Wie entsteht Unternehmenskultur?

Bücherwand als Ordnungs-Sinnbild

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Geschäftsfeld

In welchem Bereich ist Ihr Unternehmen tätig? Jede Branche und Unternehmensgröße, jeder Standort und auch die Tatsache ob beispielsweise Produktions- oder Verwaltungsbetrieb – alles das hat Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Unternehmenskultur. Manche Geschäftsfelder sind notgedrungen stärker hierarchisch organisiert, als andere. Es herrscht deshalb auch eben ein anderer Umgangston in einem Automobilwerk als in einer Werbeagentur. Arbeitszeiten und Arbeitsorte, Materialien und Lagerkapazitäten – alles das spielt eine Rolle in einem Unternehmen. Und trägt so zur Entwicklung der unternehmensspezifischen Kultur bei.

Persönlichkeiten

Sie kennen den Satz: „Der Fisch stinkt immer vom Kopf!“. Als Beraterin weiß ich, dass das für die meisten Unternehmen zutrifft. Wie oft ruft mich ein Chef, weil seine Mitarbeiter in seinen Augen zu unproduktiv sind. Und dann stellt sich heraus, dass gerade der Auftraggeber eine so komplexe Organisation angeordnet hat, dass mehr Effizienz in diesem Umfeld unmöglich scheint. Oder dass er selbst sich so respektlos verhält, dass er sich über die mangelnde Wertschätzung seiner Mitarbeiter kaum zu wundern braucht.

Praxisbeispiel

Ich hatte – gemeinsam mit meinem Partner – vor einigen Jahren ein Training bei einem kleinen Mittelständler in Köln. Wir sollten zwei Schulungen für je 12 Mitarbeiter zum Thema „Zeitmanagement – Organisation – Struktur“ durchführen. Schon in der ersten Gruppe stellte sich heraus, dass der Chef es liebte „eMail to everyone“ schrieb. Wenn er etwas mitzuteilen hatte, dann landete alles, was ihm in den Sinn kam, in einer einziger eMail

– Termin für die Weihnachtsfeier
– Info über eine wichtige juristische Änderung
– Termin für eine anstehende Versammlung
– Anschiss für einen Kollegen, dem ein Fehler unterlaufen war
– Bestellung eines Blumenstrausses für eine Kundin u.v.m.

Veränderungsbereitschaft

Sogar der Tauchurlaub mit der als designierte Nachfolgerin im Unternehmen arbeitenden Tochter wurde hier per eMail abgestimmt. Diesem Kunden war es schlicht zu mühsam sich zu überlegen, welche Info für wen wichtig ist. Und dann getrennte Mails für die einzelnen internen „Zielgruppen“ zu versenden. Also erhielten alle Mitarbeiter die gleiche Mail.

Wir haben unserem Auftraggeber dann respektvoll vor Augen geführt, was das mit den Mitarbeitern „macht“. Und dass er mit dem zeitlichen und finanziellen Aufwand, den ER auf diese Weise verursacht, locker eine weitere Vollzeitkraft anstellen könnte. Doch das wollte er nicht. Er wollte keine Veränderung. Und so blieb am Ende – alles beim Alten.

Oder es wurde ein Inhouse-Training gebucht, bei dem das Team darauf eingeschworen werden soll, von der Leitungsebene formulierte Ziele zu erreichen – ohne aus den Betroffenen (Mitarbeitern) Beteiligte (motivierte Persönlichkeiten) zu machen. Manchmal sind die grundlegenden Ziele oder die Unternehmensstrategie nicht einmal offen kommuniziert… Kein Wunder, dass das dann nix wird mit der Zielerreichung, oder?

Die Art der Führung und die Personen, die diese Verantwortung tragen, schaffen einen „Geist“ des Unternehmens, der für alle sichtbar wird. Potentielle Mitarbeiter spüren am Umgang mit ihrer Bewerbung oder am Vorstellungsgespräch, ob es angenehm wäre, in diesem Unternehmen zu arbeiten. Potentielle Kunden fühlen schon an der Begrüßung, ob sie willkommen sind. Wichtig ist die Achtsamkeit im Miteinander und die Offenheit, die Dinge auch anzusprechen.

