Schwitzen im Dienst

Thermometer bei knapp 42 Grad

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38 Grad im Schatten, es ist ein echter Sommertag. Doch es ist auch Freitag – und damit ist Deutschland „im Dienst“. An Tagen wie heute kann ich in Büro oder Werkstatt, auf der Baustelle oder im Schwimmbad riechen, wie ernst es meine Mitmenschen mit der Hygiene nehmen. Denn allerorten umwabert uns an solchen Tagen…Schweißgeruch. Doch andere Menschen vor eigenen Körperdüften zu verschonen, ist eine Frage von Respekt. Niemand muss in der heutigen Zeit den „Duft der harten Arbeit“ um sich herum verbreiten… Dabei ist Schweiß an sich komplett geruchlos. Er ist quasi „Wasser“, welches der Körper zur eigenen Kühlung freisetzt. Wir haben eben an bestimmten Körperstellen eine deutliche Mehrzahl an Schweißdrüsen: Achseln, Stirn, Hände, Intimbereich, Fußsohlen. Schweiß wird erst in Verbindung mit Bakterien ruchbar.  Und die sitzen sehr gerne in feucht-warmem Klima – und das herrscht gerne da, wo viele Haare wachsen und wenig Sauerstoff rankommt.

Rasierte Achseln bringen mehr als optische Vorteile

Daher müffeln rasierte Achseln weit weniger, als solche mit dichtem Haarwuchs. Denn in den Haaren und dem sauerstoffarmen Klima unter den Armen vermehren sich die Bakterien eben auch gerne und reichlich. Den Intimbereich umgibt beim einen oder anderen ebenfalls ein Geruch, der fremde Nasen zum Rümpfen bringt. Dabei möchte wohl niemand anderen als Geruchsbelästigung erscheinen.

Schweißgeruch – bei Jugendlichen oft eher „männlich“

Ich habe vier Jahre BerufsOrientierung für 13 – 18-jährigen Jugendliche gemacht – in jeder Gruppe war das gleich zu Beginn ein Thema: Schweißgeruch als „no go“ im Berufsleben – und was man(n) dagegen tun kann. Bei den Mädchen war dieses „Problem“ nämlich eine Ausnahmeerscheinung. Bei den pubertären Jungs allerdings an der Tagesordnung. Oft auch, weil diese Jungs – inbesondere bei weniger begüterten Eltern – einfach nicht ausreichend saubere Kleidung zum Wechseln besitzt oder zur Verfügung haben. Wo Mädchen abends mal schnell was durchwaschen, schlafen Jungs im gleichen T-Shirt, in dem sie am nächsten Tag im Camp sitzen…das ist dann echt eine dufte Sache! Eine Umfrage unter 2.000 Deutschen ergab, dass 65 % gerne darüber informiert werden würden, ob sie „stinken“ oder ob alles im grünen Bereich ist. Was mich allerdings fassungslos macht ist eine andere Zahl: 58 % aller Stink-Betroffenen ertragen ihr Leid lieber duldsam, als Kollegen, Freunde, Chef & Co. darauf hinzuweisen, dass sie ein offenriechliches Hygieneproblem haben. Dabei ist das doch gerade respektlos: Mitmenschen weiterhin lieber als Stinkbombe auffallen zu lassen, statt sie dezent über die Sachlage zu informieren und bei der Abhilfe zu unterstützen.

Wie würden Sie sich fühlen?

Stellen Sie sich einfach mal vor, heute hätte Ihr Deo versagt – trotz Dusche am Morgen und frischer Kleidung. Was würden Sie selbst sich von Ihren Kollegen oder Freunden wünschen? Vermutlich doch, dass man Ihnen dezent einen Hinweis und damit die Chance zur Beseitigung gibt, oder? Warum dies also nicht auch bei anderen tun? Kleckert jemand auf sein Hemd oder Shirt, sagen Sie es ihm doch vermutlich auch. Dann vielleicht sogar vor versammelter Mannschaft. Das wäre im Fall von Schweißgeruch allerdings weniger angesagt. In diesem Fall sollten Sie dezenter vorgehen. Am einfachsten ist es, wenn eine gleichgeschlechtliche Person des oder der Betroffenen sich des Themas annimmt – das ist einfach weniger peinlich für den Träger der Duftfahne. Wenn es dazu noch jemand auf ähnlicher hierarchischer Ebene oder eine vertraute Person ist, verläuft ein solches Gespräch ebenfalls unproblematischer. Nein, es fällt wohl niemandem leicht, ein solches Gespräch zu führen – doch es ist einfach wertschätzender, als den Anderen auch weiterhin der Dauer-Peinlichkeit auszusetzen. Und wenn Sie den Mut für ein Gespräch nicht aufbringen: Kaufen Sie im Drogeriemarkt ein einfaches, geruchsarmes Deo und stellen Sie es dem Betroffenen dezent auf den Schreibtisch oder binden es an den Spind. Das sollte denjenigen nachdenklich machen. Und wenn nicht: Wiederholen Sie das Ganze und packen Sie eine freundliche Karte dazu: „Wenn Du das regelmäßig verwendest, können wir Dich noch besser leiden“.

Was hilft gegen Achselschweiß & Co?

Wer regelmäßig – bei dem Wetter gerne einmal täglich – duscht und seine Kleidung wechselt, der hat schon mal deutlich bessere Karten. Frische Unterwäsche und Socken sind eh ein Muss. Wer dann noch darauf achtet, bei diesem Wetter Natur- statt Kunstfasern auf der Haut zu tragen, liegt weit vorne. Der Verzicht auf Knoblauch, Zwiebeln und starke Gewürze leistet ebenfalls einen guten Beitrag. Viel trinken – das ist bei dem Wetter ohnehin gut für den Körper und verdünnt den Schweiß. Es hilft auch, sich immer mal wieder ein paar Minuten lang frisches, kaltes Wasser aus dem Hahn über die Pulsadern laufen zu lassen. Das kühlt den gesamten Körper runter und reduziert so auch die Schweißproduktion. Denn Schweiß an sich wird vom Körper deshalb produziert, um diesen herunter zu kühlen. Doch was auf der Stirn erfreulich geruchlos bleibt, tanzt eben an anderen Körperstellen duftigen Ringelreihen. Für das Klima im Unternehmen ist es allemal besser, wenn der Betroffene nach einer solchen „Ansage“ mal ein paar Tage zurückhaltender ist, weil er peinlich berührt ist. Besser, als wenn ihm alle aus dem Weg gehen, weil sie ihn zeitweilig einfach nicht mehr riechen können. Und Sie selbst – würden sicher auch kein Außenseiter sein wollen, oder? Also: Reden Sie bitte wertschätzend mit den Achselschwitzern und schaffen Sie so die Ursache aus dem Weg, statt das stinkende Leid naserümpfend zu ertragen.

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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