Kunde oder Telefon: Prioritäten setzen

Kunde am Tresen, Telefon schellt

…schellte sein Mobiltelefon. Ja, Sie haben richtig vermutet: Der Verkäufer schaute mich kurz bittend an. Und griff auch schon zum Telefon. Es folgten ein Blick aufs Display und ein: „Sorry, da muss ich rangehen!“ Was folgte? Ein Telefonat mit der Gattin – durchaus wortgewaltig, wie zu hören war. Es ging um den gemeinsamen Nachwuchs. Und ich? Schrumpfte merklich zusammen…

Warum ist die Frau im Plastikkästchen plötzlich mehr Wertschätzung wert, als die Frau im Kostüm vor ihm? 

Das ist einfach ungehörig. Weil die Neugierde in Bezug auf den Anrufer größer ist, als der Respekt gegenüber dem lebendigen Kunden. Die eigene Angst, etwas zu verpassen, ist bei einigen Menschen offenbar so groß, dass sie alles gute Benehmen vergessen.

Die grimmige Gattin kann man(n) nach dem Kundengespräch in stiller Minute zurückrufen – die moderne Technik machts möglich.

Taktfalle Telefon

Es ist eine Unsitte, das Telefon oder die eMail unser Leben dominieren zu lassen. Es ist respektlos, diese elektronischen Medien wichtiger zu nehmen, als den lebenden Menschen, der vor mir sitzt. Wertschätzend wäre es, dem Telefon in einem solchen Moment keine Beachtung zu schenken. Die eigene Achtsamkeit ganz auf die Person zu richten, die mir gegenüber sitzt – und mit der ich ja immerhin gerade im Gespräch bin.

In Zeiten moderner Technik ist es schließlich ein Leichtes, hinterher die Nummer des Anrufers zu ermitteln und diesen zurückzurufen. Wohl niemand empfindet es als wertschätzend, wenn er via Telefon besser behandelt wird, als beim persönlichen Erscheinen. Und doch passiert genau das täglich….viel zu oft.

Kunde – erfolgreich vergrault

Ich hatte bereits rund 60 Minuten meiner Zeit in diesem Autohaus verbracht und war in Sachen Vertragsgestaltung schon recht weit gekommen. Von einer Sekunde auf die andere war jetzt klar, dass ich HIER keinesfalls kaufen würde. Also hatte ich – neben dem Gefühl respektlos behandelt worden zu sein – nun auch eine Stunde meiner Lebenszeit verloren. An einen Menschen, der das in keiner Weise zu schätzen wußte.

Schluss. Mit Schaden.

Der Mitarbeiter hat ein Geschäft verloren. Das Autohaus ist einen potentiellen Kunden los. Die Marke nimmt Schaden. Denn in Häusern eben dieser höherwertigen Marke passiert so etwas wohl öfter, wie ich aus dem Kollegenkreis höre und es auch schon selbst erlebte. Ich persönlich verlor Lebenszeit und den erzielten Fortschritt für mein Projekt Firmenwagen.

Nach meinem klar kommunizierten Abgang aus dem Ausstellungsraum überlegte ich kurz, einen Brief an die Geschäftsführung zu schreiben – und unterließ es. Denn warum sollte ich DENEN auch nur eine weitere Minute meiner Zeit schenken?

Mentorin für bemerkenswerten Auftritte mit Mikrofon, Marker und Deinem individuellen #WOW-Faktor.

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