Respekt kann auch zur Farce werden…

Schreibtisch einer Sekretärin - gebaut aus Holz für ein Kaninchen als Spielzeug

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Im Frühjahr heißt es in vielen Unternehmen wieder: Gespräche zwischen Chef und Mitarbeitern stehen an, in denen es um die Leistungsbeurteilung und die anzuvisierenden Ziele geht. Und weil diese Gespräche ja sensible Themen beinhalten, werden die Chefs in Trainings darauf vorbereitet, die Gespräche angemessen zu führen. Klar, ein unsicherer Chef kann da viel falsch machen und da macht eine gute Vorbereitung Sinn. Doch manchmal führt das Ergebnis eben auch am Ziel vorbei.

Zielstandsgespräche können respektvoll verlaufen

Vor einigen Tagen erzählte mir meine Freundin Susanne, dass sie mit ihrem Chef einen Termin für ein Zielstandgespräch gehabt hätte. Ein ironisches Schmunzeln in ihrem Unterton forderte mich auch, nachzufragen, wie es denn wohl gelaufen sei…

Zunächst sollte der geneigte Leser wissen, dass Susanne schon einige Jahre in diesem Unternehmen der Dienstleistungsbranche arbeitet. Es ist ein großes Unternehmen und ihr Chef hat rund 20 Mitarbeiter zu führen. Er hat also schon das eine oder andere Beurteilungsgespräch hinter sich und natürlich auch mit schöner Regelmäßigkeit Führungskräftetrainings besucht.

Susanne ist in ihrem Job schon seit geraumer Zeit unglücklich, weil eine Mitarbeiterin sich trefflich auf Mobbing versteht. Auch wenn es sich bislang nie direkt gegen Susanne gerichtet hat, so spürt meine Freundin jedoch, dass “die Chemie nicht stimmt” in ihrem Team. Das geht so weit, dass Susanne sogar schon über eine Kündigung nachgedacht hat. Bislang hat nur die Tatsache, dass sie alleine lebt und zu viel Zukunftsangst hat, sie davon abgehalten.

Kann man Diplomatie lernen?

Susannes Chef nun also – gut geschult, wie er nun einmal ist – eröffnete das Gespräch mit freundlichen Worten. Dann bat er meine Freundin, sich einmal selbst einzuschätzen, wie ihre Leistungen im abgelaufenen Jahr denn aus ihrer Sicht einzuschätzen sind.

» Hierbei handelt es sich um einen cleveren Schachzug, bei dem der Chef seine eigene Einschätzung noch einmal revidieren kann, wenn die Mitarbeiterin ihm im Gespräch noch wichtige Zusatzaspekte zum eigenen Wissenstand verschafft. Zudem vermittelt er der Dame das Gefühl, dass ihre Meinung zu diesem Thema ihm wichtig sei….im Sinne von Wertschätzung…«

Susanne formulierte die Inhalte, die aus ihrer Sicht wesentlich sind, um ihre Leistungen beurteilen zu können. Sie informierte den Chef zudem zum wiederholten Mal, dass eine Kollegin das Klima im Team negativ beeinflussen und damit die Arbeitsleistung des Teams insgesamt minimieren würde. Der Chef hörte sich das geduldig an.

» Taktischer Schachzug: Zuhören suggeriert dem Mitarbeiter, dass dieser dem Chef wichtig ist…«

Zuhören bedeutet Wertschätzung

Danach gab der Chef – in epischer Breite – seine Einschätzung von Susannes Leistungen in den vergangenen 12 Monaten zur Kenntnis. Dies tat er wohl in recht diplomatischen Worten. Doch er endete mit: Er habe sich von Susanne und dem ganzen Team mehr versprochen gehabt. Woran es denn wohl gelegen haben könnte?!?

Staunen bei Susanne. Ihr Chef hatte ihr die ganze Zeit zu Beginn, als die von der mobbenden Kollegin berichtet, offenbar gar nicht zugehört. Er hatte weder nachgefragt, noch sich Notizen gemacht. Und so war völlig an ihm vorbei gegangen, dass Susanne sich dazu längst geäußert hatte.

2 Männchen geben sich in einem bunten Rad die Hände

Jeder Mensch ist anders – gute Chefs nehmen das wahr und nutzen es für geschickte und erfolgreiche Teambildung.

» Liebe Chefs: Schulungen bereiten Sie darauf vor, Gespräche mit Mitarbeitern zu führen – auch in kritischen Situationen. Es scheint jedoch so zu sein, dass dabei zu wenig über nonverbale Kommunikation und Aktives Zuhören gesprochen wird. Menschen nehmen viel mehr wahr, als nur Worte. Und so verkommt der beste Versuch einer respektvollen Gesprächsführung zur Farce, wenn Sie im Innern etwas anderes meinen, als Sie sagen.«

Wertschätzung und Respekt funktionieren nur dann, wenn sie “aus dem Herzen” kommen – also ehrlich gemeint sind. Dann finden wir die richtigen Worte, um dem Gegenüber zu vermitteln, was wir ihm wirklich mitteilen möchten. Sobald Inhalt und Denke jedoch keine Übereinstimmung mehr aufweisen, sieht ein geschulter Mitmensch uns das an der Nasenspitze an.

Im Fall von Susanne war damit der Punkt erreicht, der das Fass zum Überlaufen brachte. Genau an diesem Abend fand sie die Kraft, die Kündigung zu schreiben. Die sie am nächsten Tag dem Chef übergeben hat. Seine Frage, warum Sie das Unternehmen denn verlassen wolle nach dem positiven Gespräch vom Vortrag beantwortete sie oberflächlich-ausweichend – es war es ihr einfach nicht mehr wert, diese Energie in dieses Unternehmen zu investieren, welches ihr so wenig zurückzugeben bereit war.

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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