Graphic Recording – Mutausbruch im Großformat

ÖVI Salzburg, Vortrag HausLehrer

Letzten Freitag war es soweit: Erstmals war ich für ein „Graphic Recording“ – also quasi Sketchnotes im Großformat – gebucht. Für einen einzelnen Vortrag. Damit es sich lohnt, auch gleich vor großem Publikum. 290 Teilnehmer eines Verbandskongresses. In Salzburg im wunderbaren Österreich. Da habe ich doch gleich auch noch flugs einen Visutrainment-Workshop jenseits der Grenze angeboten und wundervolle Teilnehmerinnen gewonnen. Doch bis es soweit war, hatte ich schon in Vorfeld einige Learnings, denn die Anreise war mit dem Flugzeug geplant. Und das bedeutet: Eingeschränktes Gepäck.

Welches Material muss mit?

Tja, in heutigen Zeiten achten die Fluggesellschaften mit Argusaugen auf Größe und Gewicht des Gepäcks. Und schon ist gleich mal die FlipChartrolle, die zur Mitnahme geplant war, um acht Zentimeter zu lang. Also flugs mal die erfahrenen Trainerprofis via Twitter und Facebook angefragt: Wie kriegt ihr Eure fertig gezeichneten – und damit für den Workshop auch durchaus wertvollen (!!!) – FlipCharts von A nach B, wenn ihr fliegt? Die meisten antworteten cool: Flipchartrolle mitnehmen, hat bisher immer geklappt. Okay. Soweit, so gut.

Doch ich hatte ja noch meinen Auftrag in Sachen Mutausbruch: Das Graphic Recording. Und da wollte ich auch gleich groß denken und hatte mir dafür beim Veranstalter eine Metaplanwand mit Papier bestellt. Doch weil die meisten Hotels nur braunes Papier vorrätig haben und das meist auch noch sehr verknüddelt daher kommt (die großen Bögen sind nunmal weniger leicht handzuhaben…),  hatte ich mir eine frische Rolle weißes Metaplanpapier beim Dealer meines Vertrauens bestellt.

Problemfall Übergröße…

Nun ist dieses Metaplanpapier ja mal schlappe 115 cm „breit“, wenn es über die Schmalseite gerollt ist. Und damit definitiv KEIN Handgepäckformat mehr. Auch nicht bei zwei zugedrückten Augen… Doch mein Ziel war es, auch das als Rolle mitzunehmen, da es im Falle des Knickens in keinem Fall wohlbehalten am Ziel ankäme. Also rollte ich drei frische Blatt ganz eng in ein viertes Blatt ein und klebte das gut zu. Das Ganze steckte ich nun in das Loch in der Mitte meiner FlipCharts, die schon gerollt in der FlipChartrolle gelandet waren. Meine Köcher kann ich entsprechend „verlängern“ und reiste nun mit dem langen Ding zum Airport. Vorsorglich hatte ich auch drei Blatt sauber viermal geknickt, bis die auf Kofferformat verkleinert waren und zwischen zwei FoamBoards/ Kapa-Platten gesichert, so dass sie wenigstens keine weiteren Knicke unterwegs bekämen. Für den Notfall.

Mut wird belohnt

Mit dem überlangen FlipChartköcher checkten wir ein – doch der Mitarbeiter meinte: DAS können sie SO nicht mitnehmen. Ich antwortete locker: Okay. Öffnete den Köcher, entnahm die Metaplanpapierrolle und schob den Köcher auf das FlipChartformat zusammen. Die Papierrolle nahm ich in die Hand un vermittelte den Eindruck, dass ich sie entsorgen wolle. Doch dann….nahm ich sie einfach mit zur Sicherheitskontrolle. Dort durfte sie ebenso problemlos mitreisen, wie meine Boxen voller Marker. Denn die hatte ich – aus Angst, sie könnten unter Druckveränderung im Koffer im Flugzeugbauch auslaufen – in mein Handgepäck gepackt. Da dürften einige hundert Milliliter an Flüssigkeit zusammengekommen sein. Doch der Security-Mann erklärte mir, das sei kein Problem, denn im X-Ray könnten sie erkennen, dass die Flüssigkeit in den Schwämmchen in den Stiften gebunden sein…. AHA!

