Online-Knigge: Als Teilnehmer im Videomeeting

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Derzeit boomen OnlineMeetings auf Plattformen wie beispielsweise Microsoft Teams, WebEx, GoToWeb(m)inar oder Zoom. Wer sowas zum ersten Mal mitmacht, dem fehlt es logischerweise an Erfahrung. Deshalb hier ein kleiner Online-Knigge mit wichtigen Impulsen, damit Du auch online eine richtig gute Figur vor der Kamera machst...

Online-Knigge: Hintergrund

Kaum etwas wird aktuell so unterschätzt, wie der Hintergrund in Deinem Videoausschnitt. Wie oft werden da aktuell sehr intime Details gezeigt, die Du sonst niemals für die Öffentlichkeit sichtbar herzeigen würdest? 

Du bist doch Profi in dem was Du tust. Dann zeige das auch vor der Kamera. Momentan zeigen sich selbst Unternehmenschefs vor den heimischen Küchenschränken, einer unaufgeräumten und teils sehr persönlichen (Stichwort: erotische Literatur, krude Hobbies) Bücherwand oder einem chaotischen Aktenregal (Hallo, DSGVO!). Gerne natürlich auch auf dem Balkon oder der Terrasse - mit komischen Lichtverhältnissen, Spiegelungen und Chaos-Ausblick.

Mein Tipp:
Du kannst vor dem Meeting Deine Webcam so ranzoomen, dass Dein Gesicht gut sichtbar und groß angezeigt wird. Dann ist gar nicht mehr so viel Hintergrund zu sehen. Du kannst ein Bettlaken über die Bücherwand hängen. Du kannst Dir ein ordentliches Eckchen vor einer sauberen Wand suchen und Dich mit Gartentisch und Stuhl davor platzieren.  Du kannst auch einfach vorher etwas aufräumen und schauen, wie Du Dich vor der Kamera wirklich zeigen willst. Sei Dir einfach bewusst, dass Menschen sich gerne von Hintergründen ablenken lassen und Dinge entdecken, die Du so vielleicht lieber ungesehen lassen würdest...

Online-Knigge: Outfit

Dasselbe gilt für Dein Erscheinungsbild. Hier sehe ich in den letzten Wochen verstärkt Freizeitlook - und den auch oft in eher ungepflegtem Zustand. Klar - die Friseure haben derzeit geschlossen. Doch rasiert, gewaschen und so gut wie möglich frisiert kann wohl jeder sich zeigen. Das hat auch etwas mit Selbstfürsorge zu tun.

Statement-T-Shirts sind im Business-Kontext ebenso daneben, wie tiefe Ausschnitte, Spaghettiträger, Bademantel oder Pyjama. 

Mein Tipp:
Die Devise lautet "obenrum schön". Geprägt hat diesen Hashtag die Webverbesserin Mira Giesen. Das trifft es auf den Punkt. Unten trage auch ich öfter Shorts und Puschen, doch die Haare sind an Video-Tagen gewaschen, die Lippen frisch gestrichen und die Klamotten kurz vor dem Videomeeting den Kundenerwartungen entsprechend angepasst. Ja, es gibt Tage, da ziehe ich mich am Tag auch sechsmal obenrum um - weil ich es außerhalb vom Video-Dings auch gerne bequem habe. Und im HomeOffice geht das doch superflink!

Klasse ist übrigens auch, wenn Du etwas Farbe trägst. Vor allem sollte sich Dein Outfit deutlich vom verwendeten Hintergrund abheben, damit Du nicht mit selbigem "verschmilzt". Du willst doch professionell und sympathisch rüberkommen, oder?

#FunFact: Auch Jahre im Homeoffice machen übrigens keineswegs zwingend Hängebusen ... (kleiner Gruß an die Frauenzeitschrift Brigitte...)

Online-Knigge: Licht

Du siehst es schnell anhand der beiden Bilder oberhalb der Zwischenüberschrift: Beide Versionen sind auf Dauer eher unschön anzusehen. Das linke Bild ist zu dunkel, das rechte zu hell. Licht frontal von vorne oder auch von hinten ist einfach sehr ungünstig. Das gleichen erst Profikameras aus - doch keineswegs Deine einfache Webcam.

