Azubis finden – leicht gemacht…

Verschiedene Bewerbungsmappen

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Marius ist 16. Er kommt von der Realschule und hat Klasse 10 erfolgreich beendet. Er wollte dieses Jahr eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker beginnen. Doch seine 80 Bewerbungen blieben erfolglos. Dabei hat Marius ein durchaus passables Zeugnis. Jetzt ist er verzweifelt, denn er hat Angst, dass er seine letzte Chance bereits verpasst hat.

Klaus Müller hat einen Zweiradladen mit vier Angestellten. Bisher hatte er jedes Jahr einen Auszubildenden – doch dieses Jahr blieb der Platz bisher unbesetzt. Es hatte sich niemand bei ihm beworben. Sein Unternehmen „2Wheels4Me“ gehört zur Gruppe der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).  Diese Gruppe von Unternehmen hat ein generelles Problem bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden: Sie ist oftmals nur einem kleinen Kreis von Menschen als Ausbildungsbetrieb bekannt. Deshalb kommen auch immer weniger Jugendliche auf die Idee, sich dort zu bewerben. So geht es auch Marius, der zwar sein Mofa bei „2Wheels4Me“ warten läßt – doch auf die Idee, sich dort zu bewerben kommt er nicht. Denn dort werden eben keine coolen Kfz-Mechatroniker ausgebildet, sondern professionelle Zweiradmechaniker – und damit ein „Nischenberuf“. Das klingt auf den ersten Blick weit weniger aufregend, doch inhaltlich sind die Ausbildungen gar nicht so artfremd.

Modeberuf versus Nischenberuf

Zudem hat Marius auch mit Bestnoten heute kaum mehr eine Chance, als Realschüler einen Ausbildungsplatz als KfZ-Mechatroniker zu bekommen: Aufgrund der gestiegenen Anforderungen – inbesondere im Umgang mit Computer & Co – werden diese Plätze fast nur noch an Abiturienten vergeben. Denn Ausbilder für diesen Beruf können sich ihre Auszubildenden frei auswählen, weil die Nachfrage immens groß ist. KfZ-Mechatroniker ist ein Modeberuf und zählt zu den zehn beliebtesten Ausbildungen für Jungs. Blöd also, sich mit den falschen Voraussetzungen genau dort zu bewerben – und keine Alternativen zu berücksichtigen.

Feuerwehrmann in MonturAktuell gibt es in Deutschland rund 320 duale Ausbildungsberufe. Darunter auch so etwas wie Geigenbauer oder Hufschmied, Bestattungsfachkraft oder Segelmacher. Wer sich derartige Nischenberufe aussucht, ist manchmal sogar der einzige Bewerber. Für Auszubildende auf der Suche nach einem späten Ausbildungsplatz 2013 lautet der Trick also ganz einfach: Schau´ über den Tellerrand und versuche es in unbekannteren Berufen und bei unbekannteren Unternehmen. So könnte auch Marius bei „2Wheels4Me“ noch eine Chance haben, sein technisches Interesse und seine in der Praxis erprobten Fähigkeiten in einen Lehrberuf einzubringen – indem er Klaus Müller davon überzeugt, dass er ganz viel Engagement und Motivation mitbringt, wenn es um Wartung, Reparatur und Verkauf von motorisierten Zweirädern geht. In Zeiten von Pedelec, E-Bike & Co übrigens ein Beruf mit Zukunft, der zudem Elektronikfachwissen fordert.

Als Unternehmer jetzt noch Auszubildende finden? Geht das?

Ja, das geht. Auch wenn Sie als Firmenchef eines kleinen Unternehmens ihren täglichen Beitrag zum Umsatz aktiv leisten müssen, so gilt für Sie vor allem eines: Machen Sie sich sichtbar. Überlegen Sie, wo Sie als Jugendlicher nach einem Ausbildungsplatz suchen würden. Denken Sie darüber nach, wo Sie selbst Jugendliche erreichen können. Warum nicht kurzfristig noch einen Sommerferien-Praktikumsplatz ausschreiben und – wenn der passende Kandidat gefunden ist – gleich anschließend jemanden in die Ausbildung übernehmen.

Laden Sie junge Menschen „von der Straße“ zum Probearbeiten ein: Im Fall Klaus Müller hätte das ein Sommerferien-Event auf dem Hof von „2Wheels4Me“ sein können, wo Jugendliche ohne Ausbildungsplatz einen Tag an ihren eigenen Rädern schrauben können. Mit professioneller Anleitung, Profi-Werkzeug und fachlicher Unterstützung können sie ihre eigenen Räder zum Materialpreis instand setzen oder aufpimpen. Und dabei schon mal einen ganzen Teil der Arbeit des Zweiradmechanikers kennenlernen. Klar, dass der Firmen-Chef die Chance nutzt und Werbung für seinen freien Ausbildungsplatz macht.

