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Strähnchen färben

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Denn neben mir saß – im über Mittag leeren Salon – eine Kundin unter der Wärmehaube. Die wohlverteilten Alufolienpakete auf ihrem Kopf zeigten: Hier gibt es offenbar frische Strähnchen ins Haar. Und weil die Wartezeit in der Wärme eben eine Zeit dauert, telefonierte sie. Mit Karsten…

Schonungslose Offenheit

Derweil saß ich – mit Wimpernfarbe und Wattepads auf den Lidern – wenige Meter weiter „entspannt“ in meinem Stuhl. Für ganze 15 Minuten. Es war unvermeidlich, dem Gespräch zu lauschen. Denn es war laut. Sehr laut. Jedes Wort deutlich vernehmbar. Darunter so gut wie keine Information, die für fremde Ohren bestimmt gewesen sein dürfte. Die Dame hat offenbar einen noch recht neuen Freund. Nennen wir ihn Berthold. Der hat zwei Kinder. Und ein Haus. Und eine zukünftige Ex namens Elke.

Schwupps, da wußte ich schon weit mehr, als ich je wissen wollte…

Dreiecksbeziehung

Berthold lebt in Scheidung von Elke. Beide bewohnen ein 400 m²-Haus, welches aktuell in „Oben“ – dort wohnt Elke – und „Unten“ – dort wohnt Berthold, geteilt wurde. „Wie bescheuert ist DAS denn? Das funktioniert nie!“, grummelte die Kundin.

Karsten atmete beschwichtigend.

Sie:„Der ist ja so dämlich zu glauben, er könne das Haus – gerade mal zwei Jahre alt – auf Dauer halten. Er soll die Hütte doch besser der blöden Ziege (damit war Elke gemeint) überlassen. Soll die doch damit klarkommen“.

Karsten räusperte sich – zu Wort kam er nicht.

„Die dumme Kuh hat sich sogar erdreistet, in Dessous durchs Erdgeschoss zu laufen und dabei ihr Handtuch fallen zu lassen. Was sollte DAS denn für ´ne Nummer werden?“, ätzte jetzt die Sprecherin. Es folgte der Gipfel in Ihren Augen: „Vor einigen Tagen hat die zudem am Telefon zu Berthold – der gerade bei mir war und mit mir kuschelte – gesagt, er solle heute Nacht keinesfalls nach Hause kommen. Sie hätte Besuch.“

Ihre Stimme wurde noch schriller. Karsten fehlten offenbar die richtigen Worte.

Da würde ich jetzt doch gerne mehr erfahren…

Stiefkinder

Und schon ging es um die „Blagen“. Die beiden vier- und sechsjährigen Kinder von Berthold und Elke. „Die mögen mich überhaupt nicht. Weil die – ach so tolle – Mutter denen immer erzähle, ich sei ja total doof. Die findet das echt sch…., dass die mich jetzt immer treffen müssten. Was ihr Vater wohl an mir fände…!“

Sie giftete: „Die mögen den neuen Freund von der echt gerne. Klar, der fährt mit denen ja auch immer auf Kurztrips. Das kann Berthold sich nicht leisten, weil es an allen Ecken am Geld fehlt. Sogar für mich gibt der nix aus. Zum Kotzen.“

Immer wieder verfiel das Gespräch in die Fäkalsprache. Und dann ging es noch darum, auf was sie deswegen alles verzichten müsse…

Ich – Mich – Mir

Hatte ich erwähnt, dass Karsten nicht zu Wort kam?

Weißt Du, was das Schlimmste ist? Niemand interessiert sich für mich! Es geht immer nur um Geld, Haus, Kinder, Besuchszeiten oder die Autos. Nie um mich.“ – wurde ihre Stimme  weinerlich. „Keiner fragt mal, wie es mir bei der ganzen Sch….. geht! Dabei habe gerade ich doch so viel um die Ohren!“

Karsten sagte wieder – nichts.

Warum?

Ich war geschockt. Diese Frau hat alle Regeln der Manipulation drauf: Wortwahl, Sprache, Tonlage, Inhalt. Und die des Anstandes vergessen. Diskretion? Fremdwort! Sie hat heute Mittag hat sie ihren vollgesogenen Jammerlappen mitten im Salon ausgewrungen. Aus jedem ihrer Worte tropfte hochkonzentriertes Selbstmitleid. Liebe, Wertschätzung oder Achtung? – Fehlanzeige. Stattdessen Spott, Missachtung und Häme.

Achtung, Würde, Wertschätzung

Ich erlebe häufig Menschen, die gerade am Mobiltelefon vergessen, dass sie alles andere als alleine sind. Im Zug. Am Flughafen. In der Warteschlange des Supermarktes. Menschen, die Details, Namen, Intimitäten, Geheimnisse und schäbige Worte in die Öffentlichkeit tragen. Oft übrigens auch OHNE Mobiltelefon am Ohr. Die sich sich dabei in keiner Weise bewusst sind, welches Weltbild sie transportieren – und wie sie auf Andere wirken. Wie wenig sie ihren Mit-Menschen auf Augenhöhe begegnen und wie respektlos sie sich ihrer Umwelt gegenüber verhalten.

Die sich andererseits wundern, warum ihr Umfeld ihnen so wenig Respekt zollt. Warum nur wenige Menschen Zeit mit ihnen verbringen wollen. Warum das Leben sie so schlecht behandelt.

Respektvoller Umgang

Wie sieht das bei Ihnen und in Ihrem Umfeld aus?

Mit wem tauschen Sie sich aus, wenn Sie Probleme mit etwas oder jemandem haben? Mit einem guten Freund oder einer Freundin vermutlich. Wer die nicht hat, der bezahlt einen Therapeuten oder Coach dafür. Geben Sie solche Informationen in der Öffentlichkeit preis? Ist Ihnen bewusst, was Sie damit über sich selbst aussagen?

Schreiben Sie mir bitte: Wann haben Sie sich über Mitmenschen geärgert – und wie haben Sie sich selbst in diesem Moment verhalten? Oder welche ähnliche Situationen Sie selbst schon erlebt haben.

Gerne sammele ich hier auch pfiffige „Entgegnungen“ gegenüber aufdringlichen Telefonierern wie beispielsweise: „Könnten Sie bitte bitte den letzten Satz nochmal wiederholen? Ich habe ihn nicht verstanden!“

„Respekt fängt immer bei uns selbst an. Wer ihn gibt, bekommt ihn zurück. Denn Respekt ist das Schmiermittel, welches in unserer Gesellschaft die Reibungsverluste reduziert.“

 

 

Mentorin für bemerkenswerten Auftritte mit Mikrofon, Marker und Deinem individuellen #WOW-Faktor.

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