Leitlinien

Wenn Firmen merken, dass intern etwas schief läuft, werden gerne mal flugs ein paar schicke Leitlinien formuliert. Diese werden dann auf edle Poster gedruckt, die dann überall im Unternehmen an den Wänden aufgehangen werden. Damit die Mitarbeiter sie stets vor Augen haben und umsetzen. Da steht dann schon mal gerne: „Der Kunde steht bei uns mit Mittelpunkt!“. Doch was bedeutet das eigentlich? Und warum nimmt sich der Chef oft selbst wichtiger, als den vor ihm stehenden Kunden?

Mir ist oft aufgefallen, dass in der Führungsetage – also da, wo die dicken Teppiche liegen und die Vorzimmerdamen dezent ihre Arbeit verrichten – nur höchst selten solche Poster zu finden sind. Dabei sollten doch gerade die Führungskräfte sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und diese aktiv leben.

Unternehmens-Kultur

Unternehmensgeschichte

Deutschland hat eine lange Unternehmensgeschichte. Firmen existieren schon über hundert Jahre und somit tragen sie die Spuren der Zeit in ihrer Unternehmenspersönlichkeit. Oft wird dann mehr Wert auf Traditionen gelegt. Das gestandende Team meint, schon alles mitgemacht zu haben. Doch Veränderungen passieren oft subtil. Es braucht Offenheit, diese wahrzunehmen und zu nutzen. In Traditionsbetrieben werden Innovationen gerne in Seelenruhe durchdacht – und erst danach bewusst umgesetzt. Hier gibt es mehr Zeit für Innovationen, weil eben nicht jedem erstbesten Trend gefolgt wird. Doch das birgt auch die Gefahr, wirklich bedeutsame Neuerungen zu verschlafen. Und es schreckt junge Fachkräfte ab, die sich in und mit einer Firma weiterentwickeln wollen. Ideale Teams bestehen nämlich aus einer gesunden Mischung zwischen „altem Hasen“ und „jungem Hüpfer“.

Ich stelle immer wieder fest, dass Unternehmen mit mehr als 15 Bestandsjahren von ihren Gründern auf besondere Weise geführt werden. Für die Gründer sind ihre Firmen wie Babies. Die unter Schmerzen und mit viel Energieaufwand geboren und aufgezogen wurden. Die ihnen wirklich am Herzen liegen. Und die am besten immer so bleiben sollten, wie sie vom Gründer geschaffen wurden.

Doch die Entwicklung geht rasant weiter – und so werden auf diese Weise oft wertvolle Neuerungen in geschäftsschädigender Weise verzögert. Es werden technische Helferlein verweigert. Es werden innvovative Denkansätze im Keim erstickt (noch heute höre ich gelegentlich sowas wie: „Internet? Das brauchen wir nicht!“). Und es werden potentielle Nachfolger so „klein gehalten“, dass diese abspringen, bevor sie die Zügel in die Hand nehmen dürften. Das gilt übrigens vor allem dann, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin aus der eigenen Familie stammt.

Weil die Gründer nur schlecht „loslassen“ können. Das ist ja auch irgendwie verständlich, oder? Dennoch gefährdet es immer öfter die Zukunft des Unternehmens. Es macht den Fortbestand immer schwerer.

 

Welche Brille ist gemeint?

Kommunikation

Wir können selten benennen, warum wir uns wohl oder unwohl fühlen. Doch unser Körper ist zuverlässig. Wir bemerken in einem Unternehmen schnell, welcher Geist dort herrscht. Denn wir spüren die Schwingungen und nehmen wahr, wer mit wem reden „darf“ und wie die Mitarbeiter und auch Chefs miteinander umgehen. Wird gelacht? Geht es auch mal um privatere Themen? In welchem Tonfall, welcher Lautstärke und mit welchen Worten wird kommuniziert? Wie gehen die Menschen mit Reklamationen oder Konflikten um? Wer redet mit wem?

Seien Sie sich bewusst, dass alles eine Aussage trifft, die für andere Menschen sicht- und spürbar wird. Also gestalten Sie Ihre Unternehmenskultur bewusst. Leben Sie diese vor und laden Sie Ihre Mitarbeiter ein, selbst ihren beitrag zu leisten. Denn das stäkt die Identifikation mit dem Unternehmen. Das zieht Kunden an und hält gute Leute im Team.

Welche Aussage wollen Sie für Ihr Unternehmen treffen?

 

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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