Veranstaltungsraum

Popcorn oder Passform

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In letzter Zeit sind es immer wieder die selben Namen von Speakern und Trainern, die durch meine Timeline in social media huschen. Es sind Namen von Kollegen, die richtig, richtig viel Marketingpower in den Vertrieb ihrer (Groß-)Events stecken. Menschen, die mich so auf nahezu allen Kanälen ansprechen. Ich kann ihnen kaum entgehen....

Hast Du schon den GURU-Faktor?

Zudem werden diese Kollegen (damit sind selbstverständlich auch weibliche Kolleginnen gemeint) von ihren Fans - einem Guru gleich - in den Himmel gehoben. Weil sie mit ihren plakativen Botschaften die Bedürfnisse der Massen ansprechen. Weil sie genau die Fragen stellen, die nahezu jeden umtreiben. Fragen, deren Beantwortung sie ihm Rahmen ihrer Events versprechen.
Ich beobachte mit Erstaunen: Reichlich Menschen kaufen die Tickets - zu teils erstaunlich hohen Preisen - als gäbe es kein Morgen mehr.... 

Funktioniert echt Problemlösung in Massen? 

Glauben diese Menschen wirklich daran, dass ihre persönlichen Probleme sich auf einer Großveranstaltung lösen lassen? Dass ihnen ein Massen-Event die Botschaften präsentiert, die sie für ihren eigenen (Lebens-)Erfolg brauchen? Dass sie das Gesagte später - alleine im stillen Kämmerlein - auch ganz easy in die Praxis umsetzen können?

Fakt ist: Es sind Kollegen am Werk, die sich nahezu perfekt darauf verstehen, Menschen emotional zu erreichen. Personen, die ihnen das Gefühl zu geben, sie seien der "Messias" der Problemlöser.

Dafür hege ich ehrliche Bewunderung. Das will erst einmal geschafft sein. Da steckt viel Arbeit, Schweiß und (vor allem rhetorische) Kompetenz hinter.  Ja, ich finde dieses "groß denken" klasse.

Doch für mich persönlich passt das einfach nicht....ich kriege das ethisch für mich nicht auf die Reihe. Ich möchte kein Menschenfänger sein. Sondern eine Lösungsfinderin und aktive Begleiterin. 

Popcorn-Power


Für mich verbirgt sich in solchen Events sehr oft eine unterhaltsame und durchaus informative Zeit, die ich dort verbringen kann. Ich nehme Impulse, Informationen oder Kontakte mit. Für mich ist das eine Art "Unternehmens-Theater". Ich sitze - wie in der Oper oder dem Theater - bequem im Zuschauerraum. Ich lasse mich unterhaltsam "berieseln" und habe (meistens) eine wirklich gute Zeit. Denn fast immer sind diese Events sehr professionell organisiert. Da passt einfach alles...

Doch in meiner Wahrnehmung ist das kein Problemlösungs-Ansatz. Hier werden genussvolle Denkanstöße im Sekundentakt produziert und vernascht. Ähnlich einer Tüte Popcorn. Für die mittels viel heißem Dampf aus harten und schwer verdaulichen Maiskörnern ein lecker-crunchiges Popcorn wird. Ich mag das. Hin und wieder mal. Als unterhaltsamen Abend. Doch was im Nachgang bei mir bleibt, ist große Leere. Denn sehr oft steckt hinter den plakativen Botschaften und massiver Marketing-Power - eben auch viel heiße Luft.  

Wirkliche Problemlösung ist eben selten so einfach und leicht verdaulich.

Der Rotstift-Effekt

Wenn es dann im Nachgang des Events um die Umsetzung des Gesagten geht, ist das Publikum mit der Realisierung in der Praxis auf sich alleine gestellt. 

Und das ... hat Methode. Auf diese Weise wird ein Vakuum beim Teilnehmer erzeugt, welches dieser umgehend zu füllen trachtet. 

Welch´ ein Glück, dass diese Redner und Trainer just in diesem Moment ... einen Ausweg aus der persönlichen Leere präsentieren: Ihr Premium-Paket. Gerne zu einem auch fünfstelligen Preis.

Wieder werden die Massen rattenfängergleich motiviert, dieses Programm zu kaufen. Eine künstliche Verknappung der Teilnehmerplätze, eine Sonderpreisphase oder der persönlichen Betreuung durch den Profi sind für unser Reptiliengehirn einfach viel zu reizvoll....

Der "Rotstift" wirkt: Wir werden zu einer Art willfährige Lemminge.

Versteh´ mich nicht falsch: Ich finde, solche Events klasse. Sie haben eine absolute Daseinsberechtigung. Doch ich möchte zum Nachdenken anregen, meine Erwartungshaltung an dieser Stelle klar und deutlich zu überdenken - und mich immer wieder zu fragen:

- Was genau soll mir dieses Event bringen?
- Welche Punkte triggert das Event in mir?
- Wofür genau suche ich nach Impulsen oder Lösungen?
- Was für Lösungsansätze brauche ich wirklich?

