Mitarbeiter wollen kein Lob!

Goldene Karriereleiter

Hubertus ist Arbeitnehmer. Er arbeitet in einem großen Konzern. Neulich erzählte er mir: „Ich kriege Pickel, wenn mein Chef ansetzt, mich für irgendwas zu loben! Denn immer, wenn er lobt, kommt diese Nummer mit dem „Feedback-Sandwich“ (= Kritik wird freundlich zwischen zwei Lagen Lob „verpackt“ …) – und am Ende fange ich mir doch einen ein!“

Wird Kritik durch Lob-Verpackung wirklich „süßer“?

Kritik ist negativ. Feedback im „Sandwich“ soll das Ganze charmanter machen. Doch funktioniert das wirklich? Kommt uns knochentrockene Kritik, die zwischen zwei Scheiben süßen Lobes liegt, plötzlich genießbarer vor? Nein. Wenn die Ankündigung von Lob seitens der Mitarbeiter also schon als bedrohlich empfunden wird, läuft was ordentlich schief.

Nun liegt das nicht nur am Feedback-Sandwich, also der „blendenden“ Verpackung, sondern auch an dem, was ein Lob eigentlich ist: Die Bewertung einer Leistung vom „Meister“ zum „Lehrling“. Ein Lob erfolgt von oben nach unten – statt auf Augenhöhe. Wer lobt, stellt sich über mich. Er maßt sich an, über meine Leistung urteilen zu können (auch wenn er das in vielen Fällen in keiner Weise wirklich bewerten kann!).

Augenhöhe? Fehlanzeige!

Hubertus hat also zu Recht kein gutes Gefühl, wenn er „gelobt“ werden soll . Denn damit verbindet sein Chef zugleich eine Erwartung. Lob hat einen manipulativen Anteil. Der Lobende will damit etwas erreichen. Hubertus soll sich künftig anders verhalten, damit er den Vorstellungen seines Chefs besser gerecht wird. Lob bezieht sich auf eine erbrachte Leistung. Es wird vom Kopf gesteuert und zementiert eine Hierarchie – also vom Meister zum Schüler, vom Elternteil zum Kind. Loben wird in der Kommunikationspsychologie der „trennenden Kommunikation“ zugeordnet.

Liebloses Loblied

Chef sagt: „Hubertus, ich finde es toll, dass Du den Kunden XY gewonnen hast.“
Chef denkt: Na, hoffentlich geht das beim nächsten Mal ein bisschen schneller – Hubertus hat ja ganz schön lange dafür gebraucht.

Hubertus sagt: „Prima.“
Hubertus denkt: Klar freust Du Dich über den neuen Kunden. Der bringt Dir ja auch eine Menge Mehr-Umsatz in die Kasse. Dass ich dafür meinen Samstag geopfert habe, hast Du nicht mal bemerkt. Und mein wochenlanger Einsatz? Den hast Du glatt vergessen. Und bei der nächsten Diskussion um eine Gehaltserhöhung setzt Du erst mal wieder meine Zielvorgaben hoch.

Alternative: Anerkennung

Chef sagt: „Mensch, Hubertus – Du hast Dir sogar am Samstag dafür Zeit genommen, um den neuen Kunden zu gewinnen. Ich habe wohl bemerkt, dass Du schon seit Wochen an ihm rumbaggerst und ich freue mich sehr für Dich, dass Du jetzt am Ende den Erfolg davontragen konntest.“
Chef denkt: Klasse, wenn sich meine Mitarbeiter so für das Unternehmen einsetzen. Mit Leuten wie Hubertus kommen wir echt voran, denn er hat Vorbildcharakter für die gesamte Mannschaft. ich sollte ihn vielleicht demnächst mal mit neuen Projekten betrauen.

Hubertus sagt: „Danke, Chef. Ich freue mich, dass Du meine Arbeit wertschätzt. Der Einsatz hat mir aber auch echt Spaß gemacht.“
Hubertus denkt: Oh – mein Chef hat mich ja tatsächlich im Blick. Er hat mitbekommen, dass ich meinen eigentlich „heiligen“ Familien-Samstag „geopfert“ habe. Es macht Spaß für diesen Chef zu arbeiten, der sich so mit mir über meinen Erfolg freut. Ich glaube, er traut mir noch mehr zu!

Anerkennung bezieht sich auf den Menschen. Sie erkennt auch seinen Einsatz für etwas an – Lob hingegen würdigt nur den vollbrachten Erfolg. Die Authentizität bei der Wertschätzung kommt aus dem Bauch des Anerkennenden und ist für das Gegenüber spürbar. Wir merken, ob die Worte wirklich von Herzen kommen.

Anerkennung kennt keine Zielrichtung

Im Gegensatz zu Lob kann Anerkennung auch von „unten nach oben“ erfolgen, ohne ein komisches Gefühl auszulösen. Ehrliche Anerkennung ist zweckfrei und sie trägt dazu bei, das Leben des Anerkannten ein kleines bisschen besser zu machen. Aus diesem Grund wird die Anerkennung in der Kommunikationspsychologie auch der „verbindenden Kommunikation“ zugeordnet.

Und – was bringt mir das?

Wertschätzende Kommunikation und das Wort „Danke“ schaffen eine positive Unternehmenskultur, die von Offenheit, Vertrauen und Akzeptanz geprägt ist. Anerkennung motiviert und spendet Kraft – sie dient der Persönlichkeitsentwicklung. Der Chef hat seine Mitarbeiter auch emotional im Blick und die Mitarbeiter gehen respektvoller mit ihm, ihren Kollegen, Kunden und Dienstleistern um.

