Zuvielisation

Überforderung

Das Jahr startete entspannt. Erst waren noch alle im Skiurlaub, dann folgten schon früh im Jahr Karneval und Ostern und irgendwie….verrann die Zeit dann doch Flug. Wir wurden von der Zuvielisation überrannt. Jetzt haben wir schon zu zwei Dritteln den Mai geschafft. Und es geht mit großen Schritten auf die Sommerferien-Phase zu.

Trend zum Gasgeben

Denn vor der sommerlichen Ruhephase, zudem noch durch die Fußball-EM eingeleitet (läuft in NRW genau bis zum Ferienbeginn), wollen wir alle noch Dinge angeschoben, Projekte abgeschlossen und Themen auf den Weg gebracht haben. Das Ergebnis: Uns läuft die Zeit davon. Wir leiden unter akuter…

…Zuvielisation

Es müssen Entscheidungen getroffen werden. Wie schön war das früher, als ich mich zwischen nur drei Fernsehprogrammen, drei Joghurtsorten oder Sommer- und Winterschuhen entscheiden konnte. Heute werde ich überwältigt von der Anzahl der Angebote. Ich habe damit zu kämpfen, dass ich mich kaum mehr entscheiden mag. Weil ich Angst entwickele. Die falsche Entscheidung zu treffen. Weil ich nichts verpassen will. Dazugehören möchte. Etwas von Dauer besitzen, dafür allerdings auch keinesfalls zu viel bezahlen will.

Zeit statt Geld

Also surfe ich Stunde um Stunde im Netz, um für mich noch ein bisschen „mehr“ rauszuholen. Dass ich dabei schonmal einen schlechten Deal Zeit gegen Geld mache? Ist mir dabei selten bewusst. Und das nur damit – um mit der entsprechenden Fernsehwerbung zu spielen – mein Sitznachbar auf dem Urlaubsflug mich nicht auslacht. Weil ich zuviel bezahlt habe.

Entscheidungshemmung wird zum Volkssport. Weil uns die Leitplanken fehlen, innerhalb derer wir Entscheidungen rational fällen können. Denn die Werbung spricht uns längst auf höhere Ebene an: Bei unseren Emotionen.

Wider dem Wollen

Das bedeutet, dass wir uns ja mit dem, was wir erreichen oder erwerben wollen, auch gleichzeitig immer „etwas Gutes tun“ möchten. Und schon tappen wir in die Falle. Denn sobald viele Männer im Baumarkt einen Bohrhammer bestimmter Marken entdecken, schaltet das Kleinhirn in den „Habenwollen-Modus“. Es entscheidet eigenständig darüber, dass es das heiße Teil unbedingt braucht.

Frauen passiert so etwas gerne angesichts schicker Handtaschen oder HighHeels. Der Bauch hat dem Kopf längst einen Befehl zum Kauf erteilt. Der Kopf darf sich dann die glaubhafte Begründung ausdenken, warum wir das Teil unbedingt haben MÜSSEN. Das Problem: Der Kopf arbeitet im Bildergehirn viel schneller, als im rationalen Logik-Hirn. So fallen wir unserem Wollen zum Opfer, statt Vernunft walten zu lassen. Da hat uns die Konsumindustrie bestens „abgerichtet“ – zu willigen Konsumenten.

Zuvielisation im Business

Im Geschäftsleben ist das kaum anders. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten – und viele Chancen, etwas zu verpassen. Um sich am Ende als „der Blöde“ zu fühlen.

Hier eine neue Software, dort ein neues Tablet, da ein neues Teammitglied und noch eine Incentive-Reise. Auch im Job gibt es heute ein Zuvilisations-Angebot. Das uns als Menschen permanent überfordert. Gepaart mit einer Menge Nachrichten, Bilder und Informationen, die uns in dauerhafte innere Aufruhr versetzen. Wenn ich dann noch uns (Solo-)Selbstständige anschaue, die ständig neue „Trends“ verfolgen sollen…dann wird mir Angst.

Dabeisein wollen

Denn ich bin auch so ein „Dabeiseinwoller“. Eher noch ein „Vorreiter“, der alles direkt auszuprobieren liebt. Videos drehen, Newsletter schreiben, Coachingprogramme entwickeln, Mastermind-Gruppen nutzen, Netzwerke checken, Blogposts tippen, ein Buch verfassen, neue Software und Apps ausprobieren und bitte ein aktuelles Smartphone mit schnellem Prozessor. Ach – und dann noch die neue Sprachsteuerung am Navi…

Dass dazu noch ein paar mehr Jobs hinzukommen, die einfach sein müssen – von der Kundenakquise über Marketingmaßnahmen, der Pflege von Website, dem Bekümmern der social media-Präsenzen, dem Rechnung schreiben, das Büro putzen (lassen), Kommunikation mit Behörden, Steuerkram, Büroorganisation, Telefonate….die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Jammermodus aus

Nein – ich bin keinesfalls im Jammermodus. Ich stelle die Fakten einfach mal dar. Und überlege, was wir damit tun können. Schnell wird klar: Es ist eine Frage des Blickwinkels. Sobald ich mir bewusst mache, dass ich mich keinesfalls entscheiden MUSS, sondern entscheiden DARF, fühlt es sich anders an. Ich nehme die Möglichkeiten als Chancen wahr, statt als stressvolle Druckpunkte. Oft ist das Zauberwort: Abstand. Zurück auf die Metaebene.

Denkmodus an

Ich schalte mein Hirnkästchen ein, um zu überlegen, welche Kriterien für meine anstehenden Entscheidungen wirklich bedeutend sind. Notfalls mit Zettel und Stift. Und dann….kann ich rational rangehen. Plötzlich fällt mir die Entscheidung leicht. Weil ich mir bewusst mache, wie teuer ich meine Entscheidungshemmung ansonsten bezahle. Mit wertvoller Lebenszeit. Das ist respektlos gegenüber mir selbst.

Schwupps – ist das tolle Smartphone plötzlich weniger wichtig, als die Zeit mit meiner Familie. Plötzlich kann ich pragmatisch Dinge „vom Tisch schaffen“, ohne dem Perfektionsdrang zu unterliegen. Auf einmal ist mir egal, ob der Joghurt nun rechts- oder linksrum im Becher Walzer tanzt. In dem Moment kann ich dem Kollegen ein unbegründetes NEIN sagen, der mir noch mehr Arbeit aufhalsen will.

Weil ich erkenne, was mir wirklich wichtig ist. Zu wissen, was ICH will (statt zu glauben, was die Werbung mir zu wollen vorgaukelt), hilft ungemein.

Entscheidung gegen den Stress

Auch gegen meinen akuten Stress. Denn wenn – wie in den letzten zehn Tagen bei mir der Fall – nur eingeschränkt arbeitsfähig bin, weil gleich zwei meiner Rechner eine kleine „Macke“ hatten und der Techniker mehrfach ran musste, um des Übels Wurzel zu ziehen, dann kann ich entscheiden: Rege ich mich jetzt darüber auf? Oder rufe ich meine Kunden an und bitte höflich um Terminaufschub. Und erledige derweil mit Ruhe ein paar Dinge, die eben erfreulicherweise auch noch ohne PC zu erledigen sind.

Es ist meine Entscheidung. Ich bin kein Opfer der Zuvielisation – denn ich DARF mich entscheiden. Mit klarem Kopf. Und ganz manchmal…auch mit dem Bauch. Für die schöne Handtasche. Aus purem Selbstrespekt.

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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