Kernkompetenz: Gut drauf sein…

Gute Laune

Überall im Netz finden sich „Challenges“, mit denen wir uns und unser (berufliches wie privates) Dasein optimieren können. Wir sollen immer und überall „gut drauf“ sein. Es gibt dafür Mutmacher-Angebote, Glücks-Coaches und Dankbarkeit-Webinare.

An anderer Stelle locken Styling-Angebote, auf dass wir noch so viel mehr aus uns rausholen mögen. Allen voran die Frauen- und Männerzeitschriften, die inzwischen jede Menge Bilder abdrucken, die nix mehr mit der Wahrheit zu tun haben – Photoshop sei Dank. Und dann gibt es noch unfassbar spannende Fortbildungen für unsere geistige Potentialhebung. Immer „gut drauf“. Als Lebensziel.

Hey, ist DAS unser Leben?

Mir ist heute dieses Foto aus meiner Jugend begegnet. Garantiert ungephotoshopped. Als ich es sah, durchflutete mich ein warmes Gefühl. Ich war etwa 20 Jahre alt und mit meinen Freunden von Rotaract zum Segeln auf dem Isselmeer. Unsere Plattboden-Boote waren „Abt von Starum“ und „Engelina“ (ich sehe es als Zeichen, dass ich das heute noch weiß). Wir hatten – eine tolle Zeit. Drei Tage mit rund 50 jungen Erwachsenen auf zwei Booten. Mit Übernachtung. Alles selbst organisiert. Im Team. So viel persönliche Nähe. So viel Austausch und Offenheit. So viele Träume und Chancen. Wo ist alles das geblieben? ich will dieses warme Gefühl wieder haben…

Gut drauf? Mir wird das zuviel!

Ich bin es leid, dass ich immer perfekt wirken soll. Dass ich gute Laune verbreite, wenn es mir innerlich mies geht. Ich kann – und will – in keiner Weise dauerhaft ein unechtes Lächeln durch die Welt tragen. Während es hinter meiner Fassade brodelt. Ich mag nicht mehr „ach so erfolgreich“ scheinen müssen. In den Phasen, wo ich es gerade eben mal nicht bin. Ich bin ein Mensch. Ich möchte ich sein.

Mit meinen Fehlern, Ängsten und Makeln. Im privaten Umfeld. Und auch im Umgang mit geschäftlichen Kontakten. Dieses ewige „in den Profi-Modus-schalten“-Müssen kostet so unendlich viel Kraft. Und ich sehe einfach nicht mehr ein, dass diese „Fassade“ besser sein soll, als der Mensch, der dahinter steht. Der sich verkrampft dagegen lehnt, auf dass die Fassade des Erfolges erHALTen bleibt.

Loslassen

Das bedeutet keineswegs, dass ich ab sofort schlechte Laune verbreite. Oder alle meine Nöte, Sorgen oder Bedenken ständig in die Welt tragen möchte. Doch ich möchte – und werde – mehr „ich“ sein. Ich bin bereit, mich ohne professionelles Schutzschild zu zeigen. Nahbarer zu werden. Meine Energie auf konstruktive Dinge und Menschen lenken zu dürfen. Dann bin ich nämlich das, was WERTvoll ist: authentisch. Echt. Pur. Aber eben auch verletzlich und angreifbar. Echt sein erfordert eine Menge mehr Mut, als die „gut drauf“-Fassade.

Begegnung auf menschlicher Ebene

Oft kommt es mir so vor, dass wir – beispielsweise bei Netzwerk-Events – alle vorher die Fassade des Erfolgs nochmal ordentlich auf Hochglanz polieren. Und dann den ganzen Abend hochhalten und optimal beleuchten. Anstatt uns mal zwischenmenschlich ehrlicher zu begegnen. Mal zuzugeben, dass es auch mal unrund läuft. Es zuzulassen, dass andere irritiert sind, weil wir „anders“ – weil ehrlicher – sind. Eben weniger „gut drauf“.

Mal ehrlich: Wir verschwenden viel Energie auf den Anschein von Perfektion. Werfen Sie doch nur mal einen Blick auf Dating-Plattformen. Wenn DIE Menschen alle echt wären, dürfte es keine Partnerschafts-Probleme geben…

Zeig´ Dich. Hab´ Mut.