Als Maler könnten Sie mit suchenden Schülern in den Sommerferien Klassenräume streichen oder die Turnhalle verschönern – zum Materialpreis für die Schule.

Wie Sie die Jugendlichen  erreichen? Reden Sie mit jungen Menschen auf der Straße. Fragen Sie diese, ob sie schon einen Ausbildungsplatz gefunden haben – oder ob Sie jemanden kennen, der noch einen sucht. Erzählen Sie jedem mit einem Glänzen in den Augen von dem, was Sie selbst für Ihren Beruf begeistert. Das wirkt ansteckend und wird dann auch gerne verbreitet. So, wie Sie Kunden über Empfehlungsmarketing suchen, können Sie das auch bei Ausbildungsplätzen tun. Reden Sie mit Kunden, Kollegen, Kammer & Co – je mehr davon wissen, wie toll „Ihr“ Beruf ist und dass Sie gerne ausbilden, desto besser stehen Ihre Chancen. Und schauen Sie weniger auf die Noten, als auf die Persönlichkeit. Denn mit jedem Jahr ohne Auszubildenden steigt der Fachkräftemangel. Das betrifft auch Ihre Zukunft.

Maler und AuszubildenderIch beobachte einige Handwerksbetriebe, die immer wieder in Schulen gehen und dort ihren Beruf lebendig und zielführend vorstellen. Es gibt Handwerksbetriebe, die sehr aktiv in social media sind und darüber die junge Generation „auf Augenhöhe“ erreichen. Zudem transportieren sie so den Eindruck hochgradiger Kompetenz für ihr Thema – und können ganz gezielt „Freunde“ (Facebook) oder „Follower“ (Twitter) ansprechen, die potentielle Ausbildungs-Kandidaten sein könnten.

Ein cooles E-Bike auf Firmenkosten?

Klaus Müller von 2Wheels4me „köderte“ seinen Kunden Marius, als dieser ihm bei einem Routine-Check seines Mofas genervt von der erfolglosen Ausbildungsplatzssuche erzählte.  Er bot diesem zum Ausbildungsplatz als Zugabe ein Dienst-Rad für die acht Kilometer zwischen Wohnort und Arbeitsstelle – die ja auch bei Auszubildenden schon durchaus wechselnd ist, wenn es zur Berufsschule oder Einsatzstellen geht. Kein simples Fahrrad, nein – ein stylisches E-Bike. Auf Firmenkosten und ausdrücklich zur privaten Nutzung.

Damit schlägt Klaus Müller gleich 3 Fliegen mit einer Klappe: Er bekam seinen Auszubildenden, der an einem Probearbeitstag gleich richtig Blut leckte und durchstartete. Marius konnte statt mit dem alten Mofa mit dem neuen E-Bike aufwarten. Da Klaus Müller das E-Bike geleast hat und mit einer Gehaltsumwandlung arbeitet, bietet sich enormes Sparpotential, solange der Azubi unter 905 € brutto verdient. Ein Pedelec mit einem Neupreis von 2.500 € kostet den Azubi mittels 1%-Regelung gerade mal 5 € im Monat. Den Strom darf der Neu-Azubi gerne beim Chef tanken – denn mit dem E-Bike fährt er ja zugleich auch noch Werbung für ein Zukunftsprodukt „seines“ Ausbildungsunternehmens.

Klar sind Firmenhandy oder Dienstrad keinesfalls der letzte Ausweg, sondern nur Möglichkeiten. Sie zeigen jedoch, dass es eine Menge pfiffiger Ideen gibt. In Zeiten sinkender Geburtenzahlen und (angeblichem) Fachkräftemangel sind Sie als Unternehmer ebenso gefragt, wie Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche: Kreative Ideen, Flexibilität und das Gehen neuer Wege stehen an. Damit zueinander findet, was zueinander passt. Auch noch in den Tagen nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn.

Was übrigens wirklich überzeugt ist, wenn Sie künftigen Auszubildenden – statt sie als „Stift“ zu betrachten und zu behandeln – auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen. Denn wenn Sie Respekt in die jungen Menschen investieren, kehrt dieser in der Regel auch zu Ihnen zurück: Als Loyalität, Höflichkeit, Verständnis und Motivation. Dann muss es auch kein E-Bike sein, denn ehrlicher Respekt wiegt schwerer und ist beliebter.

 

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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