Wieviel Respekt verdient ein Redner?

Vortragssituation mit Dame

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Ich bin echt geschockt. Derzeit ist eine große Messe, auf der es auch viele Vorträge gibt. Einige meiner Kontakte aus Twitter und Facebook sind dort und berichten Trauriges: In vielen der dortigen Vorträge sitzen die Redner vor lauter gesenkten Köpfen. Weil die „Zuhörer“ auf ihre Smartphones und Tablets starren und während der Rede darauf herumtippen.

Wie gut kann eine Rede sein, wenn der Redner kaum Kontakt zum Zuhörer hat?

Ich arbeite selbst häufig als Rednerin. Ich weiß daher, wie es sich anfühlt, da vorne zu stehen und so gar kein Gespür mehr dafür zu haben, wie meine Rede ankommt. Weil die Zuhörer den Kontakt mit dem elektronischen Spielzeug dem mit mir vorziehen. Klar, antworten jetzt Handymaniacs: Wir arbeiten ja „modern“ und verarbeiten das Wissen elektronisch. Wir machen derweil ja sozusagen auch Werbung für Deinen Vortrag.

Ach ja? 

Sicher, das kommt in Einzelfällen vor und ehrlich: Das finde ich dann total okay. Doch wie kann ich als Redner wissen, ob dieser Teilnehmer gerade „beim Thema“ ist oder – mal flugs – einen Verriss über mein Tun veröffentlicht? Das vielleicht nur deshalb nicht optimal funktioniert, weil mir eben das Feedback aus dem Zuschauerraum fehlt. Jeder Redner lebt davon, sich Ankerpunkte bei den Zuschauern zu suchen und nichts ist schlimmer, als wenn niemand einen anschaut.

Mal ehrlich: Wenn ich lese, was Menschen von dieser Messe da aktuell so in social media veröffentlichen, dann empfinde ich sehr vieles davon als äußerst respektlos. Da tauschen sich Menschen über mehrere Sitzreihen hinweg im selben Raum offenbar darüber aus, ob sie den aktuellen Redner nun eher schlecht oder gar grottenschlecht finden. Dass Schriftgrößen zu klein und Bilder zu bunt sind. Bisher wurde erst eine einzige Rede einhellig positiv beschieden….

Was die Lufthansa irgendwie besser macht…

Chefstewardessen in Flugzeugen weisen Fluggäste vor Beginn des Fluges freundlich – aber bestimmt – darauf hin: „Please Switch off all electronic devices!“ Angeblich sollen elektronische Spiel- und Arbeitszeuge ja die Bordelektronik stören. Doch in der letzten Zeit habe ich immer öfter den Eindruck, dass die Bordelektronik das durchaus verarbeitet bekommt – der Pilot jedoch seine Flugleistung auch gerne gewürdigt sehen würde.
Ich überlege nun, ob ich es bei künftigen Vorträgen auch mal auf diesem Weg versuchen sollte. Einfach vorher mitteilen, dass elektronische Geräte mit meinem – nicht vorhandenen – Hörgerät inkompatibel und daher auszuschalten sind. Ich bin gespannt, auf die Reaktion….

Gesellschaft der gesenkten Köpfe

Ja, wir rasseln in Innenstädten zusammen oder auch schon mal gegen Laternen. Weil wir gerade eben noch was ins Smartphone tippen müssen. Ist auch mir schon passiert. Und so sind auch viele (definitiv zu viele!!!) Redner selbst schuld, wenn sie auf Scheitel und Kahlkopf gucken statt in die Augen lebender Menschen: Sie sind einfach langweilig. Ihre Schriftgröße ist zu klein und die Folien sind zu überladen.

Es ist also unsere Aufgabe als wertschätzende Redner, den Menschen im Sinne gegenseitiger Wertschätzung dann eine prickelnde Präsentation mit humorigen Inhalten und echtem „Nachhall“ zu schenken. Mit ihnen live zu interagieren und sie mit einzubeziehen.

Das ist mein Anspruch an gute Reden: Sie sind so packend, dass die Menschen gar keine Zeit für ihr „electronic device“ mehr haben wollen. Sie aktivieren Zuhörer zum Mitmachen und Stellungbeziehen. Sie schaffen Bilder in den Köpfen der Menschen und verankern Wissen da, wo es hingehört: Direkt im Gehirn.

Doch auch wir Redner haben schlechte Tage und brauchen dann faire und respektvolle Zuhörer. Die uns mal über einen Hänger tragen, uns aufmunternd zunicken und mit uns über eigene Missgeschicke lachen. So, wie Ihr Zuhörer unser Wissen haben möchtet, so brauchen wir Eure „Zuwendung“. Gute Redner stecken sehr viel Zeit in die Vorbereitung und haben es dafür verdient, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt.

Wechselt mal die Seite…

Hey, Ihr da draußen an den elektronischen Endgeräten: Stellt Euch doch selbst einfach mal vor so vor einer tippernden graue Masse zu stehen, die Euch alle Energie mit elektronischer Hilfe entzieht… – dann überlegt Ihr Euch den nächsten Tweet oder das nächste Posting vielleicht doch noch mal, oder?

 

 

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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