Wertschätzung wirkt wie ein Magnet: Sie zieht weitere Wertschätzung an. Ihr Vorteil: Sie wirkt auch nach Außen.  Ihr Unternehmen wird anders wahrgenommen: Hier fühlen sich potentielle Kunden und Fachkräfte „willkommen“. Hier hat der Mensch einen Wert und seine menschlichen Seiten werden in keiner Weise unterdrückt oder vernachlässigt. Alle arbeiten als Team an der Erreichung der unternehmerischen Ziele. So macht Arbeit allen Beteiligten mehr Spaß.

Gute Führung setzt auf authentische Anerkennung statt auf „meisterliches“ Lob. Wirklich erfolgreiche Unternehmen schaffen belastbare Verbindungen zwischen mental und körperlich gesunden Menschen – mit dem Mittel der Wertschätzung.

 

Ein Klick auf dieses Bild bringt Sie direkt zu einem wertschätzenden Erlebnis, welches mir selbst widerfahren ist…

Würze des Lebens: Wertschätzung

Veröffentlicht von

Ich mache Unternehmen mit der R³Haltung erfolgreicher. Indem ich dafür sorge, dass Mitarbeiter Höchstleistungen bringen können - und wollen. Davon profitieren alle: Kunden, Unternehmen und Mitarbeiter.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Gärtner? In Unternehmen! - Respektspezialistin | Bettina SchöbitzRespektspezialistin | Bettina Schöbitz

  2. Hallo Frau Schöbitz, Ihr Artikel spricht mir als Wertschätzungs-Coach sehr aus dem Herzen. Sehr schön, wie Sie den Unterschied zwischen Lob und Anerkennung deutlich machen. Ich habe Ihren Artikel in meinen XING Gruppe gerne geteilt.
    Freundliche Grüße aus Ravensburg
    Alexandra Cordes-Guth
    Der Wertschätzungs-Coach

    • Hallo Frau Cordes-Guth,

      ganz herzlichen Dank für dieses WERTvolle Feedback. Ja, es erscheint mir wichtig, den Führungskräften hier mehr an die Hand zu geben als „Sie sollten Ihr Team mehr loben“. Denn DAS würde vermutlich langfristig in vielen Fällen das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist.

      Toll finde ich auch, dass wir an der gleichen „Front“ unterwegs sind – ich würde mich über eine nähere Vernetzung sehr freuen.

      Mit rheinisch-herzlichem Gruß
      Bettina Schöbitz

  3. Pingback: Respektvolle Unternehmenskultur macht den Unterschied » By Matthias Schultze

  4. Ich sehe das mit dem Loben genau wie du, liebe Bettina! Das ist auch immer meine Blickrichtung in Kommunikationstrainings. Da wird immer sehr viel praktisch geübt mit anschließendem Feedback aus der Runde. Und da wird immer deutlich, wie sehr wir bewerten und in Kategorien von „richtig und falsch“ unterwegs sind. Das sein zu lassen und statt dessen wertschätzend und konstruktiv Feedback zu geben, fällt vielen erstmal schwer.
    Danke für deinen wichtigen Artikel!
    Herzlich, ina

  5. Liebe Bettina,

    ein schöner Artikel! Mir fällt dazu noch Folgendes ein: Anerkennung kann beschreibend ausgedrückt werden statt bewertend: also, statt zu sagen: „Dieser Bericht ist hervorragend geschrieben“ kann man betonen: „Dieser Bericht ist sehr detailliert und enthält vollständige Fakten!“ Im ersteren Fall ist man immer vom Wohlwollen des Betrachtenden abhängig, im zweiten dagegegen wird die Leistund möglichst objektiv dargestellt und der Empfänger kann diese Tatsachen selber für sich bewerten. Damit wird für mich mehr Wertschätzung ausgedrückt und Leistung wird somit auch inhaltlich gewürdigt.
    Herzliche Grüße
    Susanne

  6. Hallo Bettina,

    großes Lob für Deinen Artikel 🙂 – nein, im ernst. Manchmal ist es wahrscheinlich nur ein kleiner, feiner Unterschied, wie man etwas sagt. Wenn ich jemanden lobe (meine Kollegen oder auch meine Kinder oder meine Frau), möchte ich natürlich nicht, dass das „von oben herab“ ankommt.
    Deshalb finde ich das gut, dass Du diesen feinen Unterschied herausgearbeitet hast.
    Ansonsten finde ich das aber sehr wichtig, dass wir andere loben – sorry – ihnen Anerkennung entgegen bringen.
    Mir selbst tut es auch gut, wenn jemand meine Arbeit anerkennt und positiv bewertet.

    Viele Grüße
    Martin

    • Schön, dass dieser BlogPost so viel Zustimmung findet. In der Tat ist es das allerwichtigste, überhaupt erst einmal die Augen aufzuklappen und „sehen“ zu wollen, was um uns herum geschieht. Dann können wir es aufnehmen und unsere Wertschätzung dafür ausdrücken. Doch viele Menschen – vor allem die, die sich selbst als Burnout-gefährdet betrachten – laufen mit fest geschlossenen Lidern durch die Gegend und nehmen gar nicht mehr wahr, was um sie herum geschieht. BurnOut macht unsere Welt also doppelt arm – indem es Menschen in sich verschließt und die Leistungen ihrer Mitmenschen zunehmend unbemerkt bleiben. Bewusste Achtsamkeit und Anerkennung sind die besten Heilmittel für die Gesundung unserer Gesellschaft….!

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