderssein macht glücklich. Wenn wir zu uns selbst stehen.

Leben Sie Ihr Leben. Mit Respekt vor sich selbst.
Denn Sie haben nur dieses eine – und das ist viel zu schnell vorbei!

 

PS: Sie haben bereits Ihre ganz persönliche Strandfigur – und die dürfen Sie auch zeigen. Wenn andere dann mit dem Finger auf Sie zeigen, dann lachen Sie entspannt. Denn diese Menschen haben wirklich einen Grund, ihr Verhalten zu optimieren…

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Ich mache Unternehmen mit der R³Haltung erfolgreicher. Indem ich dafür sorge, dass Mitarbeiter Höchstleistungen bringen können - und wollen. Davon profitieren alle: Kunden, Unternehmen und Mitarbeiter.

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