Daher brauchst Du Licht von der Seite. Ideal sind drei Lichtquellen. Zwei von rechts und links vorne - leicht oberhalb des Gesichtes (um unter anderem Brillen-Spiegelungen zu vermeiden) - und eine Leuchte, die hinter Dich leuchtet und so "Schlagschatten" vermeidet. 

Online-Knigge: Augenhöhe

Wie empfindest Du es, wenn ein - Dir durchaus sympathischer - Mensch über längere Zeit immer auf Dich herunterschaut? Genau das passiert in vielen Videomeetings, weil der Mensch vor der Kamera seinen Laptop auf dem Tisch in Schreibhöhe stehen hat - und dadurch von oben in die Laptop-Kamera herabschaut. Das wirkt leicht arrogant und ehrlich: Bei manchen Menschen schafft das zudem einen sehr unangenehmen Blickwinkel - direkt aufs Doppelkinn, die Halsfalten und in die Nasenlöcher. Nicht schön. Ich möchte das keinsfalls genauer sehen.

Mein Tipp:
Ein paar dicke Bücher oder einen großen Karton unter den Laptop packen und so die Kameralinse auf normale Seh-Höhe bringen. Das entlastet Deine eigene Nackenmuskulatur und ist für Deine Mit-Teilnehmenden deutlich sympathischer. Oder willst Du wirklich arrogant wirken? 

Alternativ und noch viel besser ist es, eine externe Webcam zu verwenden und diese auf einem (gerne auch mit McGyver-Methoden selbst gebauten - Lego eignet sich da super!) Stativ hinter den Laptop zu stellen. Dann hast Du nämlich auch gleich ein deutlich besseres Bild, weil als eingebaute Webcam gerne billiges Zeug verwendet wird. Das ist nun mal weniger leistungsfähig!

Online-Knigge: Ton + Mikrofon

Wenn Menschen miteinander reden, dann sollten sie sich nicht nur inhaltlich verstehen, sondern vor allem auch akkustisch. Dazu braucht es guten Ton. Denn knarzende oder zu leise Gespräche sind für alle Beteiligten unangenehm. Daher teste aus, ob Du mir einem Headset, einem in die Webcam eingebauten Mikrofon oder einem externen Mikrofon am besten arbeitest. In der Neuling-Phase tun oft die Ohrknöpfe, die Du zu Deinem Smartphone dazu bekomen hast, gute Dienste. Mehr Info zu den von mir verwendeten Mikrofonen findest Du hier: Bezugsquellen 

Online-Knigge: No Go-Areas

Ein Video im Bad (ja, auch genau DA, wo Du gerade dran denkst!) oder im Bett? Du denkst wahrscheinlich: Ach neee, Bettina - das macht doch keiner! Doch. Menschen machen sowas. Insbesondere, wenn sie am Smartphone teilnehmen und sich unbewusst sind, dass andere das Geschehen in Leinwandgröße betrachten. Ich habe schon Videomeetings in den wirklich abstrusesten Rahmenbedingungen erlebt. 

Mein Tipp:
Bett und Bad sind absolute No Go-Areas. Ebenso, wie Küche und Kinderzimmer. Denn das sind verdammt nochmal Deine Privatbereiche, die niemanden aus Deinem beruflichen Umfeld etwas angehen. Keiner braucht zu wissen, womit Du Dir die Haare wäschst, ob Deine Kids Eis-Prinzessinnen oder Formel I-Fans sind. Oder ob Dein Bettzeug sauber ist.
Übungsraum
Ja, ich höre jetzt schon Einwände: Wir haben kein separates Arbeitszimmer. Wir haben zu wenig Platz. Hey - dann lasst Euch etwas einfallen! Es gibt IMMER eine Lösung.

Wenn Du so gar keine Idee dazu hast, dann ruf´ mich gerne an - wir werden gemeinsam kreativ. Denn oft reichen schon der richtige Bildausschnitt, ein Paravent oder ein Roll Up-Display.