Ich lade Dich ein, den Kopf zu benutzen und Dir aufgrund der gestellten Fragen selbst darüber klar zu werden, ob eine Veranstaltung mit 500 oder mehr Teilnehmern wirklich Dein geeigneter Ansatz für eine Problemlösung sein kann. Oder ob Du Deine Themen besser auf andere Weise anpacken und zielgerichtet umsetzen kannst. Ob Du vielleicht doch viel mehr substanzielle Unterstützung bei der Umsetzung brauchst. Und wo genau Du diese finden kannst.

Oder - ob Du vielleicht gar nicht mehr erwartest, als den unterhaltsamen Abend. Die Entwicklung neuer oder Vertiefung alter Kontakte. Den einen Impuls, der meinem Denken eine neue Richtung gibt. Das Anschauungsmaterial, wie es andere auf der Bühne oder bei der Organisation denn so machen....

Individuelle Passform

Ja, die kleinen und feinen Angebote kommen nur selten mittels Popcorn-Marketing mit Heißgebläse daher. Aus den verschiedensten Gründen. Vom Finanziellen über die Sichtbarkeit des Anbieters bis zur besonderen Zielgruppe. Wir müssen nach diesen Angeboten mit wirklich individueller Passform vielleicht etwas länger suchen. Menschen fragen. Rezensionen lesen. Doch das...lohnt sich. Versprochen.

Denn die kleinen, feinen Anbieter packen höchst individuelle Pakete. Sie erarbeiten gemeinsam mit Dir Deinen perfekt passenden Lösungsweg für Deine Themen. Sie schauen über die Tellerränder von Marketing, Persönlichkeit, Finanzen und Organisation. Sie sind Dein Sparringspartner auf dem Weg zum Ziel und rechnen - bei ohnehin meist deutlich geringeren Preisen - selten jede Minute ab. Sondern sind gerne Helfer in der Not, wenn es um ihre Fachbereiche geht. Weil sie ihren Job mit Leidenschaft ausfüllen.

Weil sie die Mission haben, andere Menschen in ihre Kraft/ zum Strahlen/ zum Erfolg zu bringen. Weil sie wissen, dass Menschen, denen sie wirklich helfen konnten, sie im Nachgang sehr engagiert weiterempfehlen.

Ja, auch diese Menschen wollen und sollen Geld verdienen. Damit sie ihren wertvollen Job auf Dauer und mit hoher Leistungsfähigkeit ausüben können. Doch diese Menschen haben oft einfach eine ganz andere innere Haltung zu ihrem Business und ihren Kunden. 
Ethischer.
Nachhaltiger.
Substanzieller. 
Zugewandter.

Du entscheidest: Popcorn oder Passform?

Hier geht es nicht um "richtig" oder "falsch" - denn das gibt es ohnehin nur in unserer persönlichen Bewertung von Dingen. Hier geht es darum, sich bewusst zu machen, inwieweit ich für bestimmte Themen wirklich substanzielle und dauerhafte Unterstützung brauche - oder ob ich gerne einen entspannten Abend bei Popcorn und Bier verbringen will. Im zweiten Fall ist nahezu jedes dieser Großevents dem durchschnittlichen deutschen Fernsehprogramm vorzuziehen. Denn da gibt es einfach fast nur noch "leere Gehirnkalorien".

Da füllt so ein Eimer Popcorn (= Großevent) den geistigen Leerraum allemal besser aus. Für den Moment. Doch wer von einem solchen Abend die Lösung für seine Themen erwartet, der wird in der Überzahl zwar hoch motiviert nach Hause gehen ... doch am nächsten Morgen mit knurrendem Hunger im Gehirn aufwachen. Weil eben doch viel heiße Luft im Spiel war....

Du bist an dieser Stelle gefragt ...

Schreib´  mir bitte gerne Deine Meinung dazu in die Kommentare. Ich würde das Thema gerne diskutieren. Damit jeder DAS Angebot findet, was zu ihm passt. Und damit unser Hirn künftig mehr darauf achtet, ob wir das "Rotstift-Angebot" wirklich brauchen. Oder ob nicht doch Popcorn-Power unser Denken kurzzeitig so vernebelt, dass wir aufgrund der vermeintlichen Knappheit etwas kaufen, was wir eigentlich in der Form kaum brauchen können....