Meine überlange Papierrolle trug ich samt stiftgefülltem Handgepäckköfferchen stolz weiter zum Boarding. Mein Mann übernahm die FlipChartrolle. Und mit beidem kamen wir vollkommen problemlos an Bord. Ich hatte so gezittert, wir hatten Gepäck genauestens den Gewichtsvorgaben aufgeteilt und reisten am obersten Limit….denn Material ist schwer und Kleidung brauchten wir ja auch noch… Und jetzt? Lief alles vollkommen unproblematisch. Cool.

Übung macht auch den Profi

Nun hatte der Vortragende einige Bilder „vorgegeben“  unter anderem sollte visuell „die Sau durchs Dorf getrieben“ werden. Oha. Da war schnell klar, dass das so aus dem Stegreif keine einfache Nummer wird. Also geht der wohl präparierte Profi hin und bereitet sich vor. Lässt sich die Vortragsfolien und Rahmenbedingungen vorher geben und entwickelt ein „Storyboard“ mit den wichtigsten Bildern. Hier ergab sich der ungefähre Platzbedarf und die Zahl der einzelnen zu zeichnenden Elemente. Zudem konnte ich mir mit roten „Haken“ markieren, wo kritische Stellen beim Zeichnen liegen: Was sollte zuerst gezeichnet werden, damit weitere Details „in den Hintergrund“ rücken. Storyboard

Schweine brauchen Übung….

Da es sich bei „Sau durchs Dorf treiben“ um ein zentrales Visual handelt, habe ich den ersten Teil des Vormittags auf dem Hotelzimmer zum Üben im Großformat genutzt. Hier meine fröhlich-rasenden Schweine-Studien. Damit mir die Sau dann in der Praxis leicht und locker – und vor allem perspektivisch stimmig – durchs Blatt rennt. Das darf auch ein Profi immer mal wieder üben…üben…üben. Ehrlich: Beim Übungslauf sahen die für mich noch echt mies aus. Jetzt hier auf dem Foto haben sie was stylisches….schmunzel. So viel zum Thema #Selbstkritik und Mut zur #Imperfektion…

Säue üben

Mein 1. Graphic Recording

Frühzeitig ging ich zum Veranstaltungsraum und holte erstmal meine Metaplanwand raus. Und siehe da – meine Erfahrungen mit Hotel-Equipment wurden wieder mal bestätigt: Eine wackelige Pinnwand, lieblos bepinnt mit einem Blatt braunem und verknittertem Metaplan-Papier. Also meine Blätterrolle vorsichtig entrollt und mit eigenen Pins (natürlich in meiner Unternehmensfarbe orange) angepinnt.Da bin ich dann doch etwas eigen – denn gutes Material ist auch eine Frage der Wertschätzung meiner Arbeit.

Wertvolle Vorbereitung

Ich sprach mit dem Vortragenden die ideale Position für meine Arbeit ab:
– Mit ausreichend Lichteinfall
– Vorne neben der Bühne – für mich auf der linken Seite (Linkshänder stehen besser rechts, um für die Zuschauer nicht ständig VOR dem Bild zu stehen…)
– Mit freiem Blick auf den Vortragenden und seine Präsentation, die oberhalb an die Wand geworfen wurde

Und sorgte für mich selbst:
– Ich organisierte mir einen Tisch für mein umfangreiches und sauber sortiertes Material (Marker, Wachsblöcke und Pastellfarben)
– Wasserflasche + Glas (der Vortrag war auf eine Stunde terminiert)
– Packung feuchte Tücher gegen gar zu bunte Finger
– Die Logos der beteiligten Unternehmen hatte ich vorher ebenfalls geübt

Rein ins Vergnügen

So konnte mit Vortragsbeginn den Titel des Vertrags samt Logo des Verbandes und Webdomain des Vortragenden zeichnen und dann gleich ins Thema einsteigen. Die Herausforderung war dabei, sich immer am roten Faden lang zu hangeln und leicht zeitversetzt mit dem Vortragenden die richtigen Bilder aufs Papier zu bringen. Immer in Zeiten von längeren Geschichten konnte ich dann die Feinarbeit – weitere Visuals, Farbe, Schatten – nacharbeiten.