Und doch spürt (und weiß im Grunde) jeder, dass es dahinter oft ganz anders aussieht. Denn spätestens jeder, der einmal die 30 überschritten hat, hat eine Lebensgeschichte. Ein Leben, welches Brüche, Leidenswege und Verluste aufweist. Welches aus ihm gemacht hat, wer er heute ist. Warum – verdammt nochmal – dürfen wir das nicht mehr zeigen?

Selbst im engsten Freundeskreis erlebe ich, dass sogar die wirklich guten Bekannten kaum mehr zu tiefgreifenden, ehrlichen Gesprächen bereit sein. Weil ihr Leben sie so fordert, dass für die Nöte der Mitmenschen kaum mehr Raum bleibt. Dass wir plötzlich fast nur noch über gelesene Bücher (immer fachlich, immer anspruchsvoll), Filme (wertvoll), Urlaube (neidvoll) oder Business-Projekte (höchst erfolgreich, natürlich!) reden. Statt über das, was uns wirklich bewegt. Dass wir keine Konflikte mehr ansprechen, sondern lieber die „Freunde“ loslassen…

Dümmliche Werbung

Ich möchte Sie einladen, diese denkwürdige Werbung „mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Pferd, meine Pferdepflegerin“ der Sparkassen aus dem letzten Jahrhundert endlich hinter sich zu lassen. Wegzukommen vom „Haben“ und wieder hinzukommen zum „Sein“. Einander wieder auf mitmenschlicher und nahbarer Ebene zu begegnen. Sich mal wieder wirklich für den Anderen zu interessieren, statt von sich selbst zu erzählen. Richtig offen zuzuhören und inhaltlich zu verstehen, was unsere Mitmenschen – insbesondere unsere „Freunde“ – uns mitTEILen. Die Smartphones eine Gespräch lang zu ignorieren.

Statt langatmiger Monologe besser Fragen zu stellen. Um noch besser zu verstehen. Den Menschen hinter der Fassade herauslocken – und ihn einladen, sich zu öffnen. Ihm vermitteln, dass er uns vertrauen kann und wir mit seinen Themen verantwortlich umgehen. Statt sie sofort auf Facebook & Co. mit anderen zu „teilen“. Oder den Kollegen zu erzählen. Lassen Sie uns authentisch sein. Nicht als Showeffekt – denn wenn Optimismus zur optischen Täuschung verkommt, läuft etwas falsch. Grundfalsch.

Sondern als ehrliche Basis für ein Aufeinanderzugehen. Als Chance, sich gegenseitig endlich wieder auf der Ebene des Mensch-SEINs anzunähern, statt einander mit Dingen zu beeinDRUCKen.

Gut drauf…

Mir geht es so, dass ich nach einem intensiven und offenen Austausch mit Menschen auf persönlicher Ebene wirklich „gut drauf“ bin. So richtig. Von innen heraus. Weil es mir rundum gut tut. Zu erleben, dass auch andere Menschen mal scheitern, leiden, sich sorgen, erfolglos sind, ist befreiend. Mich ehrlich mit zu freuen, wenn es ihnen total gut geht, ist beglückend. Ihnen den tollen Urlaub, den hochbezahlten Auftrag oder die neue Liebe von Herzen zu gönnen, tut einfach gut. Weil ich auch ihre andere Seite kenne. Gefühle zulassen dürfen – das ist für mich das Geheimnis eines wertschätzenden Miteinanders. Dazu gehört, respektvoll mit diesen Informationen umzugehen.

Leben – und leben lassen

Toleranz im Umgang mit Andersartigkeit ist dabei übrigens sehr hilfreich. Denn jeder von uns ist auf seine Art perfekt. Wenn auch vielleicht ganz anders, als ich selbst. Den Mitmenschen einfach SEIN zu lassen, ist entspannend. Es ermöglicht, dass wir wieder häufiger aus unserem tiefsten Inneren heraus „gut drauf“ sind. Mit einem Lachen, pfeifend, singend oder tanzend durch die Welt gehen und uns des Lebens freuen.

Genau das wünsche ich Ihnen. Und mir.

Meine Mission ist, Menschen auf Bühnen und im Business zu einem begeisternden und authentischen Auftreten zu ermutigen. Mit dem #WOWFaktor - dem Plus an ehrlicher #Wertschätzung.

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