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Bettina,

    großartiger Blog, humorvoll auf den Punkt gebracht.
    In meinem (Rhetoriktrainer-)Umfeld träumen einige Menschen davon, ebenso viele Zuschauer zu haben und auf großen Bühnen zu stehen. In der Hoffnung, damit enorm viel Geld zu verdienen, versuchen sie, sich bei den „Stars“ etwas abzugucken. Ich finde es so viel wichtiger, die eigene Persönlichkeit zu respektieren und mit ihr zu punkten. Das kann auch bedeuten, leiser daherzukommen und im kleineren Kreis zu agieren. Da braucht es weder Großveranstaltungen noch das Mantra, ständig die eigenen Komfortzonen verlassen zu sollen…
    Viele Grüße
    Anne Kathrin

    • Liebe Anne,

      jaaa, das „große Geld“ wirkt auf viele einfach zu verlockend. Das sieht alles so einfach aus. Und doch steckt da eine verdammt große Portion Vorleistung drin. Zudem in einigen Fällen auch eine persönliche Haltung, die vielleicht nicht jedem Mitmenschen „schmeckt“. Weil es weniger darum geht, anderen nachhaltig zu helfen – sondern die eigene Tasche voll zu kriegen. Doch jeder Jeck tickt anders und jeder bekommt eben auch die Kunden, die er anzieht 😉

      Gute Botschaften brauchen keine „Lautsprecher“, sondern können sehr leise und fein wirken. Reich werden kann ein Mensch damit auch. Nur halt etwas bedächtiger. Nachhaltiger. Wertschätzender. Jedem sei sein Weg vergönnt. Wir bevorzugen eben Passform 😉

      Beredte Grüße
      Bettina

  2. „Denn die kleinen, feinen Anbieter packen höchst individuelle Pakete. Sie erarbeiten gemeinsam mit Dir Deinen perfekt passenden Lösungsweg für Deine Themen.“

    Meine Erkenntnis von 2018 ist: Das wollen viele gar nicht. Weil man sich da zeigen muss. Man müsste womöglich mit einer unfertigen Idee oder einem Problem aus dem eigenen Kopf rausgehen – vor anderen Leuten – und wer weiß, was da passiert … vielleicht klaut ja wer das Thema oder lacht. Oder schlimmer: Man merkt selbst, dass die eigene geniale Idee beim Sprung in die Realität ein paar einhornfarbene Federn lassen müsste. (Für mein Thema hieße das: Der Traum vom eigenen Buch ist womöglich reizvoller als echte Bücher, denn Träume kriegen weder Druckfehler noch Eselsohren noch Ein-Sterne-Bewertungen.)

    Da ist es irgendwie folgerichtig, sich mit verschränkten Armen in einen Vortragssaal zu setzen und mal ganz unverbindlich zu schauen, was da geboten wird.

    • Liebe Irene,

      jaaaa, da ist sicher was dran. Viele suchen immer gute Gründe, sich zu verstecken. Doch damit werden sie sich selbst auch den erfolg nicht vergönnen. Erst wer sich mutig aus der Deckung traut, kann auch gewinnen. Deshalb ermutige ich Menschen zum Schritt ins „Rampenlicht“ und zeige ihnen, wie locker Imperfektion macht. Ich liebe Dein Bild von den einhornfarbenen federn, die der erste Schritt kostet. Doch wenn die Menschen erst mal auf dem Weg sind…und sich nicht mehr auf 500-Personen-Events verstecken, dann steigt der Mut schnell ins Unermessliche. Lass´ uns weiter MUT in die Welt bringen 😉

      Herzlichst
      Bettina

  3. Liebe Bettina,
    vielen Dank für deinen so wertvollen Beitrag. Ich gehe seit einiger Zeit nicht mehr auf solche Großveranstaltungen, weil ich sie nicht nachhaltig erlebe. Ich habe an solchen Veranstaltungen eine gewisse Gruppendynamik erlebt, die mich regelrecht mitreißt und dann zuhause sieht die Welt wieder anders aus, wie du so schön schreibst. Bestimmte Namen von Speakern erzeugen in mir ein Greuel.

    Für mich ist auch wichtig, dass ich mir selbst in den Spiegel schauen kann. Ich stehe sehr gerne selbst auf der Bühne. Für mich geht es nicht nur darum zu unterhalten und dann beklatscht zu werden, ich will meine Botschaften in die Welt bringen.

    Danke und liebe Grüße
    Brigitte

    • Liebe Brigitte,

      und genau DAS macht den Unterschied: Auf die Bühne gehen, weil ich etwas zu sagen habe. Weil mein Sendungsbewusstsein mich dazu antreibt. Nicht, um damit Geld zu verdienen (das darf allerdings auch eine nette Begleiterscheinung sein!) oder weil ich Claqueure brauche, um mich wichtig zu fühlen.

      Ich erlebe es genau wie Du: Diese Mega-Events pushen Adrenalin und Mut auf ein Höchstmaß. Doch nach einer Nach daheim stehe ich als armes Würstchen wieder auf gewohntem Terrain und komme nicht ins TUN. Die Umsetzungsbegleitung fehlt. Und genau das unterscheidet für mich eben Popcorn (am nächsten Morgen wache ich hungrig auf) und Passform….

      Danke für Deinen Kommentar – sehr cool, was Du machst!
      Bettina

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