Meine Learnings

  • Sorge für das richtige Papier und bringe Dein eigenes Material mit
  • Bestelle frühzeitig eine robuste und intakte Pinnwand/ Metaplanwand
  • Kümmere Dich um Deine persönlichen Bedürfnisse. Tue es selbst.
  • Sprich mit dem Vortragenden seine Präsentationsform (PowerPoint, Beamer u.a.), bedeutende Key-Visuals und wesentliche Inhalte ab
  • Markiere Dir vorher mit Bleistift ein paar Räume auf dem riesig erscheinenden Papier für bestimmte Visuals – so behältst Du die Übersicht
  • Halte ausgerissene Papierstückchen und Klebestifte bereit um eventuelle Fehler schnell kaschieren zu können
  • Plane mehr Weißraum ein, als ich es getan habe (mir war es am Ende etwas zu „kompakt“). Weniger ist mehr…
  • Zeichne kleiner. Lieber schicke Container drumherum setzen!
  • Verwende maximal drei Farben (schwarz, grau und hellblau zählen nicht) und darunter vor allem auch die des Auftraggebers
  • Vergiss niemals, das ganze hinterher aus mehreren Positionen zu fotografieren. Im Idealfall mit verschiedenen Kameras. Und lass´ Dich selbst auch mal mit Deinem Werk ablichten…
  • Kläre vorher, wer das fertige Werk bekommen soll und was er damit tun darf… – das Thema „Rechte“ bestimmt auch mit über den Preis Deiner Arbeit
  • Vergiss´ niemals Dein Branding (ideal: Webdomain) – denn so wissen die Menschen, wer das gemacht hat und wie derjenige erreichbar ist
  • Bring´ Dir einen kleinen Hocker/ ein Kissen mit für die Arbeit im unteren Bereich der Metaplanwand – ich habe im Schneidersitz auf dem Boden gesessen. War hart!
  • Bei mehr als 50 Zuschauern ist es ideal, wenn Deine Arbeit von einer Kamera auf Leinwand übertragen wird – dann können alle live zuschauen. Doch das funktioniert nur, wenn der Vortragende selbst keine Prezi- oder PowerPoint-Präsentation einsetzt…
  • FlipChart-Köcher dürfen ebenso im Handgepäck fliegen, wie Marker. Und auch im Gepäckraum im Flugzeugbauch laufen Marker meiner Lieblingsmarke NICHT aus.
  • Ach – und keine Angst vor dem Auftritt an der großen Leinwand. Dadurch, dass Du mit dem Rücken zum Publikum arbeitest, nimmst Du es irgendwann gar nicht mehr wahr und arbeitest in einer Art Flow-Zustand….und dann macht es richtig Spaß!

ÖVI Salzburg, Vortrag HausLehrer

PS: Kann mir eigentlich mal jemand verständlich erklären, warum Flüssigkeiten in Schwämmchen (so, wie in meinen Markern) ungefährlicher sind, als Flüssigkeiten in Fläschchen von unter 100 Milliliter? Ich würde Flüssigsprengstoff dann wohl lässig in Markern mitnehmen und rechtzeitig ausdrücken, wenn ich wirklich eine Maschine kapern will…

PPS: Ich bin ziemlich stolz auf meine „Sau“. Übung macht offenbar doch den Weg zur Meisterschaft aus 😉

Rennendes Schwein

Veröffentlicht von

Ich mache Unternehmen mit der R³Haltung erfolgreicher. Indem ich dafür sorge, dass Mitarbeiter Höchstleistungen bringen können - und wollen. Davon profitieren alle: Kunden, Unternehmen und Mitarbeiter.

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