Profi-Tipp: Teste Dein Zoom-Erscheinungsbild vorab!

Damit Du vorab in aller Ruhe ausprobieren kannst, ob Dein Bild und Dein Ton funktionieren und Du auch auf dem Videobild gut "rüberkommst", bietet Zoom die Möglichkeit, sich einfach jederzeit testweise in einen Zoom-Testraum einloggen zu können. 

Online-Knigge: Vorbereitung auf den Start

Ein freundliches Lächeln schadet nie, wenn es ins Online-Meeting geht. Setze es frühzeitig auf, bevor Du ins Meeting startest. Seit Vera F. Birkenbihl wissen wir, dass mit reiner Muskelkraft hochgezogene Mundwinkel unsere Stimmung heben.

Hier noch ein paar erprobte Tipps aus inzwischen über zehn Jahren Online-Meeting-Praxis als Moderatorin und Teilnehmerin:

  • Schalte externe Störungen aus. Zumindest, so gut es geht. Smartphone und Tablet in den Flugmodus. Telefon auf "leise". Informiere Kinder und Partner, bis wann Du jetzt Ruhe brauchst. Du kannst Dir auch meine Türhänger zum Selbstausschneiden runterladen, die die daran Familie erinnern, dass jetzt ein Videomeeting läuft...
  • Schließe alle unnötigen Fenster. Sowohl das physische zur Straße, als auch die virtuellen an Deinem Rechner. Letztere sparen wertvolle Bandbreite, damit Dein Videomeeting möglichst ruckelfrei über die Bühne geht. Immerhin brauchen Videos ne Menge Datenleitung. Zudem wird so die Gefahr der Selbst-Ablenkung minimiert.
  • Stelle Dir selbst etwas zu Trinken bereit. Sogar die Kekse im Meetingraum kannst Du ganz nach Wunsch bestimmen. Der Vorteil am Home-Office. Okay, dafür zahlst Du sie natürlich auch selbst 😉
  • Wann immer Du das Mikrofon im Online-Meeting nicht brauchst, stelle Dich "stumm", damit Deine Geräusche die anderen in keiner Weise stören.
  • Lächle, wenn es passt. Das trägt zur guten Grundstimmung bei. 
  • Melde Dich via Chat oder Handzeichen zu Wort, wenn Du etwas beitragen möchtest. Der Moderator wird es sehen und zeitnah reagieren.
  • Lege Dir Zettel und Stift bereit, damit Du Dir Notizen machen kannst. Nicht immer gibt es die gezeigte Präsentation nachher zum Download.
  • Sei Dir bewusst, dass die anderen jede Bewegung bei Dir wahrnehmen. Mögen die Optionen im Raum oder auf dem Bildschirm auch noch so spannend sein, so ist es doch ein Zeichen von Respekt, sich jetzt auf das Zuhören und -sehen zu konzentrieren.

Online-Knigge: Schau´ in die Kameralinse

Es ist ein wenig gemein, dass die Kameralinse - statt mitten im Bildschirm - stets oben am Rand verankert ist. Doch genau in diese Linse gehören Deine Augen. Statt auf den Bildschirm, wo sich die Bilder der anderen bewegen. Im Bild unten siehst Du, wie es wirkt, wenn Du nach unten auf Bildschirm und Präsentation schaust.

Solange die Präsentation läuft, ist das auch total okay, denn schließlich sollst Du den Inhalt mitbekommen. Sobald Du aber mit Menschen sprichst, Dein Mikrofon also "offen" hast, konzentriere Dich darauf, über die Linse zu den Menschen zu reden. Damit es persönlicher ist. So, wie in einem Live-Gespräch.

Kleiner Trick:
Rechts und links meiner Kameralinse habe ich zwei kleine Augen geklebt. Ich spreche also mit meiner Freundin "Linsi", wenn ich vor meiner Kamera mit Dir rede. Das kann es auch Dir erleichtern, immer mal wieder daran zu denken. Und Linsi sieht doch ziemlich sympathisch aus, oder?

Mentorin für bemerkenswerten Auftritte mit Mikrofon, Marker und Deinem individuellen #WOW-Faktor.

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